Gastbeitrag

Wie eine moderne Schul-IT Lehrer und Schüler digital vernetzt

Die digitale Schule ist keine Option mehr, sondern absolute Notwendigkeit. Doch noch immer können viele Bildungseinrichtungen die digitalen Lernmöglichkeiten aufgrund unzureichender technischer Voraussetzungen nur teilweise ausschöpfen. Ein Gastbeitrag von Horst Robertz und André Schulz

26.08.2021 Bundesweit Artikel Andre Schulz, Horst Robertz
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Der DigitalPakt Schule soll mit Förderungsgeldern in Höhe von über fünf Milliarden Euro Abhilfe schaffen. Dabei geht es bei weitem nicht nur darum, Laptops und Whiteboards anzuschaffen, sondern zukunftssicheres digitales Lehren und Lernen zu ermöglichen.

Die Umstellung auf digitale Lehrmethoden
Der Beginn der Pandemie zeigte, dass im Bildungswesen und an vielen Schulen in puncto Digitalisierung noch großer Nachholbedarf besteht. Als von einem auf den anderen Tag Distanzunterricht organisiert werden musste, ging es darum, schnelle und praktikable Lösungen zu finden. Es wurden schnell Endgeräte für Schüler und Lehrer beschafft und einzelne Bundesländer trieben die Entwicklung digitaler Lernplattformen mit Hochdruck voran. Theoretisch sollten sie ein Meilenstein für die flächendeckende Digitalisierung im Bildungswesen werden. Doch im realen Praxisbetrieb wurde das digitale Lernen eher behindert: Die Lernplattformen konnten streckenweise dem zeitgleichen Zugriff der Schüler nicht standhalten. Ebenso mangelte es beim Einsatz von Videokonferenz-Lösungen wie Teams und Zoom an Sicherheits- und Datenschutzvorkehrungen. Wie ein Brennglas zeigte die Pandemie, dass es an umfassenden Digitalisierungskonzepten fehlt. Um Schulen nicht von heute auf morgen schließen zu müssen, werden digitale Lösungen benötigt, die auf einer leistungsstarken IT-Infrastruktur basieren und den hohen Performanceanforderungen vieler Geräte bzw. Nutzer standhalten. Wichtig bei der Planung ist, die spezifischen Gegebenheiten der einzelnen Schulen zu berücksichtigen.

Medienentwicklungsplan für eine ganzheitliche Digitalisierung
Wenn keine Schule der anderen gleicht, wie kann ein ganzheitliches Digitalisierungsprojekt angegangen werden? Die Lösung: ein individuell abgestimmter Medienentwicklungsplan. So können in Zusammenarbeit mit IT-Profis strategische Entscheidungen bereits im Vorfeld von Digitalisierungsprojekten getroffen werden, um die richtigen Investitionen unter anderem bezüglich einer zukunftssicheren Gestaltung des IT-Designs sowie einer ganzheitlich durchdachten Infrastruktur einzuleiten.

Gerade diese drei Bereiche sind entscheidend:

  • Web-Sicherheit, Privatsphäre & Compliance
    Sei es bei der Internetnutzung, in der Kommunikation zwischen Lehrern und Schülern oder in der Zusammenarbeit auf den Lernplattformen – nur mit einem ganzheitlichen Sicherheitsansatz können sämtliche Endgeräte, Nutzerdaten und Anwendungen in einer in sich geschlossenen Plattform nachhaltig abgesichert werden. Ein großes Problem aus Compliance-Sicht sind dabei private, datenschutzrechtlich kritische E-Mail-Konten oder Messenger-Dienste. Schülern, Lehrern und der Schulleitung sollte deshalb für den Internetzugriff ein abgesicherter Browser zur Verfügung gestellt werden, ebenso eine geschützte Kommunikationsplattform für den Austausch untereinander.
     
  • Zukunftssichere und zentralisierte IT-Infrastruktur
    Auch ist es wichtig, die oft knappen Leitungs- und Internetressourcen effizient auszunutzen. Statt bestehende IT-Anwendungen einfach auszusortieren, sollten diese in die neu zu planende IT-Infrastruktur integriert werden. Möglich wäre beispielsweise, Schulserver in einem regionalen Rechenzentrum als virtualisierte Einheit zu betreiben, wo sie zentral durch den Rechenzentrumsbetreiber oder einen Dienstleister administriert und gewartet werden. Auf diese Weise lässt sich auch bei knappen Internetressourcen hohe Performance erreichen.
     
  • Endgeräte & Services
    Jede Schule, jeder Lehrer, jede Klasse und nicht zuletzt jeder einzelne Schüler benötigt eine individuelle Auswahl an Anwendungen. Der Zugriff auf Apps sollte an die Anforderungen des Bundeslandes, der Schulart und der Klassenstufe angepasst sein – mit einer sicheren und passwortfreien Single-Sign-on-Anmeldung und einer unkomplizierten Nutzung der Endgeräte und Anwendungen. Welche Tools zum Einsatz kommen, können Schulleitung und Lehrer in Zusammenarbeit mit den IT-Verantwortlichen und auf Basis eines plattformübergreifenden Endgerätemanagements mitbestimmen.

Horst Robertz arbeitet als Senior Director Public Sector & Healthcare bei VMware, einer amerikanischen Firma, die Software im Bereich der Virtualisierung entwickelt. Dr. André Schulz ist dort Strategic Account Executive Government.

Standardprozesse für Digitalisierungsprojekte
Schulen mit zum Teil bis zu 1.500 Schülern und ebenso vielen Endgeräten gleichen Unternehmen – mit dem Unterschied, dass diese keine klar strukturierte, professionelle IT-Abteilung haben. In keinem privatwirtschaftlichen oder öffentlichen Unternehmen ist es den Mitarbeitern erlaubt, sich ihre digitalen Endgeräte selbst zu beschaffen. Das Risiko, dabei Sicherheits- und Datenschutzrichtlinien außer Acht zu lassen, wäre untragbar. Auch Schulleiter und Lehrer sollten in IT-Angelegenheiten nicht allein gelassen werden. Schulen benötigen unternehmensähnliche Maßstäbe, um Endgeräte bereitzustellen und diese unter der Einhaltung von IT-Sicherheits- und Datenschutzanforderungen zu betreiben.  Klare Richtlinien für Sicherheit, Beschaffung, Bereitstellung und Betrieb sind in den Schulen also dringend vonnöten.

Vision: Das digitale Klassenzimmer
Ziel ist es, ein Portal in eine virtuelle Lernwelt zu schaffen, in der alle Beteiligten sicher digital vernetzt sind. Schüler und Lehrer haben Zugriff auf alle für sie relevanten Informationen und Lerninhalte – sei es nun in einer Videokonferenz oder im Präsenzunterricht. Bereits bestehenden Lernplattformen können in einen professionellen IT-Betrieb integriert werden. Gemeinsam realisieren Schulträger, IT-Dienstleister und qualifizierte IT-Verantwortliche eine zukunftssichere Lern- und Lehrumgebung, die von Lehrer- und Schülerseite einfach zu bedienen ist und gleichzeitig alle Anforderungen an Ausfallsicherheit, Performance und Datenschutz erfüllt.

Es ist Zeit zu handeln: Die digitale Transformation für Schüler und Lehrer muss ganzheitlich auf den Weg gebracht werden – nicht in naher Zukunft, sondern jetzt. Denn Ziel muss Chancengleichheit für alle Schüler sein.



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