didacta-Themendienst

Traumjob Lehrer?

Die Herausforderungen für Lehrkräfte im Unterrichtsalltag sind vielfältig: Inklusion und Integration, bürokratischer Zusatzaufwand, Elternarbeit etc. Doch welche Themen beschäftigen sie? Und wo mangelt es an Unterstützung?

05.12.2016 Bundesweit Artikel Pia Behme
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Die hohe psychische Belastung sei die größte Herausforderung in ihrem Beruf – das sagen sieben von zehn Lehrkräften in einer aktuellen Lehrerumfrage des Didacta Verbands. Viele fühlen sich durch verhaltensauffällige oder schwierige Schülerinnen und Schüler überfordert. Häufig fehlt ihnen die Unterstützung der Schulleitung. Zudem beobachten die befragten Lehrkräfte eine zunehmende Aggressivität in der Sprache der Kinder und Jugendlichen. Sie müssen sich daher auch verstärkt mit dem gesellschaftlichen Auftrag der Schule befassen.

Besorgt über die „Verrohung des Umgangs miteinander“, ist auch der Bayerische Lehrer- und Lehrerinnenverband. In einem Manifest forderte er im September Lehrkräfte dazu auf, „Haltung“ gegenüber sogenanntem „Hate Speech“ zu zeigen. Gewalt und Aggressivität unter Schülern kennzeichnen ebenfalls Situationen, in denen sich Teilnehmer der Didacta-Umfrage überfordert sehen. Etwa 80 Prozent wünschen sich bei schwierigen Schülern mehr Hilfe – insbesondere von externen Fachkräften wie Sozialarbeitern oder Psychologen.

Schulische Inklusion überfordert

Zudem nimmt die Heterogenität der Klassen in vielerlei Hinsicht zu: Das umfasst nicht nur Kinder aus sozial benachteiligten Familien oder Jugendliche mit Migrationshintergrund. Mit der Ratifizierung der UN-Behindertenrechtskonvention hat sich Deutschland zur schulischen Inklusion verpflichtet. Seit 2009 sollen Kinder mit und ohne Behinderung gemeinsam in regulären Schulen lernen können. Doch viele Lehrkräfte sind nicht sonderpädagogisch aus- oder weitergebildet und stoßen beim Umgang mit inklusiv beschulten Kindern deshalb an Grenzen. Laut Didacta-Umfrage wünschen sich etwa zwei Drittel der Befragten mehr Hilfe und Angebote im Bereich Inklusion. Dabei würden mehr als 70 Prozent der Lehrkräfte gerne auf die Unterstützung von externen Fachkräften zurückgreifen können.

Wachsende Arbeitsbelastung

Ein Gutachten des Aktionsrats Bildung zeigt, dass viele Beschäftigte im Bildungswesen unter chronischem Stress und psychischen Beeinträchtigungen leiden. Dazu trägt auch der Aufwand durch bürokratische Aufgaben wie Dokumentation bei. Oft ist die Mehrarbeit sogar unbezahlt. Laut Arbeitszeitstudie der Gewerkschaft für Erziehung und Wissenschaft (GEW) Niedersachsen machen Gymnasiallehrer beispielsweise durchschnittlich pro Woche mehr als drei Überstunden. Landesweit kämen so 50.000 Stunden unbezahlte Mehrarbeit zusammen. Die GEW Brandenburg forderte jüngst für alle Lehrkräfte eine zeitliche Entlastung und materielle Anerkennung für zusätzliche Tätigkeiten. Zu viele Zusatzaufgaben und Termine zählen auch in der Didacta-Umfrage zu den Aspekten, von denen sich Lehrende überfordert sehen: 97 Prozent gaben an, nach dem Unterricht immer mehr zusätzliche Aufgaben übernehmen zu müssen. Ob Heterogenität der Klassen, Inklusion von Kindern mit Förderbedarf oder Erziehungsauftrag – das Stimmungsbild der Umfrage zeigt letztlich eines: Mit den wachsenden gesellschaftlichen Herausforderungen steigen auch die Anforderungen an Lehrkräfte.

Hintergrund

 

Lehrerumfrage des Didacta Verbands 2016
Der Didacta Verband befragte im Sommer rund 1.140 Lehrkräfte zu Herausforderungen im Schulalltag. Die Umfrage ist nicht repräsentativ, soll aber ein Stimmungsbild beim Unterstützungsbedarf zeichnen, damit sich die Verbandsarbeit besser auf die Lehrerbedürfnisse ausrichten kann. Unter den Befragten waren Vertreter von Grundschulen, Förderschulen, Berufsschulen sowie der Sekundarstufe I und II. Zwei Drittel der Befragten üben den Lehrberuf seit mehr als zehn Jahren aus. Die Unterstützung für Beschäftigte im Bildungswesen ist das Hauptthema des Angebots auf der didacta-Bildungsmesse 2017 in Stuttgart.

