VBE: Hessische Lehrer-Werbekampagne verlangt Antwort aus NRW

"Die Werbeaktion ´Lehrer nach Hessen´ wird massive Auswirkungen auf NRW haben, wenn die Landesregierung dabei tatenlos zusieht", so Udo Beckmann, Vorsitzender des VBE NRW. "Bereits jetzt herrscht in NRW besonders an Haupt- und Realschulen in bestimmten Bereichen Fachlehrermangel, der sich durch die Abwerbungen aus Hessen weiter verschärfen wird."

22.06.2008 Nordrhein-Westfalen Pressemeldung Verband Bildung und Erziehung, Landesverband NRW

Das Land Hessen bietet Lehrerinnen und Lehrern mit Mangelfächern Bedingungen an, von denen viele Lehrer in NRW nur träumen können. Ab der Einstellung sind Lehrerinnen und Lehrer dort Beamte auf Probe. Sie werden mit 100 Prozent Stellenumfang beschäftigt und bis zum 50. Lebensjahr verbeamtet. Darüber hinaus bietet Hessen eine höhere Gehaltseinstiegsstufe (A13) an. Über das Internet unter www.lehrer-nach-hessen.de bietet Hessen seine Sonderkonditionen an und versucht interessierte Lehrkräfte aus benachbarten Ländern anzulocken. Auch für Lehrkräfte aus NRW ist das hessische Angebot lukrativ.

Lehrerinnen und Lehrer werden in NRW nur bis zum 35. Lebensjahr verbeamtet. Aber selbst für diese Gruppe ist Hessen interessant, denn sie verdienen dort durch die höhere Einstiegsstufe ca. 300 Euro pro Monat mehr.

Wer älter als 35 Jahre ist, muss in NRW als Tarifbeschäftigter einsteigen. Der in Hessen auch Älteren angebotene Beamtenstatus führt für Lehrkräfte über 35 im Vergleich zu NRW zusammen mit dem höheren Einstiegsgehalt zu erheblichen Unterschieden beim Nettoeinkommen.

Ein Vierzigjähriger, der in NRW als angestellter Lehrer in den Schuldienst einsteigt, erhält ein Bruttogehalt von etwa 3.225 Euro (Entgeltgruppe 11). Bei Steuerklasse I ist das etwa 1.750 Euro netto. Der Vierzigjährige, der in Hessen in den Schuldienst einsteigt, erhält 3.645 Euro brutto. Nach Abzug von Steuern und privater Krankenversicherung bleiben ihm etwa 2.400 Euro netto. Das heißt in Hessen hat ein Lehrer im Vergleich zu NRW für die gleiche Arbeit ein bis zu 700 Euro höheres Nettoeinkommen pro Monat.

"Angesichts dieser attraktiven Bedingungen werden es sich Lehrerinnen und Lehrer mit Mangelfächern gut überlegen, ob sie in NRW bleiben", so Beckmann. "Insbesondere wer an der Grenze zu Hessen wohnt, wird sich für ein wesentlich attraktiveres Angebot im Nachbarland entscheiden, wenn er die Möglichkeit dazu hat."

Die nordrhein-westfälische Landesregierung betont immer wieder, die Qualitätsentwicklung in den Schulen – insbesondere den Hauptschulen – vorantreiben zu wollen. Das kann aber ohne die entsprechenden Fachkräfte nicht funktionieren. Statt diese mit guten Angeboten im Land zu halten, hat aber die Landesregierung beispielsweise mit der Aufhebung des Mangelfacherlasses die Möglichkeit, auch ältere Lehramtsbewerber zu verbeamten, wieder abgeschafft. Hessen tut nun genau das Gegenteil.

"Die nordrhein-westfälische Landesregierung muss handeln, wenn sie die in NRW ausgebildeten Fachlehrer nicht an andere Länder verlieren will", so Beckmann abschließend. "Ein entscheidender Schritt wäre dabei die längst überfällige Erhöhung der Einstiegsbesoldung."


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