Absolventen mit Hauptschulabschluss in Baden-Württemberg mit Chancen auf dem Ausbildungsmarkt

Am 22. Oktober findet der "Bildungsgipfel" von Bund und Ländern in Dresden statt. Ein zentrales Ziel der deutschen Bildungspolitik ist die Verbesserung der Chancen auf Einstieg und Aufstieg für alle Jugendlichen. Besonderes Augenmerk wird dabei auf die Reduktion der Zahl der Schulabgänger ohne Hauptschulabschluss und die Berufseinstiegsmöglichkeiten von Schulabsolventen mit Hauptschulabschluss gelegt.

21.10.2008 Baden-Württemberg Pressemeldung Statistisches Landesamt Baden-Württemberg

In Baden-Württemberg erreichen 6 Prozent eines Altersjahrgangs nicht den Hauptschulabschluss

Im Jahr 2007 verließen nach Angaben des Statistischen Landesamtes 7 434 junge Menschen die allgemeinbildenden Schulen im Land ohne einen Hauptschulabschluss erreicht zu haben. Damit haben 6 Prozent der Jugendlichen eines Altersjahrgangs dieses Ziel nicht erreicht. Dies ist die niedrigste Quote in ganz Deutschland und liegt deutlich unter dem Bundesdurchschnitt von 8 Prozent. Die Mehrzahl von ihnen ging allerdings nicht von einer Hauptschule, sondern von einer Sonderschule ab: Dies traf auf 4 382 zu, darunter 3 586 Abgänger von Förderschulen und Schulen für Geistigbehinderte, die in der Regel nicht die Möglichkeit bieten, einen Hauptschulabschluss erwerben zu können. 2 052 Jugendliche hatten tatsächlich die Hauptschule vor Erreichen eines Abschlusses verlassen, weitere 1 000 brachen den Besuch einer anderen allgemeinbildenden Schule ohne Abschluss ab.

45 000 Schulabsolventen mit Hauptschulabschluss - Darunter 5 700 im "zweiten Anlauf" von beruflichen Schulen

Insgesamt konnten 45 008 Absolventen im Jahr 2007 den Hauptschulabschluss erwerben. Dies entspricht einem Anteil eines Altersjahrgangs von knapp 37 Prozent. Von diesen hatten 5 748 das Abschlusszeugnis eines beruflichen Bildungsgangs – häufig ein Berufsvorbereitungsjahr (BVJ) – erhalten. Damit hatten sie die Chance genutzt, den Hauptschulabschluss "im zweiten Anlauf" zu erreichen, nachdem sie zunächst eine allgemeinbildende Schule ohne ihn verlassen hatten. Von den 45 008 Absolventen waren 25 668 oder 57 Prozent Jungen und 19 340 oder 43 Prozent Mädchen.

Knapp 6 600 gelangten über die Werkrealschule zum mittleren Abschluss

Unter den 45 008 Schülerinnen und Schülern mit einem Hauptschulabschluss waren 35 988 Absolventen, die diesen an einer Haupschule gemacht hatten. Die übrigen hatten diesen an einer anderen allgemeinbildenden oder beruflichen Schule erreicht. Über den Besuch des freiwilligen 10. Schuljahres (Werkrealschule) bieten vielen Hauptschulen im Land aber auch die Möglichkeit an, einen dem Realschulabschluss gleichwertigen mittleren Bildungsabschluss zu erwerben. Dieses Angebot konnten 6 552 Jugendliche erfolgreich nutzen.

Gut 28 300 Neuabschlüsse von Ausbildungsverträgen durch Jugendliche mit Hauptschulabschluss

Im Verlauf des Jahres 2007 wurden 28 329 neue Verträge in dualen Ausbildungsberufen von Jugendlichen mit Hauptschulabschluss abgeschlossen. Das waren 35 Prozent aller 81 011 Neuverträge. Besonders hoch war der Anteil im Handwerk: Hier verfügten 59 Prozent (13 653) aller 23 211 Ausbildungsbeginner über den Hauptschulabschluss. Im größten Ausbildungsbereich "Industrie und Handel", in dem 47 979 neue Verträge abgeschlossen wurden, lag der Anteil der Auszubildenden mit Hauptschulabschluss dagegen nur bei knapp 26 Prozent (12 244).

Unter den zahlenmäßig bedeutenderen Berufsgruppen wiesen die Fleischer, die Maler und Lackierer, die Maschinen- und Anlagenführer, die Reinigungs- und Entsorgungsberufe sowie die Berufe im Hochbau und im Tiefbau mit Werten von über 70 Prozent die höchsten Anteile an Hauptschulabsolventen auf.

Schüler ohne Hauptschulabschluss haben nach wie vor nur geringe Aussichten auf einen Ausbildungsplatz. Im Jahr 2007 konnten in Baden-Württemberg allerdings auch 1 750 Jugendliche ohne Hauptschulabschluss einen Ausbildungsvertrag abschließen.

Fast 12 800 Jugendliche in BVJ und BEJ

Für Jugendliche, denen der Übergang in eine duale oder schulische Berufsausbildung nicht gelingt, bieten das Berufsvorbereitungsjahr (BVJ) und das im Schuljahr 2006/07 neu eingerichtete Berufseinstiegsjahr (BEJ) die Möglichkeit zum Erwerb zusätzlicher berufsvorbereitender Qualifikationen. Dabei richtet sich das BEJ speziell an Jugendliche mit Hauptschulabschluss. Im Schuljahr 2007/08 wurden 6 797 Jugendliche im BVJ unterrichtet, von denen fast zwei Drittel (4 477) keinen Hauptschulabschluss besaßen. Das BEJ besuchten 5 984 Schülerinnen und Schüler.

12 700 Fachschulreifezeugnisse an 2-jährigen Berufsfachschulen erworben

Jugendliche mit Hauptschulabschluss können in Baden-Württemberg auch durch den Besuch von speziellen Berufsfachschulen, der in der Regel zwei Jahre dauert, zum mittleren Abschluss gelangen. Im Jahr 2007 konnten dort 12 700 Absolventen die Fachschulreife erwerben.

Jugendliche mit Hauptschulabschluss bieten sich in Baden-Württemberg somit eine Reihe von Möglichkeiten zur beruflichen oder weiteren allgemeinbildenden Qualifikation. Auch für Schulabgänger ohne Hauptschulabschluss gibt es Angebote, die einen Übergang in den Arbeitsmarkt ermöglichen können. Der amtlichen Statistik ist es allerdings derzeit nicht möglich, die Erfolgschancen der verschiedenen Maßnahmen zu erfassen. Dies wird erst nach Einführung einer Individualstatistik möglich sein, mit deren Hilfe die typische Bildungsverläufe verfolgt werden können.

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