Zu den Vorabveröffentlichungen aus dem nationalen Bildungsbericht

"Dass jeder zweite Hauptschüler 13 Monate nach Schulende noch keinen Ausbildungsplatz gefunden hat, müsste bei Bildungspolitikern alle Alarmglocken schrillen lassen", so Udo Beckmann, Vorsitzender des VBE NRW. "Die nordrhein-westfälische Landesregierung und die sie tragenden Fraktionen legen immer wieder öffentliche Bekenntnisse zur Hauptschule ab und kündigen immer neue Qualitätsoffensiven an. Den Ankündigungen müssen aber allmählich auch mal Taten folgen, die den in den Hauptschulen tätigen Lehrkräften dienen."

09.06.2008 Nordrhein-Westfalen Pressemeldung Verband Bildung und Erziehung, Landesverband NRW

Für eine wirkliche Qualitätsoffensive sind nach Auffassung des VBE folgende Aspekte unverzichtbar:

  • Hauptschullehrer müssen hinsichtlich ihrer Bezahlung und Pflichtstundenzahl mit den Gymnasiallehrern gleichgestellt werden, damit eine Tätigkeit an der Hauptschule für junge Lehrerinnen und Lehrer attraktiv wird.
  • Die Besten eines Lehramtsjahrganges müssen für eine Tätigkeit an der Hauptschule gewonnen werden. Hierfür müssen Anreize geschaffen werden.
  • Insbesondere Lehrerinnen und Lehrer mit Mangelfächern müssen für die Hauptschule geworben werden. Auch das funktioniert nicht ohne Anreize.
  • Die Beförderungschancen an Hauptschulen müssen denen an Realschulen und Gymnasien angepasst werden, damit Lehrerinnen und Lehrer nicht an die anderen Schulformen abwandern.

"Das alles gehört zu einer Qualitätsoffensive", so Beckmann. "Die Landesregierung bezeichnet die Hauptschule gerne als Flaggschiff. Dessen Besatzung müsste aber auch an Bezahlung, Aufstiegschancen und Anerkennung merken, dass sie sich auf einem solchen Schiff befindet. Wenn die Hauptschule der Landesregierung wirklich so am Herzen liegt, wie sie immer behauptet, sollte in der Herzgegend auch noch ein bisschen Platz für die Hauptschullehrerinnen und –lehrer sein. "

Wenn darüber hinaus die Hauptschule ein Zukunftsmodell sein soll, kann sie das nicht nur mit noch mehr "lebenspraktischer Orientierung" oder noch mehr Praxisbezug. Das reicht in der globalisierten Wissensgesellschaft des 21. Jahrhunderts als Vorbildung für den Berufseinstieg und das immer wieder geforderte lebenslange Lernen nicht mehr aus.

"Der VBE erinnert zudem daran, dass die Hauptschule eine allgemein bildende Schule und keine reine Berufsvorbereitungseinrichtung ist", so Beckmann. Wer das vergisst, fällt noch hinter das Humboldtsche Bildungsverständnis zurück. Humboldt plädierte bereits vor 200 Jahren für eine allgemeine Menschenbildung, die alle staatlichen Schulen vermitteln sollten, und formulierte sehr deutlich: "Was das Bedürfnis […] der einzelnen Gewerbe betrifft, muss abgesondert und nach vollendetem allgemeinen Unterricht erworben worden."


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