Mehr Lehrer, mehr Ganztagsschulen, kleinere Klassen und mehr Chancen in der beruflichen Bildung

Der Freistaat stellt Stellen und Mittel für 2245 zusätzliche Lehrkräfte zur Verfügung. An Hauptschulen sind 177 neue Ganztagszüge und an Förderzentren 30 Ganztagszüge im Aufbau. Die Obergrenze der Klassen an weiterführenden Schulen wird abgesenkt und die Berufliche Oberschule als zweiter Weg zum Abitur wird flächendeckend ausgebaut. Heute präsentierte Bayerns Kultusminister Siegfried Schneider die Neuerungen zum Schuljahr 2008/2009.

12.09.2008 Bayern Pressemeldung Bayerisches Staatsministerium für Unterricht und Kultus

"Das Bayerische Schulwesen ist leistungsfähig, es bietet unseren Kindern dazu eine sehr hohe Chancengerechtigkeit", so beschrieb der Minister die Lage und ergänzte sein Kernanliegen: "Beide Säulen des Schulwesens, nämlich die Leistungsfähigkeit und die Chancengerechtigkeit, will ich weiter verstärken und damit alle Kinder mit ihren unterschiedlichen Talenten bestmöglich fördern." Rund 1,85 Millionen Schülerinnen und Schüler besuchen im Schuljahr 2008/2009 allgemeinbildende und berufliche Schulen, davon rund 1,44 Millionen die allgemeinbildenden.

3554 Lehrkräfte, 230 Fach- und 40 Förderlehrer eingestellt

Um den Unterricht zu sichern und die individuelle Förderung weiter auszubauen, hat das Bayerische Kultusministerium für das Schuljahr 2008/2009 insgesamt 3554 Lehrkräfte, 230 Fach- und 40 Förderlehrer eingestellt. 915 Lehrkräfte werden an den Grundschulen, 373 an den Hauptschulen, 417 an Förderschulen, 703 an Realschulen, 765 an Gymnasien und 381 an Beruflichen Schulen neu eingesetzt. Dazu kommen 124 Fachlehrer und 40 Förderlehrer an Volksschulen, 38 Fachlehrer an Realschulen und 68 gewerbliche Fachlehrer an Beruflichen Schulen.

"Mit der im Frühjahr beschlossenen Dienstrechtsreform gestalten wir das Lehramt für Studierende noch attraktiver", wies Siegfried Schneider auf die damit verbundenen neuen Beförderungsmöglichkeiten für Lehrkräfte an Grund-, Haupt- und Realschulen hin.

Um die individuelle Förderung weiter auszubauen, richtet der Freistaat ab diesem Schuljahr in Freising ein zweites Staatsinstitut zur Ausbildung von Förderlehrern ein, pro Schuljahr werden 30 Studierende aufgenommen.

Obergrenze der Klassen weiter abgesenkt

"Wir haben die großen Klassen an den weiterführenden Schularten Realschule und Gymnasium weiter reduziert", unterstrich Kultusminister Schneider. Lag die Höchstgrenze an Schülern pro Klasse im Schuljahr 2007/2008 bei 34 Schülern, so wurde sie nun auf 33 abgesenkt.

Auch die durchschnittliche Schülerzahl nimmt im neuen Schuljahr weiter ab. Sie liegt an Grundschulen bei 22,9, an Hauptschulen bei 21, an Realschulen bei 28,2 und bei Gymnasien bei 27,4 Schülern.

"Die Bayerische Staatsregierung wird in den kommenden fünf Jahren die Höchstgrenze an weiterführenden Schulen schrittweise auf 30 und an Grundschulen auf 25 Schüler absenken", so Kultusminister Schneider.

Um den Unterricht sicherzustellen, beschreiten Kultusministerium und Schulen vielfältige und sich ergänzende Wege. 2180 mobile Reserven werden den Volksschulen z.B. zur Verfügung stehen. Darüber hinaus hat das Ministerium den Schulen Mittel zugewiesen, damit diese Aushilfskräfte beschäftigen.

