VBE: Schulen dürfen keine männerfreien Zonen werden

89,6 Prozent der Lehrkräfte an den Grundschulen in NRW sind Frauen. Da auch in den Kindertagesstätten fast ausschließlich Frauen arbeiten, kommen viele Kinder erst mit dem Übergang in die Sekundarstufe I in Kontakt mit männlichen Bezugspersonen. Dies ist insbesondere vor dem Hintergrund ein Problem, dass die Zahl der allein erziehenden Frauen steigt und so auch im Privatleben die männlichen Vorbilder fehlen.

05.09.2008 Nordrhein-Westfalen Pressemeldung Verband Bildung und Erziehung, Landesverband NRW

"Allen Gleichberechtigungsbestrebungen zum Trotz hält sich offenbar in der deutschen Gesellschaft hartnäckig das Vorurteil, die Arbeit mit kleineren Kindern sei Frauensache", kommentiert der VBE-Vorsitzende Udo Beckmann diese Situation. "Schlimmer noch: weil diese Arbeit als Frauensache angesehen wird, wird sie schlechter bezahlt und damit abgewertet. Dass das trotz aller Gleichberechtigungsbestrebungen noch immer so ist, ist beschämend."

Auch in den weiterführenden Schulen setzt sich der Trend zur Feminisierung des Lehrerberufs fort. In den Hauptschulen in NRW sind inzwischen 61,2 Prozent der Lehrkräfte Frauen, in den Realschulen 65,9 Prozent. An den Gesamtschulen liegt der Frauenanteil inzwischen bei 55,9 Prozent und an den Gymnasien bei 50,2 Prozent. Der Anteil der Männer an den Lehramtsstudierenden geht weiter zurück.

"Sowohl Mädchen als auch Jungen brauchen männliche und weibliche Vorbilder, um ihre Identität zu finden", so Beckmann. " Und diese Vorbilder brauchen sie insbesondere im Kindergarten- und Grundschulalter, weil diese Jahre prägend sind. Kinder und Jugendliche dürfen nicht mit der verzerrten Wahrnehmung aufwachsen, dass unsere Gesellschaft sich in Männer- und Frauendomänen aufteilt."

Männer sind offenbar für die Arbeit in Kindertagesstätten und Grundschulen fast überhaupt nicht zu motivieren. Im vergangenen Jahr hat Schulministerin Barbara Sommer angekündigt, mehr Männer in die Grundschulen holen zu wollen. Bislang hat die Landesregierung aber noch keine Konzepte hierzu vorgelegt.

"Der VBE fordert die Landesregierung auf, die Initiative zu ergreifen", so Beckmann. "Dazu gehört neben der gezielten Ansprache männlicher Abiturienten für das Grundschullehramt auch die Werbung dafür, die Arbeit mit Kindern als gesamtgesellschaftliche Aufgabe anzusehen, für die beide Geschlechter unverzichtbar sind. Die Aufwertung der pädagogischen Arbeit kann aber nicht ohne eine gezielte Verbesserung der Arbeits- und Einkommenssituation erreicht werden."

Anteil Frauen im Lehrerberuf in NRW
Vergleich 1970 – 2007 (in Prozent)
Quelle: Schulstatistik NRW

Schulform 1970 2007
Grundschule 75,3 89,6
Hauptschule 49,3 61,2
Realschule 51,3 65,9
Gymnasium 34,3 50,2
Gesamtschule 38,0 55,9
Förderschule 64,1 73,3
Berufskolleg 38,1 42,6

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