Nordrhein-Westfalen

VBE verurteilt Kriegssprache in aktueller Schuldebatte

"Der VBE unterstützt die Umsetzung des Modells der Gemeinschaftsschule und akzeptiert die von der Landesregierung dafür festgelegten Konditionen für den Schulversuch. Unabhängig davon müssen aber die Rahmenbedingungen an den anderen Schulformen weiter verbessert werden." Dies erklärte der VBE-Vorsitzende Udo Beckmann auf der diesjährigen Landeskonferenz des VBE NRW am Samstag (27.11.10) in Oberhausen in Anwesenheit von Schulministerin Sylvia Löhrmann.

29.11.2010 Pressemeldung Verband Bildung und Erziehung, Landesverband NRW

Beckmann kritisierte in diesem Zusammenhang das Verwenden von Begriffen wie "Schulkrieg", "Grabenkämpfe" oder der Formulierung, es werde die "zum Angriff auf die Gymnasien geblasen." Auch Begrifflichkeiten wie "Kannibalisierung" seien in einer Debatte über das Schulsystem der Zukunft absolut unangebracht und dienten lediglich der Effekthascherei: "Allen Versuchen einzelner Parteien und Verbände, dem Schulversuch mit solcher Rhetorik zu begegnen und ihn zu zerreden, erteilen wir eine klare Absage."

Der VBE sieht in der Gemeinschaftsschule eine Möglichkeit, mehr Chancengleichheit für die Schülerinnen und Schüler zu erreichen. Allerdings muss es langfristig auch Chancengleichheit für die Lehrkräfte geben.

"Der VBE erwartet, dass die Landesregierung dieses Thema angeht", so Beckmann. "Das noch von der Vorgängerregierung auf den Weg gebrachte Lehrerbildungsgesetz legt fest, dass die Ausbildungsdauer für alle Lehrämter gleich ist. Diese Gleichheit muss sich auch im Gehalt niederschlagen."

Darüber hinaus forderte der VBE-Vorsitzende die Schulministerin auf, ein Initiativprogramm für die Grundschule aufzulegen. Dazu gehöre die Möglichkeit für Grundschulen, sich in gebundene Ganztagsschulen umzuwandeln sowie die Verkleinerung der Klassen.

"Wir finden es gut, dass der Klassenfrequenzwert für die integrative Form der Gemeinschaftsschule bei 25 liegen soll", so Beckmann. "Ein Blick in die Schulstatistik sagt uns aber, dass in 26% der Klassen in der einzigen flächendeckenden Gemeinschaftsschule im Schuljahr 2009/10 mehr als 25 Kinder saßen. Und dass die Grundschule eine integrative Form von Gemeinschaftsschule ist, kann nun wirklich niemand bezweifeln."

Thema war auch die Frage, wir es angesichts der rasant steigenden Zahl der Schulschließungen langfristig mit der Hauptschule weitergehen soll. Die Hauptschule hat in NRW Verfassungsrang. Alle im Landtag vertretenen Parteien müssten aber erkennen, dass der Verfassungsrang einer Schulform bei stetig sinkender Nachfrage ins Leere liefe und entsprechend handeln.

"Ich möchte mir nicht vorstellen, dass Schülerinnen und Schüler in einer Großstadt durch die ganze Stadt gekarrt werden müssen, um die letzte verbliebene Hauptschule zu besuchen, die die Kommune aufgrund der Verfassung erhalten muss", so Beckmann. "Es ist auch keine schöne Vorstellung, dass die Lehrkräfte mehr oder weniger zur Verfügungsmasse werden, indem sie von einer gerade geschlossenen Schule zur nächsten geschickt werden und dann buchstäblich der Letzte das Licht ausmachen darf. Wir brauchen ein tragfähiges Schulentwicklungs- und Personalkonzept."

Als eine zentrale Herausforderung an Schule und Gesellschaft bezeichnete Beckmann die Inklusion.

"Die Schaffung eines inklusiven Schulsystems ist eine Verpflichtung", so Beckmann. "Es geht jetzt nicht mehr um die Frage, ob das gemacht werden sollte, sondern wie es qualitativ hochwertig umgesetzt werden kann. Ein hoher sonderpädagogischer Standard an den Regelschulen ist dafür unverzichtbar. Ein inklusives Schulsystem muss im Konsens mit allen Betroffenen entwickelt werden."

Beckmann begrüßte noch einmal die Einrichtung der Bildungskonferenz durch die Ministerpräsidentin und die Schulministerin. Bereits im Jahr 2008 hatte der VBE die Vorgängerregierung aufgefordert, eine solche Bildungskonferenz einzurichten, um zu einem Schulkonsens zu finden. Diese hatte aber den Vorschlag abgelehnt.

"Was in Bremen möglich war, sollte auch in NRW gelingen", so Beckmann. "Nur mit dem größtmöglichen gesellschaftlichen Konsens und unter Zurückstellung partei- und verbandspolitischer Eitelkeiten und Eigeninteressen können wir unser Schulsystem zukunftsfähig machen."


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