VBE: Soll Baden-Württemberg ein Reservat für Steinzeitlehrer werden?
In Nordrhein-Westfalen werden künftig alle Lehrer gleich ausgebildet, Rheinland-Pfalz schafft die Hauptschulen ab, nur in Baden-Württemberg wolle man von allem nichts wissen, bemängelt der Verband Bildung und Erziehung (VBE). Die politisch Verantwortlichen würden den Südweststaat lieber als ein Reservat für Steinzeitlehrer ausweisen, als dass sie Schule auch nur ein wenig weiter entwickelten.
01.11.2007 Baden-Württemberg Pressemeldung Verband Bildung und Erziehung, Landesverband Baden-WürttembergWährend andere Bundesländer ihre Lehrer für alle Schularten gleichermaßen universitär ausbilden, hält Baden-Württemberg mit unerbittlicher Konsequenz an den Pädagogischen Hochschulen als Sonderweg der Grund-, Haupt-, Real- und Sonderschullehrerausbildung fest, wohl auch um die hierarchischen Schulstrukturen – dort die höheren, da die niederen Schulen – nicht in Gefahr zu bringen, denn im Südwestsstaat werden lediglich die Gymnasiallehrer an Universitäten entsprechend länger ausgebildet. Von der Gleichwertigkeit der Schularten, wie es im Paragraf 4 des Schulgesetzes festgeschrieben ist, sei Baden-Württemberg noch weit entfernt, beklagt der VBE-Sprecher.
In Nordrhein-Westfalen wird für alle Pädagogen eine gleich lange Studienzeit eingeführt. Künftig werden dort an den Universitäten alle Lehrer sechs Semester bis zum Bachelor-Abschluss und weitere vier Semester bis zum Master-Abschluss studieren. Damit folgt die nordrheinwestfälische Landesregierung dem Gutachten des Bildungsforschers Jürgen Baumert, der keinen Grund für eine verkürzte Ausbildung der Grundschullehrkräfte ausmachen konnte und lediglich unterschiedliche inhaltliche Schwerpunkte empfohlen hatte. In Baden-Württemberg werden Grund- und Hauptschulpädagogen weiterhin erheblich kürzer ausgebildet als ihre gymnasialen Kollegen, werden schlechter bezahlt, haben eine höhere Unterrichtsverpflichtung und keinerlei Aufstiegsmöglichkeiten, wenn sie nicht eine Schulleitungsstelle anstreben.
Rheinland-Pfalz schafft jetzt die ungeliebte Hauptschule ab. Baden-württembergische Bildungspolitiker halten sich Augen und Ohren zu und hoffen, dass alles beim Alten bleibt. Die oberschwäbische Rektoren, die sich öffentlich zu laut geäußert hatten, wurden ins Regierungspräsidium einbestellt und zur Ordnung gerufen. Der VBE fragt sich, wie lange die Landesregierung sich noch gegen eine echte Modernisierung des Bildungswesen sträuben kann. Die Zeit der "Höheren Töchter-Schulen" ist endgültig vorbei. Alle Lehrer sind Lehrer! Das müsse bei der Ausbildung beginnen, über die Besoldung und Arbeitszeit fortgesetzt werden und in den Schulstrukturen einen Niederschlag finden. Eine grundlegende Umstrukturierung des Bildungswesen habe nichts mit Gleichmacherei oder gar "Revolution" zu tun, sei aber ein Gebot der Stunde. Baden-Württemberg dürfe nicht zu einem Reservat für Steinzeitlehrer werden, so der VBE-Sprecher.
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