Zu viele Förderschüler bleiben chancenlos
Auf die wachsende Zahl arbeitsloser Schulabgänger mit sonderpädagogischem Förderbedarf haben der Leiter der Fachgruppe Förderschulen im Bayerischen Lehrer- und Lehrerinnenverband BLLV), Frank Tollkühn, und BLLV-Präsident Klaus Wenzel hingewiesen.
12.03.2008 Bayern Pressemeldung Bayerischer Lehrer- und Lehrerinnenverband (BLLV) e.V.Die Situation von Schülern aus Förderschulen und Schülern, die auf sonderpädagogische Unterstützung angewiesen sind, ist "extrem hart." Besonders schlimm trifft es Schüler/innen mit Lernbehinderungen. "Diese Jugendlichen haben so gut wie keine Chance, auf dem Arbeitsmarkt unterzukommen", erklärte Tollkühn. Von den 5663 Hauptschulabsolventen mit sonderpädagogischem Förderbedarf im Schuljahr 2005/06 erreichten 4910 keinen Hauptschulabschluss. Sie erfüllten lediglich ihre Schulpflicht. Viele waren und sind immer noch auf Förderprogramme und Maßnahmen zur beruflichen Rehabilitation angewiesen. In einer Petition an den Bayerischen Landtag fordert der BLLV, die Zahl der arbeitslosen Jugendlichen abzubauen und den Übergang von Förderschulen ins Berufsleben konsequenter zu strukturieren - "dazu ist erheblich mehr Personal erforderlich."
Wenn passgenaue Angebote nach der Schulzeit fehlen, bleiben als Ausweg nur Warteschleifen oder der Weg in die Jugendarbeitslosigkeit. "Die Situation muss sich für betroffene Jugendliche schnell ändern", betonten Tollkühn und Wenzel. Beide räumten ein, dass der Übergang in das Berufsleben für Jugendliche mit pädagogischem Förderbedarf ein komplexer Prozess ist, der durch entsprechende schulpolitische Maßnahmen unterstützt werden muss und an dem die Jugendlichen, ihre Familien und die Lehrkräfte beteiligt werden müssen", sagte Tollkühn. "Ziel muss sein, die Ausbildungsfähigkeit der Jugendlichen langfristig anzubahnen, vorzubereiten und zu begleiten. Den Förderschulen kommt hier eine zentrale Rolle zu." Insbesondere muss die Zusammenarbeit zwischen Förderschulen und der Agentur für Arbeit, der Berufsschulen zur sonderpädagogischen Förderung, der Berufsbildungswerke oder Werkstätten verbessert werden.
Die Förderung der nötigen Grundkompetenzen der Jugendlichen mit sonderpädagogischem Förderbedarf ist Aufgabe der Grund- und Hauptschulstufe der Förderschule, die für diese Aufgabe entsprechend unterstützt werden muss. "Für Diagnostik, Anleitung, Beratung und Koordination braucht es vor allem Fachlehrer, Heilpädagogische Förderlehrer, Werkmeister, Schulsozialarbeiter und Sonderschullehrer." Die derzeitige personelle Ausstattung ist dürftig.
Ebenso erforderlich ist nach Ansicht Tollkühns die enge Kooperation zwischen Schulen und regionaler Wirtschaft. "Es muss sichergestellt werden, dass alle Jugendlichen reale Arbeitsbedingungen kennenlernen, dort ihre Kompetenzen entdecken und ausbilden können. Die Wirtschaft muss ihre gesellschaftliche Verantwortung erkennen und notwendige Ausbildungs- und Arbeitsplätze zur Verfügung stellen." Die Förderschule initiiert und organisiert durch Praktika den Kontakt von Schülern, Ausbildern und Arbeitgebern. Anzustreben ist eine Begleitung der Jugendlichen durch entsprechende "Integrationsfachdienste".
Tollkühn sprach sich außerdem dafür aus, mit Hilfe der Mobilen Sonderpädagogischen Dienste ein integratives sonderpädagogisches Fördersystem aufzubauen, das zwischen Förderschulen und Berufsschulen vermittelt. "Beim Scheitern integrativer Arbeitsmaßnahmen muss die Rückkehr behinderter Menschen in die Werkstätten sichergestellt sein." Auch für diese Maßnahem forderte Tollkühnentsprechende personelle Verstärkung.
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