Grundschulverband

"Wir wollen unter uns bleiben!"

In einem Kommentar für die kommende Ausgabe der Zeitschrift "Grundschule aktuell" setzt sich Susanne Peters, Stellvertretende Vorsitzende des Grundschulverbandes und beruflich Schulinspektorin am Institut für Bildungsmonitoring in Hamburg mit dem Ergebnis des Hamburger Volksentscheids auseinander: "Was ist passiert? Eine mutige Schulsenatorin hat ein grundlegend neues Konzept für das gesamte Hamburger Schulsystem entwickelt, mit einer Lernkultur des individualisierten und kompetenzorientierten Lernens. Organisatorisch eingebettet in eine neue Schulstruktur von sechsjähriger Primarschule und einer auf zwei Säulen aufbauenden Sekundarstufe: der Stadtteilschule und des Gymnasiums. Ein guter Plan, mit dem vor allem die Kinder in sozial benachteiligten Stadtteilen und die 26% Kinder mit Migrationshinweis besser gefördert werden sollten als bisher. Ein Kompromiss zum ursprünglichen grünen Konzept eines neunjährigen gemeinsamen Lernens, so gut, dass sich auch die christdemokratischen Koalitionäre darauf einlassen konnten.

26.07.2010 Pressemeldung Grundschulverband e.V.

Dem Initiator einer Gegeninitiative, Elternvertreter eines Gymnasiums in betuchterem Einzugsgebiet, passte dies nicht. ´Wir wollen lernen` hieß der Slogan der Initiative, und die hätte ergänzt werden müssen: ´… und unter uns bleiben`.

Ohne die guten Leistungsergebnisse der Grundschulen und die nur mittelmäßigen Leistungszuwächse am Gymnasium zur Kenntnis zu nehmen, wurde die Primarschule kritisiert. Mit der Verteidigung der herkömmlichen Gymnasialstruktur wurde verdeckt, worum es eigentlich ging: möglichst früh zu selektieren, um Besitzstände zu wahren.

Abstiegsängste des Mittelstandes wurden geschürt: 276.000 der mehr als 1,2 Millionen Wahlberechtigten – überwiegend aus den "besseren" Wohngegenden - entschieden letztendlich darüber, dass die Grundschule in Zukunft wie bisher nach Klasse 4 enden soll - gegen ein breites parteiübergreifendes Bündnis, gegen die Erkenntnisse von Wissenschaftlern und gegen die Erfahrung aus anderen europäischen Ländern, in denen Kinder in der Regel weitaus länger gemeinsam lernen.

Sie entschieden dabei über diejenigen, die vom längeren gemeinsamen Lernen besonders profitieren würden: 260.000 Menschen ausländischer Herkunft, die nicht wahlberechtigt waren und über die vielen Menschen in sozial benachteiligten Stadtteilen, die mehrheitlich am Volksentscheid gar nicht teilgenommen haben, sei es, weil sie überfordert waren oder auch, weil sie der Auffassung waren, dass sie ohnehin auf der Verliererseite des Lebens stehen."

"Insgesamt", resümiert Susanne Peters, "eine verpasste Chance für ein besseres Schulsystem, aber keine hoffnungslose Situation:

Etwas aus dem Blick geraten, aber zukunftsweisend für Bildung in Deutschland sind diejenigen Teile der Schulreform in Hamburg, die unabhängig vom Ausgang des Volksentscheids Bestand haben werden – Rahmenkonzepte, die eine neue Lernkultur in allen Schulformen zum Standard machen."

Ansprechpartner

Grundschulverband e.V.

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