Weniger Bildung für bessere Ausbildungschancen?
"Dass die Wirtschaft kurz vor Beginn des neuen Lehrjahres eine große Zahl freier Ausbildungsplätze meldet, klingt auf den ersten Blick erfreulich", kommentiert der VBE-Vorsitzende Udo Beckmann die aktuellen Meldungen. "Der zweite Blick zeigt aber, dass sich lediglich für Jugendliche mit guter Allgemeinbildung dadurch bessere Wahlmöglichkeiten ergeben."
31.07.2008 Nordrhein-Westfalen Pressemeldung Verband Bildung und Erziehung, Landesverband NRWDie nordrhein-westfälische Landesregierung liegt deshalb mit ihrer Absicht, die Hauptschule in eine "ausbildungsqualifizierende Schule mit praxisorientierter Pädagogik" umzuwandeln, völlig falsch. Aus dieser Schulform eine Art Berufsvorbereitungsschule zu machen, bedeutet, sie vom allgemein bildenden Schulsystem völlig abzukoppeln. Mit einem solchen auf eine Schulform zugeschnittenen Curriculum wird ein Wechsel in eine andere Schulform so gut wie nicht mehr möglich sein.
"Damit verfolgt die Landesregierung weiter eine Schulpolitik, die auf ein isoliertes Nebeneinander einzelner Schulformen setzt und das System als ganzes aus dem Blick verliert", so Beckmann. "Sie verabschiedet sich damit auch von der immer wieder propagierten Durchlässigkeit, die sie selbst als Argument für die Funktionstüchtigkeit eines gegliederten Schulsystems gerne heranzieht. Ein modernes Schulsystem schafft man nicht durch die zunehmende Isolierung der Schulformen voneinander. Man schafft es, indem man das Recht auf Bildung für alle in den Mittelpunkt seiner Politik stellt und die Schulformen zusammenführt. "
Allgemein bildende Schulen sind nicht dazu da, Kinder bereits im Alter von neun oder zehn Jahren auf bestimmte Berufswege festzulegen. Wie der Name schon sagt, sind sie vielmehr der Allgemeinbildung verpflichtet. Ihre Aufgabe ist es, Kindern und Jugendlichen eine gute Basis für deren demokratische, kulturelle und wirtschaftliche Teilhabe zu verschaffen.
Darüber hinaus ist eine gute Allgemeinbildung aber auch ein Gebot der Wirtschaftlich-keit. So wurden laut Berechnungen des Instituts der deutschen Wirtschaft beispielsweise im Jahr 2004 vom Staat und den Ausbildungsbetrieben fast 3,4 Milliarden Euro für nachschulische Qualifizierung aufgewandt. Dieses Geld fließt für den Ausgleich des Schadens, den ein mangelhaftes Schulsystem hinterlässt.
"Angesichts solcher Beträge ist die Absicht der Landesregierung, die Bildungsmöglichkeiten an der Schulform Hauptschule zu begrenzen, unökonomisch", so Beckmann. " Sie steht zudem im Widerspruch zu den KMK-Regelungen für die weiterführenden Schulen." (KMK-Beschluss vom 03.12.1993 i. d. F. vom 02.06.2006)
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