Zöllner schafft Qualitätsprogramm für Schulaufsicht
Bildungssenator Prof. Dr. E. Jürgen Zöllner hat Maßnahmen zur Verbesserung der Arbeit der Schulaufsicht beschlossen und teilweise bereits umgesetzt. Die Maßnahmen basieren auf Vorschlägen von Experten der Projektgruppe "Einführung von Qualitätsmanagement in der Schulaufsicht" unter der Leitung von Staatsrat a. D. Rainer Köttgen, die Senator Zöllner im vergangenen Jahr eingesetzt hatte. Der Auftrag der Projektgruppe lautete, die Arbeit der Schulaufsicht zu analysieren, Prozesse zu standardisieren, Schnittstellen zu definieren und konkrete Vorschläge zu erarbeiten, wie Qualitätsmanagement in der Schulaufsicht eingeführt werden kann.
07.07.2008 Berlin Pressemeldung Senatsverwaltung für Bildung, Wissenschaft und ForschungSenator Zöllner: "Die Erfahrungen in den Schulen zeigen, dass die Struktur und die Organisation der Schulaufsicht nicht optimal war. Für die Struktur und die Organisation der Schulaufsicht ist der Bildungssenator zuständig. Ich muss dafür sorgen, dass unser Bildungssystem so gut wie möglich arbeitet und alle Ressourcen - Lehrerinnen und Lehrer, Erzieherinnen und Erzieher, aber auch die Bildungsverwaltung - so effizient wie möglich eingesetzt werden. Deshalb hatte ich Experten und Praktiker gebeten, konkrete Vorschläge zur Verbesserung der Arbeit der Schulaufsicht zu machen."
Staatsrat a. D. Rainer Köttgen: "Bei der Analyse der Ist-Situation haben wir festgestellt, dass die Zuständigkeiten und Verantwortlichkeiten nicht klar genug sind, verschiedene Stellen gleichzeitig Kontakt mit Schulen haben und dadurch Verwirrung und zusätzlicher Aufwand entsteht." Die Projektgruppe hat daher empfohlen:
- klare Aufgaben und Zuständigkeiten
- transparente Umsetzung
- Organisationsform und Auftrag müssen übereinstimmen
- Eigenverantwortung der Schulen muss gestärkt werden
- Verantwortung der Schulleitung stärken
- Abbau unnötiger Bürokratie
- Bessere Kommunikation und erleichterte Kooperation in der Verwaltung und zwischen Verwaltung und Schulen
- Schulaufsicht muss sich auf folgende Kernaufgaben konzentrieren:
- Steuerung der Qualitätsentwicklung der Schulen über Ziel- und Leistungsvereinbarungen,
- Datengestützte Aufsicht über Schulentwicklung,
- Nachfrageorientierte Unterstützung und Beratung,
- Umgang mit Informationsersuchen, Bürgerbeschwerden, Widersprüchen und Rechtsaufsicht, * Personalführung und -entwicklung der Schulleiter,
- Implementierung neuer bildungspolitischer Vorhaben und pädagogischer Innovationen und
- Mitwirkung der Schulaufsicht an der Gesamtsteuerung der dezentralen Personalversorgung
- Operative Schulaufsicht in den Regionen als eigenständige Dienststellen auflösen
- Nur noch eine Schulabteilung
Den vollständigen Bericht der Projektgruppe finden Sie unter www.berlin.de/sen/bwf
Senator Zöllner: "Ich teile die Analyse der Projektgruppe: Mit der stetig wachsenden größeren Eigenständigkeit der Schulen geht eine Veränderung der Aufgaben der Schulaufsicht zwingend einher. Wir brauchen daher
- eine Beschleunigung des Wandels des Selbstverständnisses der Schulaufsicht zu einem Dienstleister für die Schulen und
- nicht nur eine größere Eigenverantwortung der Schulen, sondern auch eine größere Verantwortlichkeit der Schulaufsicht und deshalb eine weitere Qualifizierung und Professionalisierung ihrer Arbeit."
Deshalb hat Senator Zöllner auf Basis der Vorschläge der Projektgruppe Folgendes beschlossen bzw. bereits umgesetzt:
- In Anlehnung an das Qualitätsentwicklungssystem in den Schulen wird ein Qualitätsentwicklungssystem in der Schulaufsicht geschaffen. Für die zentralen Aufgabenbereiche schulaufsichtlichen Handelns
- Qualitäts- und Schulentwicklung
- Umsetzung bildungspolitischer Vorgaben/ pädagogischer Innovationen
- Personalentwicklung/ Funktionsstellenbesetzung
- Steuerung der Personalversorgung
- Beschwerde-, Konflikt- und Krisenmanagement
- Regionale Fortbildung
- Vernetzung zwischen Schulen und außerschulischen Partnern werden einheitliche Ziele, Standards und Schnittstellen definiert. Vorarbeiten dazu sind bereits von der Schulaufsicht geleistet worden. In Anlehnung an die Schulinspektion soll am Ende dieses Prozesses eine regelmäßige Inspektion der Schulaufsicht stehen, die vor allem den Zweck hat, über Coaching und Beratung Qualitätsverbesserungen in der Schulaufsicht zu erreichen. In diesen Qualitätsentwicklungsprozess werden auch Schulleiter, Lehrer, Eltern und Externe eingebunden.
