VBE: Nicht die oberschwäbischen Rebellen machen der Hauptschule den Garaus, sondern die Regierungskoalitionäre

Der Verband Bildung und Erziehung (VBE) Baden-Württemberg sieht mit der Einführung der Neuen Werkrealschule ab dem kommenden Schuljahr bisher gut funktionierende Kooperationen massiv gefährdet. Durch die von der Landesregierung geforderte Zweizügigkeit werden schulische Partner "im Überlebenskampf" plötzlich zu Konkurrenten.

08.11.2009 Pressemeldung Verband Bildung und Erziehung, Landesverband Baden-Württemberg

Nach Einführung der Werkrealschule alter Generation in der Mitte der neunziger Jahre boten fast alle Hauptschulen Zusatzunterricht ab Klasse acht an, um den Schülern einen mittleren Abschluss an dieser Schulart zu ermöglichen. Da die Schülerzahlen aufgrund der hohen unterrichtlichen Anforderungen nicht überall ausreichten, eine eigene zehnte Klasse zu bilden, kooperierten Hauptschulen miteinander, indem eine Schule die Zehntklässler der anderen Schule(n) in der Umgebung aufnahm. Dieses erfolgreiche partnerschaftliche Miteinander wird jetzt durch die angeordnete Einführung der Werkrealschule neuen Typs, die mindestens zweizügig sein muss, empfindlich gestört.

Während in Städten die Zahl der Hauptschulen im Stadtgebiet verringert wird, kämpfen Kommunen um den Erhalt ihrer Schule als Kulturträger am Ort. Es ist für Gemeinderäte, die plötzlich bildungspolitische Entscheidungen treffen müs­sen, schon von Bedeutung, ob sie wegen der geforderten Zweizügigkeit die ein­zügige Hauptschule im Ort aufgeben oder die Hauptschüler der Nachbargemein­de mit aufnehmen und damit den Standort für die nächsten Jahre sichern.

Da das Kultusministerium die Schließung von Schulen ausschließlich in die Ent­scheidungskompetenz der Städte und Kommunen gelegt hat, müssen diese nun sehen, wie sie mit den ungleichen Rahmenbedingungen fertig werden. Wenn stabile einzügige Hauptschulen bestehen bleiben sollen, werden alle die ohne zehntes Schuljahr künftig massiv benachteiligt, da sie sich nicht mehr "Werk­realschule" nennen dürfen, obwohl sie nach dem gleichen Bildungsplan unter­richten wie einzügige Hauptschulen mit zehnter Klasse, die Werkrealschule hei­ßen. So machen nicht die rebellischen oberschwäbischen Rektoren der Haupt­schule den Garaus, sondern jetzt läutet die Landesregierung eigenhändig die To­tenglocke. Wenn dann die Hauptschulen endgültig von der bildungspolitischen Landkarte verschwunden sein werden, übernehmen die Werkrealschüler die rote Laterne in der Schulhierarchie …


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