Zweiter Weg zum Abitur flächendeckend eingeführt

"Einen zweiten gleichwertigen Weg zum Abitur eröffnen wir Schülerinnen und Schülern mit dem flächendeckenden Ausbau der Beruflichen Oberschule", betonte Minister Schneider. An der Beruflichen Oberschule mit ihren beiden selbständigen Schularten Berufsoberschule und Fachoberschule können künftig Schülerinnen und Schüler mit den entsprechenden Voraussetzungen in zwei oder drei Jahren die fachgebundene un sogar die allgemeine Hochschulreife erwerben.

Um die Erfolgschancen für die Schüler weiter zu erhöhen, werden ab dem Schuljahr 2008/2009 flächendeckend "Brückenangebote" eingerichtet. Dazu gehört Zusatzunterricht für Schülerinnen und Schüler des M-Zweiges von Hauptschulen oder des H-Zweiges von Wirtschaftsschulen, um sie für die Anforderungen der Beruflichen Oberschule fit zu machen, und Förderunterricht im ersten Halbjahr an der Beruflichen Oberschule.

Meister können künftig studieren](Meister können künftig studieren

Ab dem Schuljahr 2008/2009 können sich Auszubildende bei dem Schulversuch "Berufsschule Plus" an Berufsschulstandorten parallel zu ihrer dualen Ausbildung auf die Fachhochschulreife vorbereiten. Alle Absolventen der höheren beruflichen Schulen, Fachschulen und Fachakademien, also z.B. Meister, erhalten zugleich eine fachgebundene Fachhochschulreife.

Ganztagsschulen werden zügig ausgebaut

"Wir bauen die Ganztagsschulen zügig aus, um die Schülerinnen und Schüler besser fördern zu können und die Eltern zu unterstützen, dass sie Beruf und Familie vereinbaren können", begründete Minister Schneider den zügigen Ausbau der Ganztagsschulen.

Zum neuen Schuljahr baut der Freistaat Bayern die Ganztagszüge an den Schulen massiv aus, sie werden von 223 im vergangenen Schuljahr zum neuen auf 411 fast verdoppelt.

Schuljahr 2008/2009 Schuljahr 2007/2008
Grundschulen 40 40
Hauptschulen 320 161
Realschulen 9 9
Gymnasien 12 12
Förderschulen 30 -
Gesamt 411 223

Auch die offenen Ganztagsangebote werden um 152 Gruppen, d. h. fast ein Sechstel, deutlich ausgeweitet.

Schuljahr 2008/2009 Schuljahr 2007/2008
Hauptschulen 507 430
Realschulen 162 136
Gymnasien 204 156
Förderschulen 61 60
Gesamt 934 782

In der kommenden Legislaturperiode werden vorrangig Ganztagsklassen an Haupt-, Förder- und Grundschulen ausgebaut, aber auch in den Jahrgangsstufen 5 und 6 der Realschulen und Gymnasien.

Mittagsbetreuung zeitlich ausgeweitet

An mehr als 40 Prozent aller Gruppen, nämlich 1.837, wird die Mittagsbetreuung an Grundschulen im Schuljahr 2008/2009 von derzeit 14 Uhr auf 15.30 bzw. 16 Uhr spürbar ausgeweitet. Für die verlängerte Mittagsbetreuung wendet der Freistaat pro Gruppe jährlich rund 7.000 ? auf. Insgesamt bestehen an Grundschulen knapp 4.200 Gruppen der Mittagsbetreuung.

Hauptschule zu berufsorientierter Schule weiter entwickelt

Das Kultusministerium setzt die Hauptschulinitiative, die Kultusminister Siegfried Schneider 2006 gestartet hat, fort. "Ich will, dass künftig alle Schülerinnen und Schüler die Hauptschule mit der Ausbildungsreife verlassen und mehr Hauptschülerinnen und Hauptschüler als bisher den mittleren Bildungsabschluss erwerben", so der Minister zu seiner Zielsetzung. Im Schuljahr 2008/2009 werden die Schüler stärker als bisher auf mögliche Berufsfelder in der Technik, im Sozialen und in der Wirtschaft vorbereitet. Partner aus der Wirtschaft begleiten vielerorts die Schüler als Paten in Projekten zur Berufspraxis. Die Lehrkräfte bilden sich fort, um die Ansätze der Hauptschulinitiative wie die intensivere individuelle Förderung z.B. durch Lernbausteine und Module, in geeigneter Form umzusetzen. Die Zusammenarbeit von Hauptschule und Beruflichen Schulen wird ausgeweitet.

