Gastbeitrag

Vorgaben für den Distanzunterricht ins Schulgesetz

Mit den ersten Corona-Maßnahmen traten schnell die Versäumnisse der Bildungspolitik in den Vordergrund. Viele Schulen hatten keine oder schlechte Alternativen zum Präsenzunterricht. Wegen dieser Versäumnisse leiden nun viele Schüler. Von Sarah Lichtenberger

05.03.2021 Bundesweit Artikel Sarah Lichtenberger
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Statt geordnetem Distanzunterricht gab und gibt es unterschiedliche Ansätze: von der analogen Materialverteilung auf dem Schulhof bis hin zu Videokonferenzen gemäß Stundenplan. Selbst innerhalb von Klassenstufen gibt es Unterschiede in der Herangehensweise. Meist hängt das von der Affinität der Lehrkraft zu den Methoden der digitalen Wissensvermittlung ab.

Für Schüler und deren Eltern entsteht ein Bild der Willkür. Während eine Schule auf Videokonferenzen setzt, lehnen andere Schulen diese mit Verweis auf den Datenschutz ab. Bei der Schulschließung zur zweiten Welle wurde klar, dass die Zeit dazwischen kaum für Verbesserungen genutzt wurde.

Zum Nachteil der Schüler

Durch die reduzierte Betreuung entstehen Wissensungleichheiten. Diese aufzuholen setzt die Betroffenen unter Druck. Zusätzlich durchleben die Jugendlichen soziale Einschränkungen in einer Lebensphase, in der der Austausch mit anderen immer wichtiger wird. Die Kombination aus dem leistungsmäßigen Anschlussverlust mit stark reduzierten Sozialkontakten bietet einen Nährboden für psychische Probleme. Mit diesen Folgen werden wir uns langfristig auseinandersetzen müssen.

Die Verantwortung dafür liegt bei den Bildungsministerien der Länder. Hier liegen die Möglichkeiten, diese Willkür zu beenden. Es bedarf einheitlicher Vorgaben zum Distanzunterricht. Die Schulgesetze müssen dieses Thema aufnehmen und die Freiheitsgrade der einzelnen Schule reduzieren.

Zu möglichen Vorgaben zählt beispielsweise eine vorgeschriebene Mindestzeit für Videokonferenzen pro Fach und Woche. Die Aufgaben des Lehrers unterteilen sich in einen fachlichen und pädagogischen Bereich. Schüler benötigen auch eine regelmäßige Betreuung, jüngere Schüler verstärkt. Regelmäßige Konferenzen suggerieren in der Pandemie zumindest etwas Normalität.

Werkzeuge für den digitalen Unterricht festlegen

Von der Videokonferenz über ein Portal für den Austausch der Unterrichtsmaterialien bis hin zur Software für Prüfungsdurchführung sollten die Schulen von den Ministerien verpflichtend an die Hand genommen werden. Voraussetzung hierbei sind Programme auf aktuellem technologischem Stand, die regelmäßig geprüft  aktualisiert werden. Datenschutzaspekte würden auf diesem Weg zentral betrachtet und gelöst. Die Lehrwerke werden bereits vorgeschrieben, warum dann nicht auch die Werkzeuge für den Digitalunterricht?

Lehrer mit digitalen Werkzeugen nicht alleine lassen

Eine geeignete Weiterbildung der Lehrkräfte zur Durchführung von Distanzunterricht sollte verpflichtend stattfinden. Die Lehrer dürfen nicht mit den Werkzeugen allein gelassen werden. Parallel muss auch die technische Infrastruktur stark verbessert werden. Schulen benötigen hoch belastbare Datenleitungen, um störungsfreie Videokonferenzen und Zugriffe auf die unterrichtsbegleitenden Programme zu gewährleisten. Dazu muss sichergestellt sein, dass jeder Schüler die Möglichkeit hat, zuhause dem Unterricht zu folgen unabhängig von der Finanzkraft der Familie.

Mit dem Digitalpakt bestehen bereits Mittel, um große Teile dieser Maßnahmen umzusetzen. In Zukunft müsste jedoch weiteres Budget in die Hand genommen werden, um dem Fortschritt der Technologien zu folgen: eine lohnende Investition, da diese unser gesamtgesellschaftliches Niveau verbessert.

In diesem Rahmen wäre auch eine Erweiterung der gesetzlichen Verankerung auf kranke Schüler sinnvoll. Auch außerhalb von Pandemiezeiten können diese Schüler aus gesundheitlichen Gründen keine normale Schule besuchen. Das Wohl und Recht auf eine Grundbildung des einzelnen Schülers sollte an erster Stelle stehen, nicht das Erfüllen der Schulpflicht durch Präsenzunterricht.

Wir befinden uns in einem Wandel zur Digitalisierung. Diese hat bereits begonnen, schreitet jedoch noch langsam voran. Die Lehren aus dieser Pandemie beschleunigen diesen Prozess nun hoffentlich zum Vorteil von Schülern, Eltern, Lehrern und Schulen.



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