 
Wie lassen sich persönliche Krisen durch Belastungen im Lehrerberuf vermeiden? Inwiefern kann der Unterricht in heterogenen Klassen besser gestaltet werden? Und wie können Lehrkräfte sich und ihre Schülerinnen und Schüler vor Hate Speech schützen? Diese und weitere Themen werden auf der didacta-Bildungsmesse 2017 in Stuttgart diskutiert.

Schule/Hochschule

Forum Bildung
Lehrergesundheit schützen durch Stärkung der Beziehungskompetenz – Lehrergruppen nach dem Freiburger Modell
Prof. Dr. med. Joachim Bauer, Neurobiologe, Arzt und Psychotherapeut
16. Februar 2017
12:00 – 13:15 Uhr
Halle 1, Stand 1H71
Veranstalter: Verband Bildungsmedien e.V.

Forum Bildung
Podium: Hate Speech auf dem Schulhof: Wer schützt Schüler und Lehrer?
Darüber diskutieren:

  • Prof. Dr. med. Joachim Bauer, Neurobiologe, Arzt und Psychotherapeut
  • Gerhard Brand, Vorsitzender VBE Baden-Württemberg
  • Joachim Straub, Vorsitzender Landesschülerbeirat Baden-Württemberg
  • Corinna Ehlert, Ministerium für Kultus, Jugend und Sport Baden-Württemberg

16. Februar 2017
15:00 – 16:15 Uhr
Halle 1, Stand 1H71
Veranstalter: Verband Bildungsmedien e.V.

Forum Unterrichtspraxis
Resilienztraining für Lehrerinnen und Lehrer – eine Kraftquelle oder eine neue Strapaze?
Wolfgang Endres, Studienhaus St. Blasien, Referent in der Lehrerfortbildung, Programmleiter der BeltzForum-Bildungskongresse
17. Februar 2017
12:00 – 13:00 Uhr
Halle 1, Stand 1E72
Veranstalter: Verband Bildungsmedien e.V.

Berufliche Bildung/Qualifizierung

Forum Berufliche Bildung
Podium: Fit für den Beruf: Schule im Zeitalter der Digitalisierung
Darüber diskutieren:

  • Dr. Susanne Eisenmann, Ministerin für Kultus, Jugend und Sport des Landes Baden-Württemberg
  • Michael Futterer, stellvertretender GEW-Landesvorsitzender
  • OStD Eugen Straubinger, Bundesvorsitzender Bundesverband der Lehrerinnen und Lehrer an beruflichen Schulen e. V.
  • Rainer Lupschina, Friedrich-List-Gymnasium Reutlingen

15. Februar 2017
12:15 – 13:15 Uhr
Halle 6, D32
Veranstalter: Didacta Verband der Bildungswirtschaft

Bildung und Technologie

Forum Berufliche Bildung
Von der industriellen zur emotionalen Didaktik. Warum Google nur die zweitbeste Lernkultur der Welt hat
Michael Kobbeloer, Leiter der Fachschule für Sozialpädagogik Uelzen
17. Februar 2017
11:30 – 12:00 Uhr
Halle 6, D32
Veranstalter: Didacta Verband der Bildungswirtschaft

Am 15. Februar 2017 ist Referendarstag auf der didacta – die Bildungsmesse. Die ausstellenden Verlage auf der didacta in Stuttgart richten am Messe-Mittwoch mehr als 50 Veranstaltungen als kostenlosen Service für Referendarinnen und Referendare aller Fächer und Schularten aus. Eine Teilnahme ist im Rahmen der Messe kostenlos und ohne Anmeldung möglich. Mehr Infos: www.bildungsmedien.de/referendarstag.

Nähere Informationen zu den Veranstaltungen der didacta 2017 finden Sie unter www.messe-stuttgart.de/didacta.

Information für Redaktionen:
Interviews, Texte und Zitate aus diesem Themendienst können gerne zur redaktionellen Berichterstattung verwendet werden. Beim Bildmaterial beachten Sie bitte die entsprechenden Nutzungshinweise am jeweiligen Bild. Über ein Belegexemplar an info( at )bildungsklick.de freuen wir uns.

Der Themendienst im Überblick: Weitere Artikel und Interviews zur didacta 2017 finden Sie in unserem Dossier.


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