Bildungsreise: Jedem eine Chance geben
Wenn Jugendliche bei der Suche nach einem Ausbildungsplatz im ersten Anlauf nicht erfolgreich sind, sollten sie die Hoffnung nicht aufgegeben. Bildungseinrichtungen wie das BildungsWerk in Berlin-Kreuzberg können helfen. Davon überzeugte sich Bundeskanzlerin Angela Merkel auf der achten Etappe ihrer Bildungsreise.
05.09.2008 Pressemeldung Presse- und Informationsamt der BundesregierungDas BildungsWerk (BWK) ist eine überbetriebliche Ausbildungseinrichtung und bildet in 13 verschiedenen Ausbildungsberufen aus. Nachdem die Kanzlerin eine betriebliche Ausbildungseinrichtung in Hamburg gesehen hatte, wollte sie sich in Kreuzberg über die überbetrieblichen Ausbildung informieren.
Überbetriebliche Ausbildungseinrichtungen übernehmen meist die Ausbildung für kleinere und mittlere Betriebe, die nicht selbst alle geforderten Ausbildungsinhalte vermitteln können. Sie sind neben betrieblichen Ausbildungseinrichtungen wichtige Träger der beruflichen Bildung.
Das BWK verstehe sich als "Dienstleister in allen Fragen der Aus- und Weiterbildung", sagte Geschäftsführer Nihat Sorgec. Hier wird insbesondere sozial benachteiligten Jugendlichen in der Berufsvorbereitung und -ausbildung geholfen. Auch vielen Jugendlichen mit Migrationshintergrund werden hier neue Chancen eröffnet. Aber auch Erwachsene können sich hier weiterbilden oder umschulen.
Im Angebot: Kräuter und Blumen
Auf ihrem Rundgang informierte sich Merkel zunächst über den Ausbildungsbereich "Catering". Sie ließ sich von Auszubildenden ihren Ausbildungsalltag beschreiben und fachsimpelte mit ihnen unter anderem über Kräuter. Die Bundesregierung hat bereits gute Erfahrungen mit den Leistungen dieses Ausbildungsbereichs gemacht: Das Buffet auf dem letzten Integrationsgipfel stammt aus dem BWK "Catering".
Gleiches trifft auch für die Ausbildungswerkstatt Floristik zu, die die Kanzlerin ebenfalls besuchte. Sie hatte auf dem Gipfel im Kanzleramt für die Blumendekoration gesorgt.
Auszubildende überraschten Merkel mit einem frisch gebundenen Blumengesteck. "Wunderschön", freute sich die Kanzlerin. "Arbeiten Sie auch in einem richtigen Laden?", wollte sie wissen. Die jungen Frauen erzählten, dass zur Ausbildung jeweils Praktika gehörten. So können sie also auch praktisch anwenden, was sie im BWK gelernt haben.
Ausbildung und noch mehr
Die Verbindung von Theorie und Praxis ist Kennzeichen der dualen Ausbildung in Deutschland. Natürlich bildet auch das BWK danach aus. Und so erwerben Auszubildende in der Einrichtung praktische und theoretische Kenntnisse, die sie in der Berufsschule erweitern. In Praktika können sie das Gelernten anwenden.
Das BWK hilft aber auch bei Dingen des Alltags, die nicht direkt zur Ausbildung gehören. Im Textilbereich lernen zum Beispiel viele jüngere Frauen, die bereits kleine Kinder haben. Sie berichteten der Kanzlerin, wie sie Beruf und Familie meistern.
Durchs Praktikum in eine Ausbildung
Besonders stolz ist man beim BWK auf die Ausbildung junger Menschen mit Migrationshintergrund zu Bankkaufleuten. Die Auszubildenden berichteten über ihre Erfahrungen bei Bewerbungen. Ihrem Eindruck nach seien sie häufig schon aufgrund ihrer ausländischen Namen von Betrieben nicht genommen worden und das, trotz guter Schulabschlüsse.
Der Ausbilder wies darauf hin, dass einzelne Auszubildende bereits während der Praktika von den Betrieben in deren eigene Ausbildung übernommen wurden.
"Hier wird gute Arbeit geleistet", sagte die Kanzlerin nach ihrem Rundgang durch mehrere Abteilungen des Hauses und vielen Gesprächen.
Bildungsrepublik im Buchformat
Abschließend stellte Bundesbildungsministerin Annette Schavan, die die Kanzlerin begleitete, "Das Buch der Bildungsrepublik" vor: "Wir wollen Bildungsgeschichten zeigen. Das Buch soll ein Symbol des Auftrags sein, das Erfolgsgeschichten und Bildungserlebnisse aus ganz Deutschland im Text festhält."
Das Buch startet heute auf seine Tour durch 16 Städte und Regionen. Als Erster trug sich das BWK ein. Mit den gesammelten Bildungsgeschichten soll jenen Mut gemacht werden, die Aufstieg durch Bildung für sich nutzen wollen. Das Buch begleitet die Qualifizierungsinitiative der Bundesregierung.
Duales Berufsbildungssystem erfolgreich
Als die Bundeskanzlerin sich eine Woche zuvor einen Einblick in die betriebliche Ausbildung verschaffte, sagte sie: "Die duale Berufsausbildung ist etwas, worauf unser Land stolz sein kann." Sie hatte die Norddeutschen Affinerie in Hamburg besucht. Der größte Kupferproduzent Europas ist ein vorbildlicher Ausbildungsbetrieb. Er bildet Auszubildende und Praktikanten in verschiedenen Handwerks-, Produktions- und kaufmännischen Berufe aus.
Bei dem Programm "9plus" können sich Schülerinnen und Schüler im Unternehmen weiterbilden, die bisher keine Lehrstelle gefunden haben.
Berufsbildungssystem überzeugt
Gemeinsam mit Bundesbildungsministerin Annette Schavan hatte die Bundeskanzlerin die Auszubildenden und Praktikantinnen und Praktikanten des Betriebs begrüßt. Hier zeige sich der Erfolg der deutschen Berufsausbildung mit dem Mix aus betrieblicher Praxis und Unterricht an einer Berufsschule, sagte Merkel.
Merkel betonte die Bedeutung von Bildung im internationalen Wettbewerb. Wenn Deutschland international stark sein wolle, auch mit Wettbewerbern wie China oder Indien, "brauchen wir so etwas wie eine Bildungsrepublik Deutschland", so die Kanzlerin. "Bildung ist der Schlüssel."
Die Bundeskanzlerin besucht in den kommenden Wochen Bildungseinrichtungen in zehn Bundesländern. In Kindergärten, Schulen, Ausbildungsstätten und Universitäten will sich die Kanzlerin ein Bild von der Bildungssituation im Land machen. Den Auftakt bildeten Einrichtungen der frühkindlichen Bildung in Hessen und Nordrhein- Westfalen.
Rede der Kanzlerin bei der Norddeutschen Affinerie
Kontext:
Bundesbildungsministerin Schavan legt Qualifizierungsinitiative vor
"Aufstieg durch Bildung" - Qualifizierungsinitiative (PDF)
Von frühkindlicher Bildung bis zum Studium
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