VBE bezweifelt, ob die Vorstellungen der FDP die Hauptschule retten
Der Verband Bildung und Erziehung (VBE) Baden-Württemberg widerspricht FDP-Chef Noll, der in der Zweizügigkeit das künftige Heil der Hauptschule sieht. Viele Hauptschulen seien einzügig geworden, weil niemand mehr dorthin gehen wollte, behauptet der VBE-Sprecher. Bei einer von der Gesellschaft als Restschule stigmatisierten Bildungseinrichtung komme es letztendlich gar nicht mehr auf die Qualität der dort geleisteten Arbeit an, da auch hoch motivierten und gut ausgebildeten Jugendlichen dieser Schulart generell der Makel "Verliertyp" anhafte.
04.08.2008 Baden-Württemberg Pressemeldung Verband Bildung und Erziehung, Landesverband Baden-WürttembergDie Hauptschule krankt daran, dass ihr die gesellschaftliche Anerkennung versagt wird. Jeder beteuert zwar, wie wertvoll diese Schulart im gegliederten Schulwesen sei, schickt aber die eigenen Kinder auf jede andere Schule, nur nicht auf die Hauptschule. Der abgewandelte Sponti-Spruch "Stell dir vor, es gibt Hauptschulen und keiner geht hin!" ist nunmehr Realität geworden.
Waren es bisher lediglich die Schüler und deren Eltern, die, falls irgendwie möglich, einen großen Bogen um die Hauptschule machten, mieden jetzt auch immer mehr Lehrer diese unbeliebte Schulart mit der geringeren Besoldung und der höheren Unterrichtsverpflichtung.
In Baden-Württemberg gibt es unter dem Motto "Kein Abschluss ohne Anschluss" verschiedene anerkannte Wege zur Hochschulreife. Immer wieder wachen Spätentwickler plötzlich auf und starten mit Feuereifer erfolgreich durch - etwa in den anerkannten beruflichen Gymnasien. Natürlich fange man heute mit einem Hauptschulabschluss immer weniger an, und da versteht der VBE die Sorgen der Eltern sehr gut. Daher sollte mit dem Zeugnis nach Klasse neun nicht Schluss mit dem Lernen sein, ermuntert der VBE zum schulischen Weitermachen. Dass aus einem Hauptschüler mit Durchhaltevermögen und Fleiß ein hochrangiger Bildungspolitiker werden kann, dafür legt der Staatssekretär im Kultusministerium, Georg Wacker (CDU), beredt Zeugnis ab, der vor dem Aufbaustudium an der Mannheimer Hochschule für Musik auf eine Hauptschule ging. Eine Abschaffung aller kleineren Hauptschule oder die generelle Umbenennung in Werkrealschule, wie es der FDP jetzt vorschwebt, wird die Übergangszahlen nicht verbessern. Bei dieser Schulart wurde zu lange zu viel versäumt, klagt der VBE an.
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