VBE hält "Paradigmenwechsel" bei der Einrichtung von Ganztagesschulen für notwendig
Bei einem Spitzengespräch zwischen dem Landeselternbeirat und dem Verband Bildung und Erziehung (VBE) Baden-Württemberg warb der stellvertretende VBE-Landeschef Otmar Winzer um Unterstützung für einen "Paradigmenwechsel" bei den Ganztagesschulen. Nicht die "Vereinbarkeit von Familie und Beruf" müsse bei der Einrichtung von Ganztagesschulen die eigentliche politische Triebfeder sein, sondern in erster Linie die dadurch mögliche Verbesserung der Bildungs- und Lebenschancen der Kinder. Um den Schülern wirklich das Beste bieten zu können, müssten diese Ganztagesschulen ausschließlich in gebundener Form umgesetzt werden.
10.01.2008 Baden-Württemberg Pressemeldung Verband Bildung und Erziehung, Landesverband Baden-WürttembergGanztagesschulen vom Ansatz der Betreuung und damit unter dem Gesichtspunkt der Vereinbarkeit von Familie und Beruf bei den Eltern zu sehen, sei falsch, sagt Winzer, der auch für das VBE-Grundsatz-Papier "Ganztagesschulen" verantwortlich zeichnet. Neue Ganztagesschulen sollten von Bildungs- und Kommunalpolitikern nicht wegen der zusätzlichen Betreuungsmöglichkeiten für Kinder von Berufstätigen forciert werden, sondern vor allem deshalb, um eine deutliche Qualitätssteigerung beim schulischen Angebot zu erreichen. Das andere sei lediglich ein positiver Nebeneffekt.
In einer idealtypischen Ganztagesschule verbringen Schüler und Lehrer den Tag zusammen und gestalten ihn auch gemeinsam. Es gibt keinen Stundenplan, wie man ihn von den üblichen Schulen kennt. In einer solchen Ganztagesschule bilden Schüler und das pädagogische Personal eine auf einen bestimmten Zeitraum befristete Lebensgemeinschaft mit allen dazugehörigen Tätigkeiten wie spielen und lernen, essen und entspannen; mit der Möglichkeit, alleine zu sein oder gemeinsam etwas zu planen und zu unternehmen. Lehrer sind dabei keine Unterrichtstechnokraten oder reinen Wissensvermittler, sondern bringen sich mit ihrer ganzen Persönlichkeit ein.
Momentan entsprechen nur acht Prozent der Ganztagesschulen dieser idealtypischen Form. Rund ein Drittel weist die notwendige Rhythmisierung des Tages mit Phasen der Spannung und Entspannung auf; aber annähernd 60 Prozent sind noch "offene" Ganztagesschulen mit dem üblichen Vormittagsstundenplan und einem mehr oder minder bunten Angebot von Freizeitaktivitäten am Nachmittag. Fachleute sprechen dabei von "Supermarkt-Schulen", bei denen sich die Schüler aus der großen Vielfalt das herauspicken, was ihnen (spontan) zusagt; ein pädagogisches Konzept sei dabei selten zu erkennen, so Winzer.
Der Schulrhythmus passe sich bei "echten", also gebundenen Ganztagesschulen mit einem pädagogischen Gesamtkonzept dem Rhythmus des Schülers an, und nicht sich der Schüler dem vorgegebenen Taktschlag des Unterrichts, wie es leider zurzeit zumindest in der Sekundarstufe aus organisatorischen Gründen vorgegeben sei, streicht der VBE-Vize die Vorzüge einer modernen Ganztagesschule heraus.
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