Baden-Württemberg

Unterrichtsversorgung im kommenden Schuljahr ist gesichert

"Das Land steht zu seinem Versprechen, auch weiterhin massiv in Bildung und damit in die Zukunftsfähigkeit unseres Landes zu investieren. Gute Bildung ist nicht nur der Schlüssel für individuelle Lebenschancen, sondern auch das Fundament für gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Fortschritt", erklärte Kultusministerin Marion Schick anlässlich der traditionellen Landespressekonferenz zum Schuljahresanfang am Mittwoch (8. September 2010) in Stuttgart. "Deshalb werden wir trotz eines vom Statistischen Landesamt prognostizierten Schülerrückgangs um rund 32.000 zum kommenden Schuljahr keine Lehrerstellen abbauen, sondern im Gegenteil zusätzlich noch rund 1.800 neue Stellen schaffen. Damit werden wir die Qualität unseres Bildungssystems weiter verbessern", betonte Schick. Rechne man die durch den Schülerrückgang frei werdenden Stellen hinzu, würden im Vergleich zum Vorjahr rund 2.500 zusätzliche Stellen für wichtige bildungspolitische Maßnahmen zur Verfügung stehen.

08.09.2010 Pressemeldung Ministerium für Kultus, Jugend und Sport Baden-Württemberg

Zusätzliche Mittel zur Vermeidung von Unterrichtsausfall

"Die Schulen im Land sind gut vorbereitet auf das kommende Schuljahr. Der Pflichtunterricht ist gesichert und auch für darüber hinaus gehende Zusatzangebote stehen ausreichend Mittel zur Verfügung", sagte Schick. Zur Sicherung der Unterrichtsversorgung im kommenden Schuljahr seien in diesen Tagen zusätzlich zu den bereits vorgesehenen Vertretungsmitteln weitere zehn Millionen Euro zur Verfügung gestellt worden. "Schülerinnen und Schüler sowie deren Eltern erwarten zu Recht, dass erkrankte Lehrkräfte vertreten beziehungsweise ersetzt werden. Mit dieser zusätzlichen Reserve können bei Bedarf schnell und unbürokratisch Vertretungsverträge abgeschlossen werden", sagte Schick. "Das entbindet die Schulen aber nicht von der Aufgabe, auch weiterhin mit den vorhandenen Ressourcen verantwortungsvoll umzugehen." Dazu zähle unter anderem der Einsatz der fest installierten Lehrerreserve mit 1.266 Lehrerstellen verteilt auf alle Schularten.

Mit Blick auf das Lehrbeauftragten-Programm erklärte Schick: "Die Angebote sind eine sinnvolle Ergänzung und Bereicherung des Unterrichtsangebots und können auch im kommenden Schuljahr weitergeführt werden. Keine Schule muss hier den Gürtel enger schnallen. Mögliche Engpässe können flexibel ausgeglichen werden." Zwar seien die Mittel für Lehrbeauftragte im Haushalt 2010 von drei auf zwei Millionen Euro gekürzt worden. Engpässe könnten jedoch aus Schöpfmitteln behoben werden, so dass den Regierungspräsidien ausreichend Mittel zur Verfügung stünden, erläuterte die Ministerin.

Mehr Neueinstellungen als im vergangenen Schuljahr

Insgesamt werden rund 5.500 Lehrkräfte zum neuen Schuljahr 2010/11 neu in den öffentlichen Schuldienst eingestellt. "Damit übertreffen wir sogar noch das Vorjahresergebnis um rund 500 Lehrkräfte - trotz eines prognostizierten Schülerrückgangs um rund 32.000", erklärte Schick. "Mit der erneuten Erhöhung verbessern wir die Rahmenbedingungen für qualitativ hochwertiges Unterrichten und erfolgreiches Lernen." Von den rund 5.500 eingestellten Junglehrern erhalten die Grund- und Hauptschulen 1.750 neue Pädagoginnen und Pädagogen, die Realschulen 830, die allgemein bildenden Gymnasien 1.600, die beruflichen Schulen insgesamt 920 und die Sonderschulen 310. Hinzu kommen noch 90 Fachlehrer für musisch-technische Fächer an verschiedenen allgemein bildenden Schularten.

