Baden-Württemberg

Übergänge auf Werkreal-/Hauptschulen sinken auf 12 Prozent, Gymnasien legen nochmals leicht zu auf knapp 45 Prozent

Im zweiten Jahr nach dem Wegfall der verbindlichen Grundschulempfehlung haben sich die Trends bei den Übergängen von Grundschulen auf weiterführende Schulen weiter verstärkt. Dies sagte die Präsidentin des Statistischen Landesamtes, Dr. Carmina Brenner, heute auf einer gemeinsamen Pressekonferenz mit Kultusminister Andreas Stoch. Beigetragen zu dieser Entwicklung hat auch der Ausbau der Gemeinschaftsschulen von 42 im Schuljahr 2012/13 auf 131 im Schuljahr 2013/14. Bei den öffentlichen Gymnasien gibt es neben den regulären G8-Zügen 44-mal das Angebot eines neunjährigen Zuges. Darüber hinaus wird auch an einigen privaten Gymnasien ein neunjähriger Zug angeboten.

27.01.2014 Pressemeldung Statistisches Landesamt Baden-Württemberg

Übergangsquoten zum Schuljahr 2013/14

Zum Schuljahr 2013/14 sind nur noch 11,9 Prozent der knapp 93 700 Viertklässler1) des Landes von der Grundschule auf eine Werkreal-/Hauptschule gewechselt; dies waren 4 Prozentpunkte weniger als im Vorjahr. Die Übergänge auf Realschulen lagen bei 36,2 Prozent und damit etwas unter dem Vorjahreswert von 37,1 Prozent. Für das Gymnasium entschieden sich 44,6 Prozent der Viertklässler, womit der Spitzenwert des Vorjahres (43,9 Prozent) nochmals leicht übertroffen wurde. Auf die Sekundarstufe I einer Gemeinschaftsschule waren 5,7 Prozent der Viertklässler übergegangen (Vorjahr: 1,7 Prozent). Weitere 1,6 Prozent der Viertklässler wechselten auf andere Schularten, wiederholten oder hatten keine Grundschulempfehlung erhalten. Im Vergleich zum Schuljahr 2011/12, dem letzten Jahr mit einer verbindlichen Grundschulempfehlung und noch vor der Existenz von Gemeinschaftsschulen und wiedereingeführten G9-Zügen, hat sich die Übergangsquote auf die Werkreal-/Hauptschulen 2013/14 sogar halbiert. Die Realschulen haben seither zwei Prozentpunkte zugelegt, die Gymnasien knapp vier. Grundschulempfehlungen zum Schuljahr 2013/14

Das Übergangsverhalten zum Schuljahr 2013/14 weicht deutlich ab von den im Februar 2013 ausgesprochenen Grundschulempfehlungen. Laut Grundschulempfehlung hätte jeder vierte Viertklässler (24,7 Prozent) eine "Werkreal-/Hauptschule oder Gemeinschaftsschule" besuchen sollen. Auf eine "Realschule oder Werkreal-/Hauptschule oder Gemeinschaftschule" sollten nach dem Willen der Klassenkonferenzen 28,2 Prozent der Viertklässler gehen. Eine Empfehlung zum Besuch von "Gymnasium oder Realschule oder Werkreal-/Hauptschule oder Gemeinschaftsschule" wurde in 46,7 Prozent der Fälle erteilt. 0,4 Prozent der Viertklässler hatten keine Grundschulempfehlung erhalten. Damit blieb die Verteilung der ausgesprochenen Grundschulempfehlungen in etwa auf dem Niveau des Vorjahres 2012/13. Zum Schuljahr 2011/12, als die Empfehlung noch verbindlich war, erhielt sogar jedes zweite Kind (50,4 Prozent) eine Empfehlung, die den Besuch des Gymnasiums ermöglicht hätte. Die Realschule wurde damals nur für jedes vierte Kind (24,8 Prozent) empfohlen. Ein Wechsel auf eine Werkreal-/Hauptschule wurde anteilsmäßig etwa genauso häufig empfohlen (24,5 Prozent) wie in den zwei Folgejahren. Keine Grundschulempfehlung hatten 0,3 Prozent der Viertklässler erhalten.

Die Entscheidung, welche weiterführende Schule das Kind nach dem Besuch der vierten Klasse in Zukunft besuchen soll, liegt mit dem Wegfall der verbindlichen Grundschulempfehlung ganz bei den Eltern. Als weitere Orientierungshilfe neben eigenen Wahrnehmungen, Gesprächen mit Lehrkräften und der Grundschulempfehlung können die Eltern freiwillig auch am sogenannten "besonderen Beratungsverfahren" teilnehmen. Insgesamt haben im Jahr 2013 rund 1 800 Eltern das Angebot wahrgenommen. In den meisten Fällen (gut 56 Prozent) hatten die zugehörigen Kinder vorher eine Grundschulempfehlung zum Besuch der Werkreal-/Hauptschule erhalten. Knapp 31 Prozent der teilnehmenden Eltern hatten Kinder mit einer Grundschulempfehlung für die Realschule, gut 13 Prozent für das Gymnasium. Übergänge zum Schuljahr 2013/14 nach der Grundschulempfehlung