- Eine Gruppe "Beschwerdemanagement", bestehend aus erfahrenen Schulpraktikern, wurde als zentraler Ansprechpartner in der Zentralabteilung der Senatsverwaltung eingerichtet. Seit Monaten bearbeitet die Gruppe schnell und unbürokratisch Vorschläge und Beschwerden von Lehrern, Eltern und Schülern.
- Die Schulaufsicht wurde in eine "gestaltende" und "operative" Schulaufsicht unterteilt. Die operative Schulaufsicht wurde zudem gegliedert in eine Abteilung für die allgemein bildenden Schulen (Schulträger: Bezirke) und eine Abteilung für die zentralverwalteten und beruflichen Schulen (Schulträger: Land).
- Um Kommunikation, Abläufe und Zusammenarbeit der regionalen Schulaufsicht mit der Zentrale zu verbessern, wurden die zwölf Dienststellen als neue Referate der Abteilung "Schulaufsicht für allgemeinbildende Schulen" eng angebunden. Die Zwischenebene (das ehemalige Sammelreferat "Regionale Schulaufsicht") entfällt seither. Damit wurde auch die örtliche Verankerung der Schulaufsicht gestärkt, die wiederum die Voraussetzung für problemadäquates und pragmatisches schulaufsichtliches Handeln ist.
- Die Aufsicht über die Unterrichtsfächer, die Qualitätssicherung und Lehrerbildung wurde in einer Abteilung "Schulqualität" konzentriert. Diese Bündelung soll den Qualitätsentwicklungsprozess in der Berliner Schule beschleunigen.
Die Neuorganisation der Verwaltung in vier statt bisher zwei Bildungsabteilungen erhöht nicht nur die Steuerungsfähigkeit, sondern beschleunigt die Verfahrensprozesse. Im Vergleich zu anderen Ländern sind allerdings selbst diese neuen Abteilungen mit ca. 1200 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern noch immer groß. Oberste Bildungsverwaltungen in anderen Bundesländern (selbst solche mit Mittelbehörden) haben durchgängig mehr (manche sogar sechs) Bildungsabteilungen.
Im Hinblick auf die von der Projektgruppe genannten Rahmenbedingungen für Personal, Sachmittel und Verwaltung sind ebenfalls eine Reihe von Maßnahmen bereits im Gange:
- Die im Schulgesetz klar verankerte Eigenständigkeit der Schulen und der damit einhergehende Verantwortungszuwachs für die Schulleiterinnen und Schulleiter führt bereits heute dazu, dass sie ihr pädagogische Personal selbst auswählen.
- Die Bereinigung der regionalen Schulaufsicht von Aufgaben, die nicht zu deren Kern zählen, ist Teil der Entbürokratisierungsinitiative der Bildungsverwaltung. Seit Sommer 2007 sind Schulleitungen und Lehrkräfte durch bislang insgesamt 29 Entbürokratisierungsmaßnahmen entlastet worden oder werden entlastet, das einem geschätzten Entlastungsvolumen von ca.150 Vollzeitstellen entspricht. Dieses Volumen kommt nunmehr den Schulen unmittelbar für pädagogische Kernaufgaben zugute.
- Die Umstellung der Organisationsrichtlinien auf Zumessungsrichtlinien wird dazu beitragen, Gerechtigkeit in der Zumessung zu erhöhen und die Zusammenarbeit zwischen Schulen und Schulaufsicht auf eine transparente, faire und damit bessere Grundlage zu stellen.
- In die Verbesserung und Vereinfachung der IT-Prozesse und des Datenmanagements zwischen Bildungsverwaltung und Schulen investiert das Land im Projekt "eGovernment@school" insgesamt 22 Millionen Euro. Hieraus wird ein modernes Informationsmanagement entwickelt, das den Informationsaustausch zwischen Schulaufsicht und Schulen verschlankt, beschleunigt und Schulen endlich den Zugang zu den eigenen Daten ermöglicht.
Senator Zöllner: "Ich danke den Fachleuten in allen drei Projektgruppen für die vielen guten Vorschläge. Sie gehen in die richtige Richtung: mehr Effizienz und größere Eigenverantwortung vor Ort. Im Mittelpunkt steht für mich die Qualität der schulischen Bildung. Um diese weiter zu verbessern, brauchen wir einen Qualitätssprung in der Schulaufsicht. Wir haben die quantitative Ausstattung der Schulen im Doppelhaushalt 2008/2009 deutlich verbessert. Nun müssen wir dafür sorgen, dass das Schulsystem diese Ressourcen so gut wie möglich nutzt, d. h. wir müssen Entscheidungsprozesse vereinfachen, Doppelzuständigkeiten vermeiden und Schnittstellen klären. Ich bin davon überzeugt, dass die Maßnahmen zur Entbürokratisierung, zur Organisation der Schulen und zur Verbesserung der Arbeit der Schulaufsicht spürbar dazu beitragen, dass das Schulsystem effizienter und reibungsloser läuft. Wichtig ist aber, das sich nicht nur die Regeln, sondern auch die Einstellung aller Beteiligten im Schulsystem wandelt: Wir alle – die Schulen, die Schulaufsicht bis hin zum Senator – müssen ständig bereit sein, uns zu hinterfragen und nach Verbesserungsmöglichkeiten zu suchen. In diesem Sinne gilt: Auch wenn sich einige Vorschläge der Projektgruppe nicht sofort umsetzen lassen. Wir werden weiterhin alle Möglichkeiten nutzen, das Schulsystem weiter zu verbessern."
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