Unverantwortlich! - Sind jetzt die Realschulen dran?

Im Leitartikel der Frankfurter Rundschau vom 15.05.08 konstatiert Martin Müller-Bialon, dass Haupt- und zunehmend auch Realschulen als Institutionen kaum noch gesellschaftlichen Wert hätten. Daneben spricht er den Gesamtschulen eine gestiegene Reputation zu und hält sie neben dem Gymnasium für die einzige erhaltenswerte Schulform.

22.05.2008 Bayern, Nordrhein-Westfalen Pressemeldung Landeselternverband Bayerischer Realschulen (LEV-RS)

Hinter einer derartigen Bewertung kann zu Gunsten des Autors nur Unwissenheit vermutet werden, oder aber ihm muss unterstellt werden, dass er politische Ziele verfolgt. Das müsste allerdings als Verstoß gegen die journalistische Neutralitätspflicht angesehen werden. In jedem Falle aber ist dieser Bericht aus Sicht von Realschuleltern und -lehrern nur als schlicht verantwortungslos zu betrachten. Schon das Image der Hauptschulen wurde durch diffamierende "Berichterstattung" zerstört. Eltern meldeten ihre Kinder zunehmend weniger an dieser Schulform an, nachdem ihnen öffentlich eingeredet worden war, dass Hauptschüler chancenlos seien. Schwierige Situationen einzelner Schulen wurden aufgebauscht und verallgemeinert. Über die hervorragende Arbeit, die an den meisten Hauptschulen geleistet wird, berichtete kaum jemand. Politiker griffen dann die gesunkenen Schülerzahlen als Argument für Schul- bzw. Schulformschließungen auf. Die Chance für eine bessere Förderung der Schüler, die in geringen Klassenstärken liegt, wurde übersehen. Es ist ja auch viel billiger, Schüler in großen Klassen mit 30+ Kindern zusammenzufassen. Obendrein ist es sehr populistisch, die Öffentlichkeit glauben zu machen, dass mit der Abschaffung der zuvor diffamierten Schulform größere Bildungsgerechtigkeit verbunden wäre. Es darf hier wohl zu Recht die Frage nach Ursache und Wirkung gestellt werden.

Nachdem die Presse und einige Politiker das Ansehen der Hauptschulen inzwischen nahezu bundesweit nachhaltig zerstört haben, sind jetzt wohl die Realschulen in den Fokus der Gesamtschulbefürworter geraten.

Nun muss offenbar auch noch diese Schulform weg, die bisher kaum durch negative Einzelfälle aufgefallen ist und traditionell als Schule des sozialen Aufstiegs ihre Schüler in aller Ruhe und unter oftmals miserablen Bedingungen fördert. Entgegen den Behauptungen des FR-Redakteurs genießen Realschulabsolventen in der Wirtschaft unverändert hohe Anerkennung und setzen ihre Bildungskarriere nicht selten an Hochschulen erfolgreich fort. Studien ergaben schon in den 90er Jahren, dass Realschüler am Ende der 10. Klasse einen erheblichen Vorsprung gegenüber den Gesamtschülern haben. Aktuelle Studien (-> ELEMENT) lassen erwarten, dass auch bei einer verpflichtenden Gemeinschaftsbeschulung aller Kinder keine besseren Ergebnisse erzielt werden können.

Warum also sollen Realschulen abgeschafft werden, wenn sie doch nachweislich bessere und erfolgreichere Arbeit leisten als Gemeinschaftsschulen? Die Gründe können nur ideologischer Natur sein. Dagegen aber wehren sich vor allem die Eltern, denen nach dem Grundgesetz und den Landesverfassungen die Entscheidung über die Erziehung ihrer Kinder obliegt. Dazu gehört auch die Bildung.

"Ob diesem Redakteur eigentlich bewusst ist, welchen Stein er da ins Rollen bringt?" fragen sich die Realschulexperten. Journalisten, wie Martin Müller-Bialon, sollten erstmal Hausaufgaben machen, bevor sie ihre Verantwortung für die öffentliche Meinungsbildung in nahezu sträflicher Weise missachten. Die ersten, die die Auswirkungen solcher Berichterstattung zu spüren bekommen werden, sind die Schüler, deren Eltern sich im Vertrauen auf eine renommierte Schulform für diese entschieden haben. Dieses Renommee leichtfertig zu beschädigen, kann nur als unverantwortlich betrachtet werden.

Diese Erklärung wird ausdrücklich unterstützt vom Verband deutscher Realschullehrer (VDR) und seinen Landesverbänden in Bayern, Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen und Rheinland Pfalz, dem Elternverein Schleswig Holstein, so wie zahlreichen einzelnen Realschulen in den genannten Ländern.


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