Die Kinder, die zum Schuljahr 2013/14 nach der vierten Grundschulklasse auf eine Werkreal-/Hauptschule gewechselt sind, hatten fast immer (knapp 95 Prozent) auch eine Empfehlung für diese Schulart. Auf eine Realschule wechselten dagegen nur gut 57 Prozent der Viertklässler mit einer Realschul-Empfehlung. Fast ein Viertel von ihnen (gut 24 Prozent) hatte eine Empfehlung für die Werkreal-/Hauptschule und gut 18 Prozent für das Gymnasium. Von den Übergängern auf ein Gymnasium hatten 88 Prozent eine entsprechende Empfehlung. Rund 11 Prozent hatten stattdessen eine Empfehlung für die Realschule. An die Sekundarstufe I der Gemeinschaftsschule waren 62 Prozent der Viertklässler mit einer Empfehlung für die Werkreal-/Hauptschule gewechselt, 28 Prozent mit einer Empfehlung für die Realschule und 10 Prozent mit einer Empfehlung für das Gymnasium. Diese Anteile der Grundschulempfehlungen liegen bei allen genannten Schularten auf sehr ähnlichem Niveau wie im Vorjahr.

Übergänge von ausländischen Kindern zum Schuljahr 2013/14

Bei ausländischen Grundschülern der Klassenstufe 4 haben sich mit dem Wegfall der verbindlichen Grundschulempfehlung große Veränderungen im Übergangsverhalten ergeben. Schon zum Schuljahr 2012/13 waren sie wesentlich häufiger auf Realschulen und Gymnasien gewechselt als in früheren Jahren; die Übergänge auf die Werkreal-/Hauptschule waren um 20 Prozentpunkte zurückgegangen. Dieser Einbruch hat sich zum Schuljahr 2013/14 noch weiter verstärkt: Nur noch knapp 23 Prozent der ausländischen Viertklässler wechselten nach der vierten Klassenstufe auf eine Werkreal-/Hauptschule, zwei Jahre zuvor mit noch verbindlicher Grundschulempfehlung waren es noch 48 Prozent. Für den Besuch einer Realschule haben sich fast 38 Prozent der ausländischen Viertklässler entschieden, zwei Jahre zuvor wechselten nur gut 27 Prozent auf diese Schulart, die einen mittleren Abschluss zum Ziel hat. Auf ein Gymnasium wechselten knapp 31 Prozent der ausländischen Viertklässler, dies waren sieben Prozentpunkte mehr als vor zwei Jahren. Somit haben sich bei den ausländischen Übergängern die hohen Quoten des Vorjahres beim Übergang auf Realschulen und Gymnasien bestätigt. Auf eine Gemeinschaftsschule gewechselt sind zum Schuljahr 2013/14 sechs Prozent der ausländischen Kinder, dies sind fünf Prozentpunkte mehr als im Vorjahr. Damit haben sich die Unterschiede beim Übergangsverhalten zwischen deutschen und ausländischen Schülern insbesondere in den letzten zwei Jahren zwar spürbar verringert, Gleichheit herrscht aber bei weitem noch nicht. Denn von den knapp 85 400 deutschen Viertklässlern wechselten mit nahezu 11 Prozent anteilsmäßig nur etwa halb so viele auf eine Werkreal-/Hauptschule wie von den ausländischen. Die Übergangsquoten auf die Realschule liegen bei deutschen und ausländischen Viertklässlern - wie im Vorjahr auch - auf ähnlichem Niveau (36 bzw. knapp 38 Prozent). Zum Besuch eines Gymnasiums haben sich 46 Prozent der deutschen Viertklässler entschieden – der entsprechende Anteil der Ausländer liegt bei knapp 31 Prozent.

Regionale Unterschiede

Auch zwischen den einzelnen Stadt- und Landkreisen bestehen weiterhin große Unterschiede bei den Übergangsquoten. Die Übergänge auf die Werkreal-/Hauptschulen zum Schuljahr 2013/14 streuen zwischen gut zwei Prozent im akademisch geprägten Stadtkreis Heidelberg und knapp 22 Prozent im Stadtkreis Pforzheim. Die Realschul-Übergänge schwanken zwischen 16 Prozent im Stadtkreis Heidelberg und knapp 46 Prozent im Landkreis Schwäbisch Hall. Die größte Spannweite zwischen den Übergangsquoten findet sich aber wieder bei den Gymnasien: Während im überwiegend ländlichen Landkreis Waldshut 30 Prozent der Viertklässler auf ein Gymnasium wechselten, war der Anteil im Stadtkreis Heidelberg mit 65 Prozent mehr als doppelt so hoch. Somit hat sich an der Besetzung der Spitzenpositionen nicht viel verändert. Der Stadtkreis Heidelberg belegte auch in den Vorjahren schon den ersten Platz bei den Übergängen auf das Gymnasium und war Schlusslicht bei den Übergängen auf die Werkreal-/Hauptschule. Andererseits hatte der Landkreis Waldshut auch in früheren Jahren schon landesweit eine der niedrigsten Übergangsquoten auf das Gymnasium. Bei den Übergängen auf die Realschule hatten in den letzten Jahren die Stadtkreise und Universitätsstädte Heidelberg oder Freiburg die geringsten Quoten, Spitzenreiter waren (überwiegend) ländliche Kreise wie z. B. der Landkreis Freudenstadt, der Alb-Donau-Kreis oder der Hohenlohekreis.


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