Als wichtigste Ursachen für den Stellenanstieg nannte Schick die weitere, bereits beschlossene Verkleinerung der Klassen. "Nirgendwo muss eine Klasse mit über 31 Schülerinnen und Schülern gebildet werden. An den Grundschulen sinkt die Klassengröße sogar noch deutlicher: Dort müssen künftig in keiner Klasse mehr als 28 Schülerinnen und Schüler unterrichtet werden", erläuterte die Ministerin. Bei jahrgangsübergreifenden Klassen sind es nur noch 25 Schülerinnen und Schüler. "Die durchschnittlichen Klassengrößen werden daher im neuen Schuljahr weiter abnehmen. Die Lehrerinnen und Lehrern können damit auf die Schülerinnen und Schüler noch individueller eingehen", so Schick.

Qualifizierte Lehrkräfte für nahezu alle Lehrerstellen

"Dank des zeitlich vorgezogenen Lehrereinstellungsverfahren, ist es uns gelungen, nahezu alle offenen Lehrerstellen mit qualifizierten Lehrkräften zu besetzen", erklärte Schick. Lediglich in einigen Mangelfächern und in Einzelfällen an weniger nachgefragten Schulstandorten sei die Besetzung offener Stellen schwierig. "Das Einstellungsverfahren läuft noch bis Ende September, so dass wir zuversichtlich sind, auch die letzten Lücken schließen zu können", sagte die Kultusministerin. Darüber hinaus hat das Kultusministerium bereits frühzeitig mit einem umfangreichen Maßnahmenbündel möglichen Engpässen entgegengewirkt. So konnten Gymnasien und berufliche Schulen bereits im November 2009 schulbezogene Stellenausschreibungen starten. Im Februar 2010 folgte eine schulbezogene Stellenausschreibung für den ländlichen Raum und im April die so genannte Hauptausschreibung. Bereits bis Ende Mai hatten 2.679 Personen eine feste Stellenzusage. Darüber hinaus wurden zusätzlich 81 Personen im Rahmen von Versetzungen innerhalb des Schuldienstes für die ausgeschriebenen Stellen gewonnen. "Damit wurde über die vorgezogenen Verfahren bereits knapp die Hälfte aller für 2010 einzustellenden Personen gewonnen und eine frühzeitige Bindung der Lehrkräfte sichergestellt", hob Schick hervor. Für den Direkteinstieg in Mangelfächern an beruflichen Schulen gingen rund 700 Bewerbungen aus der Wirtschaft für den Schuldienst ein. "Insgesamt bestanden in diesem Jahr für die Lehramtsbewerberinnen und -bewerber gute bis sehr gute Einstellungschancen", stellte die Ministerin fest.

Hinweis an die Redaktionen:
Der Klassenteiler ist ein entscheidender Faktor bei der Zuweisung von Lehrerwochenstunden an die Schulen. Die Schülerzahl einer Jahrgangsstufe wird durch den Klassenteiler dividiert. Das aufgerundete Ergebnis ist die Anzahl der rechnerischen Klassen, für die eine Schule Lehrerwochenstunden erhält. Im Rahmen der insgesamt zugewiesenen Lehrerwochenstunden entscheidet die Schulleitung dann unter Berücksichtigung der örtlichen Gegebenheiten und pädagogischen Gesichtspunkte über die tatsächliche Klassenbildung.

Beispiel: Jahrgangsstufe 5 Gymnasium mit 96 Schülerinnen und Schülern. Der Klassenteiler 32 ergab im Schuljahr 2009/10 exakt drei Klassen mit jeweils 32 Schülern. Bei einem Klassenteiler von 31 im Schuljahr 2010/11 ergibt sich hingegen folgende Rechnung: 96:31 = 3,1. Das bedeutet: Es werden rechnerisch vier Klassen gebildet. Entscheidet sich die Schulleitung dafür, mit den zugewiesenen Ressourcen vier Klassen einzurichten, könnten die realen Klassengrößen wie folgt aussehen: Klasse A 22 Schüler, Klasse B 26 Schüler, Klasse C 25 Schüler und Klasse D 23 Schüler. Die durchschnittliche Klassengröße läge dann bei 24 Schülern.

Anhang

Anlage 1: Lehrereinstellung im Jahr 2010

Lehramt Neueinstellungen im Jahr 2010 Zahl der Bewerber im Jahr 2010
Insgesamt Neubewerber Altbewerber
Grund- und Hauptschulen 1.750 1.700 1.850
Sonderschulen 210 370 280
Realschulen 830 880 650
Fachlehrer für musisch-technische Fächer 90 150 110
Fachl./Techn. Lehrer an Sonderschulen 100 120 30
Gymnasien 1.600 1.600 700
Berufliche Schulen - Wissenschaftliche Lehrer 800 350 830
Berufliche Schulen - Technische Lehrer 120 10 270
Insgesamt 5.500 5.180 4.720

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