Wenig Neues unter der Überschrift "Neuerungen"

Mit einem Enthusiasmus als läse er aus dem Handelsregister vor gab Kultusminister Schneider heute die "wichtigen Neuerungen im Schuljahr 2008/2009" bekannt. Tatsächlich gab es auch nichts zu berichten, was nicht bereits im Wahlkampf gefeiert worden wäre: Marginale Verbesserungen wie die Senkung der Klassenstärken um maximal 0,4 % an einigen Schularten stehen um 1,8 % größere Klassen an Fachoberschulen gegenüber. "Tatsächlich ist die Situation an den bayerischen Schulen alles andere als rosig", meint Gele Neubäcker, Vorsitzende der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft in Bayern.

12.09.2008 Bayern Pressemeldung GEW Bayern

Im Vergleich zu Hamburg, wo in einer ersten Klasse maximal 25, je nach sozialem Umfeld der Schule auch höchstens 20 Kinder sind, wirkt es geradezu lächerlich, wenn das bayerische Kultusministerium die Höchstzahl 30 in Ausnahmefällen auf 29 reduziert.

Die Hauptschulen hängen am Tropf des Ministeriums, der sie mehr schlecht als recht am Leben erhält. Die Zahl der SchülerInnen an dieser Schulart geht um 4,6% zurück, während sie an Realschulen und Gymnasien steigt. Die Hauptschule soll nach Schneider zur berufsvorbereitenden Schule mit starkem Praxisbezug werden. Damit ist sie offensichtlich für Eltern, die für ihr Kind mehr erwarten, als ausbildungsfähig zu werden, eine wenig attraktive Alternative zu den anderen Schularten.

"Wir begrüßen, dass viele SchülerInnen trotz häufig schlechter Schulerfahrungen doch noch den Weg in Fach- und Berufsoberschulen finden", so Neubäcker. In dieser Schulart finden SchülerInnen mit sehr unterschiedlichen Bildungsbiografien zueinander. Viele kommen über Umwege, andere direkt von Real- oder Hauptschulen. "Diesen SchülerInnen mit so unterschiedlichen Voraussetzungen und auch ihren Lehrkräften Klassenstärken bis 33 zuzumuten, ist durch nichts zurechtfertigen, es sei denn, im KM geht man davon aus, dass ein erheblicher Teil ohnehin nicht über die Probezeit hinauskommt."

An Gymnasien und Realschulen kann der Unterricht nicht mit entsprechend ausgebildeten Lehrkräften stattfinden, im Durchschnitt fehlen an jedem Gymnasium drei LehrerInnen. Auf der anderen Seite sind weit über 1000 erfolgreich ausgebildete GrundschullehrerInnen in Wartelisten geparkt und haben momentan keine Chance auf eine sichere Beschäftigung im Schuldienst. Neubäcker: "Die jahrzehntelange verfehlte Ausbildungs- und Einstellungspolitik des Kultusministeriums wird nun auf dem Rücken von SchülerInnen, Eltern und LehrerInnen ausgetragen."

Das im Wahlkampf gefeierte "Bildungsland Bayern" steht auf einem sehr wackeligen Fundament. "Wären die Bildungsausgaben hier in allen Bildungsbereichen wenigstens im europäischen Durchschnitt, dann sähe es an unseren Schulen deutlich besser aus", fasst Neubäcker die Eindrücke der heutigen Pressekonferenz zusammen.

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