VBE: Verkürzung der Schulzeit wird verkürzt diskutiert

"Die Diskussion über die Verkürzung der Schulzeit am Gymnasium trifft nicht den Kern des Themas", so Udo Beckmann, Vorsitzender der Lehrergewerkschaft VBE NRW. "Es kann nicht nur darum gehen, wie viel Unterrichtsstoff Schülerinnen und Schülern in weniger Zeit eingetrichtert werden kann. Notwendig wäre vielmehr eine Debatte darüber, welche Kompetenzen Schülerinnen und Schüler im 21. Jahrhundert brauchen, um den Anforderungen gewachsen zu sein, die sie nach Ende ihrer Schulzeit erwarten."

07.03.2008 Nordrhein-Westfalen Pressemeldung Verband Bildung und Erziehung, Landesverband NRW

Wenn Schülerinnen und Schüler nicht für die Schule, sondern für das Leben des 21. Jahrhunderts lernen sollen, brauchen sie insbesondere die Fähigkeit, mit einer Fülle von Informationen umzugehen, diese zu sortieren und einzuordnen. Sie müssen darüber hinaus in die Lage versetzt werden, sich stetig neues Wissen anzueignen, um flexibel auf berufliche Veränderungen reagieren zu können, denen ein Mensch des 21. Jahrhunderts tagtäglich ausgesetzt sein kann. Nicht einmal gespeichertes Wissen, sondern lebenslanges Lernen ist die zentrale Anforderung der modernen Arbeitswelt.

"Dazu ist insbesondere eine andere Form des Lernens nötig", so Beckmann weiter. "Schülerinnen und Schüler müssen verstärkt zum Selbstlernen angeregt und befähigt werden."

Die Art, wie die Diskussion über das G8 zurzeit geführt wird, zeigt deutlich, dass das deutsche Bildungswesen noch nicht im 21. Jahrhundert angekommen ist. Es geht noch immer in erster Linie um Lernstoff und die Frage, wie der am schnellsten in die Köpfe der Schülerinnen und Schüler gebracht werden kann, auch wenn sie ihn genauso schnell wieder vergessen bzw. für die zentralen Abschlussprüfungen wieder reaktivieren.

"Erschreckend an dieser Debatte ist auch, dass offenbar nicht mehr bildungssystem-, sondern ausschließlich schulformbezogen gedacht wird", so Beckmann weiter. "Man redet über das Gymnasium und scheint die Kinder auf den anderen weiterführenden Schulen schlichtweg zu vergessen. Es wäre dringend nötig, sich einmal Gedanken über eine zukunftsfähige Sekundarstufe I zu machen, bevor die Schulformen noch mehr auseinanderdriften."


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