"Zeugnisse dürfen nicht ihre Aussagekraft verlieren"
Legasthenie-Schwächen dürfen nicht mehr in Abiturzeugnissen vermerkt werden. Das hat vor wenigen Tagen das [Bayerische Verwaltungsgericht](http://www.br.de/nachrichten/oberbayern/abiturzeugnis-legasthenie-100.html) entschieden. Der Vorsitzende des Bayerischen Realschullehrerverbands, Anton Huber, warnt vor den Konsequenzen, die dieses Urteil nach sich ziehen könnte: "Mit einer solchen Entscheidung laufen wir Gefahr, dass Zeugnisse an Aussagekraft verlieren. Wir müssen unbedingt darauf achten, dass die Beurteilungen unserer Schüler nicht immer mehr verwässern."
05.06.2014 Pressemeldung Verband Reale BildungDas Verwaltungsgericht hatte der Klage von drei Abiturienten Recht gegeben, die gegen einen Vermerk ihrer Rechtschreibschwäche in deren Abschlusszeugnissen geklagt hatten. Laut Begründung der Richter fehle für solche Vermerke die gesetzliche Grundlage. Rechtskräftig ist das Urteil noch nicht.
Huber stellt klar: "Es ist richtig und notwendig, dass Schüler mit einer Rechtschreibschwäche einen Nachteilsausgleich erhalten – beispielsweise in Form von längeren Bearbeitungszeiten bei den Prüfungen. Dies muss dann aber auch in den Zeugnissen angezeigt werden. Anderenfalls benachteiligen wir alle Schülerinnen und Schüler, die sich den vollen Anforderungen der Prüfungen und den vorgegebenen Prüfungsbedingungen stellen."
Der Verbandschef machte deutlich, wie wichtig Zeugnisse für die Kinder selbst sind, um eine verlässliche Rückmeldung über den aktuellen Leistungsstand zu bekommen: "Das Zeugnis soll die Kinder ermutigen und motivieren, sich weiter anzustrengen. Es zeigt aber auch den Eltern und später potenziellen Arbeitgebern auf, wie gut ein Schüler die an ihn gestellten Anforderungen bewältigt und wo er im Vergleich zu anderen steht. Sinnvoll ist ein Zeugnis allerdings nur dann, wenn es transparent Auskunft über die tatsächlich erbrachten Leistungen und die individuellen Kompetenzen gibt. Mit diesem Urteil verlieren die Abiturzeugnisse einen Teil ihrer Beurteilungskraft. Jetzt ist das Kultusministerium gefragt, entsprechende Schritte einzuleiten, damit Zeugnisse nicht weiter an Aussagekraft verlieren."
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