Verstehen und verstanden werden

Stress im Kollegium? Das Team tritt auf der Stelle und entwickelt sich kaum? Vermutlich liegen Schwierigkeiten in der Kommunikation vor. Manuel Stöbel, Referent der SchiLf Akademie, weiß, wie die eine strukturierte Feedbackkultur an einer Schule entwickelt und gelebt werden kann.

22.12.2016 Bundesweit Pressemeldung SchiLf Akademie
  • © SchiLf Akademie

Aus Ihrer Erfahrung als Trainer und Coach an Schulen wissen Sie, welchen Stellenwert eine gelungene Kommunikation hat.
Das Verstehen und Verstandenwerden ist eine ganz basale Angelegenheit im Miteinander von Menschen. Ein sinnvoller Austausch ist seit jeher existentiell – wenn sich Gruppenmitglieder nicht verstehen, so kann dies zu weitreichenden Problemen führen. Für einen gelingenden Alltag und eine Entwicklung ist es wichtig, das richtige Nehmen und Geben von Feedback zu verstehen.

Worin liegt das Potenzial einer gelingenden Feedbackkultur?
Wenn ich Botschaften so aussende, dass sie verstanden werden, ist eine Entwicklung möglich – ansonsten kommt es zu Missverständnissen. Sie funktioniert also nur, wenn die Kommunikation auf dem gleichen Kanal stattfindet.

Können Sie ein Beispiel aus Ihrer Praxis nennen?
Ich berate gerade einen Seminarleiter eines Studienseminars, in dem er Referendarinnen und Referendare ausbildet. Er war der Meinung, er leite sein Seminar freundlich und zuvorkommend und gebe wertvolle Praxisbeispiele. Einige der Teilnehmenden gaben aber über den Feedbackbogen an, er habe „von oben herab“ gewirkt und die Teilnehmenden „bloßgestellt“.

Wie erklären Sie diese entgegengesetzte Wahrnehmung?
Hier haben sie offenbar die Ebenen vermischt: Er wollte auf der Beziehungsebene arbeiten, die Teilnehmenden sahen sich aber auf der Selbstoffenbarungsebene angesprochen. Das Entwickeln von Lösungen für solche komplexen Herausforderungen macht meine Arbeit so spannend.

Auf welche Weise gelingt einem Klassenteam eine ergebnisorientierte Kommunikation?
Stellen wir uns ein Teammeeting vor, in dem die Teilnehmenden gemeinsam an einer Herausforderung arbeiten. Dabei geht es zum Beispiel um einen notorischen Störer in der 7b. Bei größeren Gruppen mit fünf und mehr Teilnehmenden bietet es sich an, das Meeting moderieren zu lassen – optimal geeignet ist eine externe Person. Diese sammelt auf einem Flipchart die Meinungen der Einzelnen und fasst sie zusammen. Durch den Austausch von Ideen und Meinungen kann sich das Team auf der Kommunikationsebene entwickeln und zu einer guten Lösung gelangen.

Was gilt es dabei zu beachten?
Ich betone gerne, dass es dabei um AUSTAUSCH geht: also um das Geben und Nehmen. Dabei gilt es die Grundregeln der Feedbackkultur zu berücksichtigen. (siehe Kasten)

Grundregeln der Feedbackkultur
Botschaften

  1. anhören,
  2. annehmen,
  3. auswerten,
  4. antworten
  5. auf Ich-Ebene kommunizieren und
  6. nachfragen, wenn ich meine, etwas nicht verstanden zu haben.

Wenn Sie Kollegien zum Thema „Feedback an der Schule“ trainieren – wie gehen Sie dabei vor?
Als Trainer frage ich im Vorfeld eines Seminars die Wünsche der Kollegien ab, sodass ich mein Programm individuell für die jeweilige Schule „stricke“. Je nach Gruppengröße können diese um aktuelle Themen am Seminartag erweitert werden. Meist startet ein Seminar mit einer Wissensabfrage und einem Input zum Thema Kommunikation. Im Verlauf des Tages arbeiten dann Kleingruppen an verschiedenen Themen. Sie beantworten etwa die Frage, wo es in ihrem Kollegium Anforderungen für Feedback gibt: in der Kooperation oder im Umgang mit Teams.
Ihre Sammlung präsentieren sie nun der Großgruppe. Anschließend erarbeiten die Gruppen Lösungsvorschläge, die im Plenum angepasst und verabschiedet werden.

Und welche Rolle nehmen Sie dabei ein?
Neben dem Input und der Moderation des Tages  stelle ich auch schmerzhafte Fragen. Ich hinterfrage beispielsweise Mikrosysteme oder, ob das bestehende System zukunftsorientiert ist.

Für die Erfolg eines solchen Tags ist es sicher wichtig, die Feedback-Regeln im Schulalltag zu verankern.
Das ist richtig. Über den Wert solcher Regeln sind sich die Kolleginnen und Kollegen meist sehr schnell einig.
Denn sie besagen etwa:

  1. Sende Ich-Botschaften.
  2. Nenne zunächst etwas Positives, bevor du kritisierst.
  3. Formuliere dein Feedback lösungsorientiert und
  4. verhaltensorientiert (denn Verhalten lässt sich im Gegensatz zur Persönlichkeit ändern).

Um sie zu etablieren, genügt oft ein Aushang.

Wie profitieren Kollegien von einer gelebten Feedbackkultur?
Sie versprechen eine wesentlich gewinnbringendere Entwicklung in Bezug auf die tägliche Arbeit im Team. Der Stress miteinander und der eigene Stress lässt sich so reduzieren. Letztendlich wird dadurch die Arbeit ausbalanciert und damit gesünder.

Besten Dank für das Gespräch.

Das Interview führte Andrea Stickel


Manuel Stöbel ist Pädagoge und Opernsänger und seit zwanzig Jahren als Coach und Trainer tätig. Nach seiner internationalen Tätigkeit als Opern- und Konzertsänger sowie zahlreichen Lehraufträgen wurde er 2015 von der International Coaching Association zertifiziert und als Träger des European Speaker Awards 2015 ausgezeichnet. Seine Coaching- und Seminartätigkeit trägt die Handschrift des pädagogischen Künstlers und ist in höchstem Maße praktisch und alltagsnah orientiert. Zu seinen Seminaren, die er bei der SchiLf Akademie leitet, zählt Feedback in der Schule.


Über die SchiLf Akademie
Die SchiLf Akademie bietet direkte Lösungen und individuelle Beratung für den Schulalltag. Fachlich fundiert richten sich die Angebote an den konkreten Anforderungen der jeweiligen Schule aus und berücksichtigen dabei die Dynamik des gesamten Kollegiums. Gemeinsam mit einem Beirat aus schulerfahrenen Fachleuten – Lehrern und Schulleitern, Wissen¬schaftlern und Seminarleitern – bietet die Akademie ein praxisorientiertes Weiterbildungsprogramm. Die erfahrenen Referenten – allesamt Praktiker – wissen genau, wovon sie sprechen und schneiden ihr Fortbildungsangebot gezielt auf die jeweilige individuelle Situation zu.
www.schilf-akadmie.de

Ansprechpartner

AAP Lehrerfachverlage GmbH
Stephanie Brey
Niederlassung Augsburg
Memminger Straße 6
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Telefon: 0821.599 779 - 52
Fax: 0821.599 779 - 95
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