Hessen: Fortbildungsoffensive für Lehrkräfte gefordert
„Eine Fortbildungsoffensive für Lehrkräfte ist dringend erforderlich!“ – mit dieser Feststellung ist ein Appell überschrieben, mit dem sich fünf Organisationen im Oktober 2026 an den Hessischen Kultusminister Armin Schwarz gewendet haben.
26.10.2026 Hessen Pressemeldung GEW HessenDer Verband Erziehung und Bildung Landesverband Hessen (VBE), der Hessische Philologenverband (hphv), die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft Hessen (GEW), der Landesverband Hessen der Deutschen Gesellschaft für Demokratiepädagogik (DeGeDe) sowie der Landesverband Hessen der Gemeinnützigen Gesellschaft Gesamtschule (GGG) stellen gemeinsam fest, dass die Schulen vor „enormen Herausforderungen“ stehen. Diese erfordern nach der von allen beteiligten Organisationen geteilten Überzeugung eine „echte Fortbildungsoffensive für Lehrkräfte“.
Helmolt Rademacher, Vorstandsmitglied der Deutschen Gesellschaft für Demokratiepädagogik in Hessen, hebt aus diesem Anlass die Wichtigkeit von kontinuierlichen Fortbildungen für die Profession hervor: „Die Schülerinnen und Schüler müssen über die digitale Welt von heute, in der sie groß werden, viel lernen. Social Media und KI-Anwendungen entwickeln sich so schnell weiter, dass kaum jemand hinterherkommt. Doch wer die Manipulationsstrategien von Tech-Konzernen und demokratiefeindlichen Akteuren nicht durchschaut, ist anfälliger für autoritäre Positionen und alle Formen der gruppenbezogenen Menschenfeindlichkeit.“
Die im Rahmen des Bildungschancenpakets von der Landesregierung angekündigte Einführung des neuen verbindlichen Unterrichtsfaches „KI und Digitale Welt“ sei daher eine sinnvolle Maßnahme. Allerdings, stellt Rademacher fest, könne diese nur zu einem Erfolg werden, wenn zur landesweiten Einführung an allen 5. Klasse zum kommenden Schuljahr auch genügend gezielt und umfassend für dieses neue Fach fortgebildete Lehrkräfte bereitstehen.
Der aktuelle Zustand der Fortbildung in Hessen wird von der GEW allerdings als „Trauerspiel“ beurteilt. Thilo Hartmann, Vorsitzender der GEW Hessen, äußerte sich wie folgt: „Die beiden Fortbildungsstätten der Lehrkräfteakademie in Weilburg und in Fuldatal stehen im Zuge der aktuellen Sparpolitik vor der Schließung. Das erschwert die Durchführung von ganz- und mehrtägigen Fortbildungen in unserem Bundesland ab dem kommenden Jahr ganz erheblich.“
Darüber hinaus habe das Ministerium vor gut zwei Jahren festgelegt, dass landeseigene Fortbildungen nur noch außerhalb der Unterrichtszeit stattfinden dürfen. „Gute Fortbildungen, die Lehrkräfte angemessen auf ihre neuen, immer schwierigeren Aufgaben vorbereiten, müssen mindestens ganztägig, am besten mehrtägig ausgelegt sein. Die inzwischen üblichen kleinen Online-Häppchen am späten Nachmittag – in der Regel nach einem langen Schultag serviert – sind dafür nicht geeignet,“ betont Hartmann. Daher setze sich die GEW zusammen mit den anderen Organisationen, die den Appell unterzeichnet haben, mit Nachdruck dafür ein, dass das Hessische Ministerium für Kultus, Bildung und Chancen – teilweise über Jahrzehnte bewährte – ganz- und mehrtägige Fortbildungsformate wieder zulässt.
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