Politische Bildung

Demokratie im Schulalltag stärken: Verfassungsviertelstunde an 68 Schulen

Die Verfassungsviertelstunde wird an immer mehr Thüringer Schulen erprobt. Seit diesem Herbst beteiligen sich weitere 46 Schulen aller Schularten an dem wöchentlichen Unterrichtsformat. Damit wächst die Zahl der teilnehmenden Schulen von zunächst 22 auf insgesamt 68. Die bisherige Pilotphase geht in die Transferphase über.

04.11.2026 Thüringen Pressemeldung Thüringer Ministerium für Bildung, Wissenschaft und Kultur
  • Alt aussehende Schulbank © www.pixabay.de Die Schülerinnen und Schüler sollen lernen, unterschiedliche Standpunkte zu verstehen, Informationen kritisch zu hinterfragen, eigene Urteile zu entwickeln und respektvoll miteinander zu diskutieren.

Die flächendeckende Einführung ist zum Schuljahr 2027/2028 geplant. Mit der Verfassungsviertelstunde stärkt Thüringen die politische Bildung und Demokratiebildung über den Fachunterricht hinaus. So erhalten Schülerinnen und Schüler weiteren Raum, um sich mit Grundrechten, demokratischen Prinzipien und aktuellen gesellschaftlichen Fragen auseinanderzusetzen. Ausgangspunkt sind konkrete Erfahrungen und Fragen aus ihrem Alltag.

Dabei geht es nicht allein um Wissen über unsere Verfassung. Die Schülerinnen und Schüler sollen lernen, unterschiedliche Standpunkte zu verstehen, Informationen kritisch zu hinterfragen, eigene Urteile zu entwickeln und respektvoll miteinander zu diskutieren. Die Verfassungsviertelstunde ergänzt damit den Fachunterricht und macht politische Bildung zu einem regelmäßigen Bestandteil des schulischen Miteinanders.

Bildungsminister Christian Tischner erklärt: „Demokratie ist keine Selbstverständlichkeit. Junge Menschen müssen verstehen, welche Rechte und Freiheiten unsere Verfassung schützt und warum sie für unser Zusammenleben so wichtig sind. Mit der Verfassungsviertelstunde schaffen wir dafür einen festen Raum im Schulalltag – über den Fachunterricht hinaus. Hier geht es darum, Fragen zu stellen, unterschiedliche Meinungen auszuhalten und sich ein eigenes Urteil zu bilden. Dass inzwischen 68 Thüringer Schulen diesen Weg mitgehen, freut mich sehr. Denn Demokratie lebt davon, dass Menschen sie verstehen und mitgestalten.“

Die Verfassungsviertelstunde orientiert sich am Beutelsbacher Konsens und den Vorgaben des Thüringer Schulgesetzes. Unterschiedliche Positionen werden sachlich und kontrovers behandelt. Eine einseitige politische Beeinflussung der Schülerinnen und Schüler ist ausgeschlossen. Zugleich sind die Grundrechte und die freiheitliche demokratische Grundordnung das verbindliche Fundament schulischer Bildung. Die Umsetzung erfolgt flexibel im bestehenden Unterricht. Die Schulen entscheiden eigenverantwortlich über die organisatorische Gestaltung. Eine Leistungsbewertung findet nicht statt.

Ein wichtiger Bestandteil der weiteren Einführung ist die gezielte Qualifizierung von Lehrerinnen und Lehrern. Sie sollen als Multiplikatoren ihre Kolleginnen und Kollegen bei der Umsetzung unterstützen und ihre Erfahrungen aus der schulischen Praxis weitergeben. Damit setzt Thüringen auf einen Ansatz, der fachliche Qualifizierung und praktische Unterstützung unmittelbar an den Schulen miteinander verbindet. Eine Bedarfsanalyse unter rund 2.400 Lehrkräften und Schulleitungen hatte gezeigt, dass viele Schulen sich mehr praxisnahe Unterstützung bei der Demokratiebildung wünschen.

Die Professur für Didaktik der Politik der Friedrich-Schiller-Universität Jena begleitet unter Leitung von Prof. Dr. Michael May die Konzeption und Durchführung der Qualifizierung. Im zweiten Schulhalbjahr 2026/2027 sollen zunächst Lehrkräfte unterschiedlicher Schularten und Schulamtsbereiche entsprechend vorbereitet werden.

Die 60-stündige Qualifizierung einschließlich Praxiserprobung verbindet digitale Selbstlernphasen, Präsenz-Workshops sowie praktische Erprobung und gemeinsame Auswertung. Inhaltliche Schwerpunkte sind die Grundlagen des Grundgesetzes und der Thüringer Verfassung, zentrale Prinzipien politischer Bildung, die didaktische Gestaltung der Verfassungsviertelstunde und die Tätigkeit als Multiplikatorin oder Multiplikator. Interessierte Lehrinnen und Lehrer, die idealerweise bereits Erfahrung in der Durchführung von Verfassungsviertelstunden gesammelt haben, können bis zum 28. November 2026 auf dem Dienstweg ihr Interesse bekunden.

Ergänzend begleitet das Thüringer Institut für Lehrerfortbildung, Lehrplanentwicklung und Medien die Einführung mit Fortbildungsangeboten, Unterrichtsmaterialien und Möglichkeiten zum Erfahrungsaustausch.

Die Erfahrungen aus den Pilot- und Transferschulen werden für die weitere Ausgestaltung genutzt. Im Mittelpunkt stehen dabei die praktische Umsetzbarkeit, die Qualität der Unterrichtsimpulse und der Unterstützungsbedarf der Lehrkräfte. Ziel ist eine Verfassungsviertelstunde, die im schulischen Alltag verlässlich funktioniert, von den Schulen mitgestaltet wird und junge Menschen nachhaltig in ihrer politischen Urteilsfähigkeit stärkt.

Die Liste der Transferschulen und weitere Informationen:
https://bildung.thueringen.de/bildung/politische-bildung/verfassungsviertelstunde


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