BLLV fordert Ausbildungsgarantie für alle
Obwohl die Zahl offener Ausbildungsplätze steigt und es weniger Schüler gibt, die einen Ausbildungsplatz suchen, landen immer noch Jahr für Jahr tausende junge Menschen in sogenannten Übergangssystemen. "Leider ist das auch in Bayern so", erklärte der Präsident des Bayerischen Lehrer- und Lehrerinnenverbandes (BLLV), Klaus Wenzel, heute in München.
26.09.2012 Pressemeldung Bayerischer Lehrer- und Lehrerinnenverband (BLLV) e.V.Wie in einer aktuellen Studie der Bertelsmann Stiftung nachzulesen ist, wurden mehr als 21.000 Jugendliche in Bayern (15,7% derjenigen, die einen Ausbildungsplatz suchten) als Neuzugänge in Berufsvorbereitungs-, Grundbildungs- und ähnlichen Übergangsmaßnahmen gezählt. Die 3.700 "freiwilligen Wiederholer" der neunten Klassen an Haupt- bzw. Mittelschulen sind dabei noch nicht mit gerechnet. "Auch wenn der Freistaat im Ländervergleich relativ gut da steht, sind diese Zahlen zu hoch", betonte Wenzel. Er sieht dringenden Handlungsbedarf. Die Betroffenen würden in den Übergangssystemen lediglich geparkt - "es werden zwar berufsqualifizierende Maßnahmen angeboten, eine Ausbildung zu einem anerkannten Beruf erhalten sie dort nicht." Wenzel schloss sich der in der Studie der Bertelsmann Stiftung formulierten Forderung an, Übergangssysteme abzuschaffen und jedem Jugendlichen einen Ausbildungsplatz zu garantieren. Die Bayerische Staatsregierung forderte er auf, sich an der länderüber-greifenden Initiative "Übergänge mit System" zu beteiligen.
In der Diskussion um den Fachkräftemangel und dem rechnerischen Überhang von freien Ausbildungsplätzen werde gern der Eindruck erweckt, jeder Jugendliche, der einen Ausbildungsplatz wolle, könne auch einen bekommen, kritisierte Wenzel. "Dem ist nicht so", stellte er klar. Es gebe freilich Jugendliche, denen es tatsächlich an ´Ausbildungsreife´ fehle, viel öfter würden aber Benachteiligungen am Ausbildungsmarkt und regionale Disparitäten den Übergang von Schule in Ausbildung verhindern. Hinzu komme der demografische Rückgang der Schülerzahlen, der allein schon einen fiktiven positiven Saldo von Angebot und Nachfrage bewirke. Auch die im Bildungsbericht 2012 der Bundesregierung genannten Zahlen ließen aufhorchen: Danach werden in Deutschland auch 2025 noch zwischen 170.000 und 230.000 Jugendliche in Übergangsmaßnahmen "geparkt", derzeit sind es 294.000, zu denen noch 11.500 "Unversorgte" und 174.000 "Altberwerber/innen" hinzu kommen.
"Die Übergangssysteme sind teuer", so der BLLV-Präsident. Allein im Jahr 2011 seien dafür 4,3 Mrd. Euro ausgegeben worden. Die Bertelsmann Stiftung verweist in der zitierten Studie darauf, dass eine staatlich geförderte und betriebsnahe Ausbildung dieser Jugendlichen verbunden mit einer Ausbildungsgarantie bundesweit dagegen jährlich nur 1,5 Mrd. Euro kosten würde. "Damit könnte sogar noch ein zusätzlich vor geschaltetes Jahr für jenen Teil der Schüler/innen finanziert werden, die noch nicht die Voraussetzungen für eine Ausbildung mitbringen." Insgesamt wäre dies deutlich günstiger, als die fragwürdige Subventionierung von Übergangssystemen.
Das verbliebene Geld müsste aus Sicht Wenzels umverteilt und sinnvoller ausgegeben werden: "Es müsste in Schulen und Kinderbetreuungseinrichtungen fließen, in die frühe und individuelle Förderung sozial schwacher Kinder, um Defizite auszugleichen, in den am tatsächlichen Bedarf orientierten Ausbau rhythmisierter Ganztagsschulen und in den Umbau der Schulsysteme, weg von der Selektion hin zur Integration. Die Notmaßnahme Übergangssystem wäre dann schnell obsolet, denn außer Kosmetik für die Arbeitslosenstatistik gebe sie nicht viel her - die dort gemeldeten Jugendlichen gelten nicht als arbeitslos."
Wenzel appellierte an die Bayerische Staatsregierung, die länderübergreifende Initiative "Übergänge im System" zu unterstützen. Die Bundesagentur für Arbeit kooperiert dabei seit drei Jahren mit der Bertelsmann Stiftung und neun Bundesländern. Dazu gehören Baden-Württemberg, Berlin, Brandenburg, Bremen, Hamburg, Hessen, Nordrhein-Westfalen, Sachsen und Schleswig-Holstein. "Das Ziel der Beteiligten, ein Konzept zu erarbeiten, mit dem der unübersichtliche und ineffektive Übergangsbereich zwischen Schule und Beruf neu gestaltet werden kann, ist richtungsweisend und könnte auch für den Freistaat Bayern von großem Wert sein", betonte er.
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