VBE: Angeordnete Halbierung der Sitzenbleiberquote führt zu besseren Noten, aber nicht zu einer Qualitätssteigerung

Der Verband Bildung und Erziehung (VBE) Baden-Württemberg weiß, dass jeder Sitzenbleiber ein Sitzenbleiber zu viel ist. Trotzdem werde es auch künftig immer wieder unbelehrbare und völlig demotivierte Schüler geben, die es regelrecht darauf anlegten, eine "Ehrenrunde" zu drehen. Es sei jedoch Aufgabe der Schule, sagt der VBE-Vorsitzende Rudolf Karg (Karlsruhe), Kinder und Jugendliche, die Schwierigkeiten mit dem Lernen haben, frühzeitig und so intensiv zu fördern, dass deren Versetzung am Schuljahresende zu keiner Zeit als gefährdet angesehen werden müsse. Da­für benötigten die Schulen deutlich mehr Lehrerstunden.

22.05.2008 Baden-Württemberg Pressemeldung Verband Bildung und Erziehung, Landesverband Baden-Württemberg

In der Regel sei das Diagnostizieren von Schülerdefiziten nicht das Hauptpro­blem, sagt der VBE-Vorsitzende. Sorge bereite Eltern und Lehrern gleicherma­ßen, dass die Schulen meist nicht genügend Unterstützungsmaßnahmen anbieten können, um diesen Defiziten rechtzeitig etwas entgegenzusetzen. Vorgaben der Politik, etwa die Sitzenbleiberquote zu halbieren, könne zwar postwendend von den Schulen umgesetzt werden, würde aber nicht unbedingt zu einer Qualitäts­steigerung führen.

Der VBE spricht sich gegen die grundsätzliche Abschaffung des Sitzenbleibens aus, zumal das Verfahren sehr differenziert gesehen werden müsse. Eine Verset­zung trotz schlechter Noten aus pädagogischen Gründen oder zur Probe sei bereits jetzt möglich. Für notorische Faulenzer mit deutlich zur Schau getra­gener Null-Bock-Mentalität könnte das angeordnete Wiederholen einer Klassen­stufe erzieherisch durchaus wertvoll sein.

Das Aussprechen einer Nichtversetzung sollte stets nach einer gründlichen päda­gogischen Überprüfung und Würdigung der gesamten Schülerpersönlichkeit ge­schehen und nicht aufgrund reiner Zahlenarithmetik. Generell sollten sich Eltern und Lehrer hüten, Sitzenbleiber als Versager abzustempeln. Gerade Schüler mit weniger erfolgreichen Zensuren bedürfen der Ermunterung und Hilfe. Und je schneller diese Unterstützung einsetze, desto besser sei es für alle Beteiligten, betont VBE-Chef Karg. Optimal sei es, wenn eine frühe und intensive Förde­rung das Sitzenbleiben schlichtweg überflüssig machen würde.


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