Vorkurse deutlich ausgeweitet - Integrationsmaßnahmen intensiviert

"Die Kinder mit Migrationshintergrund sollen noch bessere Chancen in der Schule, am Ausbildungsstellenmarkt und im Beruf haben", begründet Minister Schneider die deutliche Ausweitung der Sprachförderung. Ab diesem Schuljahr wird die Anzahl der Stunden, mit denen Kinder aus Migrantenfamilien in Deutsch unterrichtet werden, um 50 Prozent von 160 auf 240 aufgestockt. Über die sprachliche Förderung, die auch Deutschförderklassen und -gruppen umfasst, hinaus bietet das Kultusministerium mit dem neuen Schulversuch "KommMIT" zusätzliche Hilfen, um Kinder aus Migrantenfamilien bei der Integration zu begleiten. Der Modellversuch Islamunterricht wird auf nun fünf Standorte, nämlich Erlangen, Nürnberg, Fürth, Bayreuth und München ausgeweitet.

Neues Gymnasium bereitet auf Studium und Beruf vor

Zum Schuljahr 2008/2009 greift das Gesamtpaket, das Kultusminister Schneider im Konsens mit Elternvertretern, Lehrerverbänden und den Direktoren zur Weiterentwicklung des achtjährigen Gymnasiums geschnürt hat. "Wir wollen damit die Schüler ein Stück weit entlasten, aber gleichzeitig die Qualität der Ausbildung erhalten", so der Minister. Das Paket umfasst eine maßvolle Kürzung der verpflichtenden Stunden, eine Reduzierung des Lehrplans sowie klare Vorgaben für den Nachmittagsunterricht. So soll in der 5. Jahrgangsstufe nachmittags kein Pflichtunterricht stattfinden. In den Jahrgangsstufen 6 bis 8 sollen mittwochs und freitags die Nachmittage frei gehalten werden.

Rund 37.000 Gymnasiasten erreichen mit der Jahrgangsstufe 10 die Einführungsphase der neuen Oberstufe, die für die 11. und 12. Klassen zahlreiche Wahlmöglichkeiten eröffnet. Sie legen in fünf Fächern ihr Abitur ab, unter denen Deutsch, Mathematik und eine Fremdsprache verpflichtend sind. "Eine Besonderheit auf dem Weg zum Abitur sind zwei Seminare, die die Schüler gezielt auf Studium und Beruf vorbereiten", erläutert der Minister.

Talentklassen und Begabtenzüge

Neue Wege beschreitet das Kultusministerium, um besonders begabte Schüler mit ihren Talenten zu fördern, zum Beispiel in Talentklassen an Realschulen in Rosenheim und Nürnberg sowie durch den geplanten Aufbau von Hochbegabtenzügen an Gymnasien in jedem Regierungsbezirk. Ein gymnasialer Oberstufenzug von Gymnasien der Region München und der Technischen Universität soll ebenso wie Modellversuche das Interesse der Schüler an Mathematik und Naturwissenschaften fördern.

Gute gesunde Schule

"Zum neuen Schuljahr habe ich das ,Landesprogramm für die gute gesunde Schule Bayerns' gestartet", so der Minister. Damit reagiert das Kultusministerium auf die Folgen des Lebensstils, durch den sich viele Menschen zu wenig bewegen und sich wenig gesund ernähren. Das Programm bündelt Einzelaktionen und Projekte, mit denen an Bayerns Schulen die Gesundheit von Schülern und Lehrkräften gefördert wird. Eine Initiative ist das Programm "Voll in Form", das nun auf alle 2300 Grundschulen ausgeweitet wird.

Abschließend wünschte der Minister allen Schülerinnen und Schülern und allen Lehrkräften sowie den Eltern ein erfolgreiches Schuljahr 2008/2009.


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