G8/G9

VBE: Gymnasium ist schon jetzt Gesamtschule zweiter Klasse

Zum Vorschlag der FDP, die Gymnasien selbst darüber entscheiden zu lassen, ob sie zum G9-Bildungsgang zurückkehren, sagt der Vorsitzende des Verbands Bildung und Erziehung NRW Udo Beckmann: Kehrt der G9 Bildungsgang für die Gymnasien zurück, unterscheidet sich das Gymnasium kaum noch von der Gesamtschule.

18.08.2016 Nordrhein-Westfalen Pressemeldung GEW Nordrhein-Westfalen
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Das Gymnasium ist heute schon die heimliche Gesamtschule, 40-50 Prozent der Schüler eines Jahrgangs, je nach Region, besuchen mittlerweile diese Schulform. Eltern und Kinder behandeln das Gymnasium damit zwar als heimliche Gesamtschule, die Schulform bietet jedoch bekanntermaßen nicht die Fördermöglichkeiten der Gesamtschule. Dass das zu Unzufriedenheit führt, wundert mich nicht, sagt Beckmann. 

Die Entwicklung hin zu Gesamtschulen erster und zweiter Klasse hat steigende Ungerechtigkeit zur Folge. Denn gymnasiale Förderung findet oft in privaten Nachhilfeschulen statt. Der VBE fordert daher eine Förderung der Schulen des längeren gemeinsamen Lernens. Sekundar- und Gesamtschulgründungen sollen erleichtert werden, indem: 

  1. Bei neu zu gründenden Sekundarschulen ist eine Zweizügigkeit bei insgesamt 48 Schülerinnen und Schülern als ausreichend anzusehen.
  2. Bei der Gründung von Sekundarschulen sind Einpendler zu berücksichtigen, wenn die Nachbarkommune kein entsprechendes Schulangebot bereithält.
  3. Interkommunale Schulentwicklung vorantreiben. Im Sinne eines ausgewogenen Schulangebots ist es erforderlich, bereits in frühen Planungsphasen das Gespräch mit benachbarten und möglicherweise betroffenen Schulträgern zu suchen.
  4. Die Umwandlung bestehender Haupt- und Realschulen ermöglichen.
  5. In Fällen, in denen das Gymnasium die einzige Schule am Ort ist, sollte ermöglicht werden, diese in eine Gesamtschule umzuwandeln.
  6. Gleiche Bedingungen für private und öffentliche Schulen schaffen.
  7. Die Fortführung bereits bestehender Sekundarschulen muss auch in einer Zweizügigkeit möglich sein - analog zum Bestandsschutz bestehender Haupt- und Realschulen.
  8. Um die Durchlässigkeit des Schulsystems zu sichern, ist eine Rückkehr zur durchgängigen sechsstufigen Sekundarstufe I erforderlich - dies vor allem unter dem Gesichtspunkt, Schulformwechslern entgegenzukommen.
  9. Abschlussverantwortung für jede Schule festschreiben. Schülerinnen und Schüler müssen an der weiterführenden Schule, an der sie ihre Schullaufbahn beginnen, mindestens zu einem ersten Abschluss geführt werden.
  10. An allen Schulformen Verantwortung für Inklusion übernehmen. Inklusive Beschulung muss eine Reduzierung des Klassenhöchstwerts um je zwei Schüler pro Kind mit sonderpädagogischem Förderbedarf nach sich ziehen. 

Die zehn Forderungen beruhen auf einem Gutachten von Professor Ernst Rösner.


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