VBE zum nationalen Bildungsbericht

"Der nationale Bildungsbericht zeigt deutlich die Problemlage von Hauptschulabsolventen", so Udo Beckmann, Vorsitzender des VBE NRW. "Die von der nordrhein-westfälischen Landesregierung gestartete Qualitätsoffensive Hauptschule wird diese Problemlage nicht dadurch entschärfen, dass sie sich nur auf eine Verstärkung der Bereiche Lebensplanung und Berufsorientierung beschränkt."

12.06.2008 Nordrhein-Westfalen Pressemeldung Verband Bildung und Erziehung, Landesverband NRW

Die Hauptschule ist laut Definition der Kultusministerkonferenz eine allgemein bildende Schule und keine Berufsausbildungseinrichtung. Das liest sich in der am 14. Januar 2008 von der Landesregierung vorgestellten "Qualitätsoffensive Hauptschule" aber anders. Hiernach soll die Hauptschule noch stärker als bisher als "ausbildungsqualifizierende Schule" profiliert werden, die die Aufgabe haben soll, Schülerinnen und Schüler mit "praxisbezogenen Inhalten" und "praxisorientierter Pädagogik" konsequent "zur Berufs- und Ausbildungsreife zu führen".

"Jede allgemein bildende Schule hat aber die Aufgabe, Kinder ganzheitlich zu bilden, um sie zur demokratischen und kulturellen Teilhabe zu befähigen", so Beckmann weiter. "Dieser Anspruch wird offensichtlich mehr und mehr aufgegeben. Damit droht die Hauptschule zu einer ausschließlich auf das Arbeitsleben hin sozialisierenden Einrichtung zu werden. Ausgerechnet für die Kinder aus bildungsfernen Schichten, die an der Hauptschule die Mehrheit bilden, wird damit das Recht auf eine umfassende Bildung zurückgefahren. Der Zusammenhang zwischen sozialer Herkunft und Bildungschancen wird damit verstärkt."

Aber selbst die von der Landesregierung immer wieder herausgestellte Verbesserung der Berufsvorbereitung steht unter keinem guten Stern. An den Hauptschulen in NRW herrscht ein eklatanter Fachlehrermangel, der der Landesregierung bekannt ist. Lehrerinnen und Lehrer mit Mangelfächern wie Mathematik, Physik oder Chemie können sich inzwischen die Schulform aussuchen, an der sie arbeiten wollen. Sie wählen nicht die Hauptschule, an der sie die schlechteste Bezahlung und gleichzeitig die höchste Unterrichtsverpflichtung sowie die wenigsten Beförderungschancen vorfinden. Die Landesregierung hat bislang kein Konzept vorgelegt, um dieses Problem zu lösen.

"Wer aber eine wirkliche Qualitätsoffensive will, kann nicht tatenlos dabei zusehen, wie die qualifizierten Kräfte abwandern", so Beckmann. "Im Prinzip müssten die Besten eines Lehramtsjahrganges für die Hauptschule gewonnen werden. Das funktioniert aber nicht ohne entsprechende Anreize."

Die Landesregierung muss sich aus den genannten Gründen fragen lassen, wie ernst es ihr eigentlich mit ihrer Qualitätsoffensive Hauptschule ist.

"Der nationale Bildungsbericht zeigt, dass die Zeit drängt", so Beckmann abschließend. "Wer die Hauptschule erhalten will, darf sie nicht noch weiter vom restlichen System abkoppeln."


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