Erzieherinnenmangel gefährdet den qualitativen und quantitativen Ausbau auch bei dem Krippenplätzen
21.08.2011 Artikel
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Eine neue Studie des DJI weist darauf hin, dass im Jahr 2013 25.000 Stellen in Tageseinrichtungen fehlen werden. Die Umsetzung des Rechtsanspruchs für Kinder unter 3 Jahren ab dem 1.8.2013 erscheint damit als gefährdet.
Anmerkungen:
Die "Lücke" ist tatsächlich jedoch noch wesentlich höher, zumal das Kinder-Erzieherinnen-Verhältnis verbessert werden müsste, so dass sich daraus entsprechende zusätzliche Notwendigkeiten ergeben. Beispielsweise würde sich, darauf weist Prof. Sell in dem Artikel der FAZ vom 19.8.2011 hin, in Rheinland-Pfalz nicht nur ein Fehlbedarf von 1.700 Vollzeitstellen, sondern von 14.000 (!) ergeben. Eine Deckungslücke ist zudem im Bereich der Tagespflege absehbar, zumal bisher (in überzogenem Maße) davon ausgegangen wird, dass 1/3 des Rechtsanspruchs durch die Kindertagespflege abgedeckt wird. Zu den derzeit rd. 38.000 Tagespflegepersonen müssten bis zum Jahr 2013 noch 32.000 zusätzlich (!) gewonnen werden.
Diese Mangelsituation bestätigt leider die in dem o.g. Artikel zitierte Auffassung von Prof. Rauschenbach, dass "Viel zu spät ... über das Personal als begrenzenden Faktor nachgedacht worden (ist)." Es reichte zudem zur Erfüllung des Rechtsanspruchs für alle Kinder ab 2013 nur ein Investitionsprogramm aufzulegen, dass zudem von viel zu geringen Nachfragequoten ausging und bei dem neben den Bundesmitteln viele Länder - wie NRW - nicht eine zusätzlich in gleicher Höhe erforderliche Eigenquote erbracht haben.
Am Beispiel NRW wird dieser Mangel jetzt überdeutlich: Es ist davon auszugehen, dass die Nachfragequote nach Plätzen für Kinder unter 3 Jahren im Jahr 2013 bei weit über 39 % liegen wird. Eine vom Deutschen Städte- und Gemeindebund in Auftrag gegebene Forsa-Umfrage ermittelte eine Nachfragequote von 66 %! NRW hat eine Ausbauplanung, die auf eine Deckung von 32 % ausgerichtet ist und bisher gerade mal rd. 16 % erreicht. Nach der (zurückhaltenden) DJI-Studie ist in NRW mit einer Deckungslücke von 7.000 Fachkräften zu rechnen!
Maßnahmen müssten jetzt anlaufen, um mehr junge Menschen für das "attraktive" Arbeitsfeld zu gewinnen. Ausreichend ist es nicht, jetzt auf "junge Männer" die Bemühungen auszurichten. Es müsste, so wie es Prof. Sell u.a. aufzeigt, zunächst gelingen, dass der Trend gestoppt wird, dass 1/5 aller Erzieherinnen bereits nach dem ersten Berufsjahr in einen anderen Tätigkeitsbereich abwandert. Der Arbeitsbereich muss durch bessere qualitative Bedingungen und gesichertere Arbeitsverhältnisses tatsächlich attraktiver werden. Der Hinweis von Prof. Sell, dass dazu unbefristete Vollzeitstellen gehören, macht deutlich, dass alles Systeme, die z.B. zu Zwangsteilzeit drängen und nur Stundenkontingente fördern, so wie dies mit dem Kinderbildungsgesetz in NRW der Fall ist, ein strukturelles Berufsrisiko darstellen.
Dass dies für das KiBiz auch an anderer Stelle zutrifft wird u.a. daran deutlich, dass die Schere zwischen dem tatsächlich zu zahlenden Gehalt (Bruttopersonalkosten) und den über die Kindpauschalen abgedeckten Summen immer mehr auseinanderklafft, da in den Pauschalen im Kern immer noch der Personalkostendurchschnittswert des Jahres 2005 abgedeckt wird, während die tatsächlichen Ausgaben wesentlich höher liegen und schon gar nicht die Aufwendungshöhe abdeckt, die in der Stadt Frankfurt, die händeringend nach Fachkräften sucht, gezahlt werden. Dort erhalten nach der Berichterstattung der FAZ die Erzieherinnen ein um zwei Gehaltsstufen erhöhtes Gehalt!
Erst wenn das Arbeitsfeld attraktiver wird, können auch die Bemühungen "greifen", überhaupt mehr Jugendliche auch für die Ausbildung in zusätzlich einzurichtenden Ausbildungsgängen zu gewinnen!
Die Problemlage ist bekannt. Auch wenn in NRW im Rahmen der ersten Stufe der Revision die Chance vertan wurde, ein nachhaltige Verbesserung zu realisieren, so ist es ja nicht ausgeschlossen, z.B. durch eine Korrektur der falsch berechneten Pauschalen übergangsweise eine deutliche Verbesserung zu realisieren.
Weiterführende Links
- FAZ 19.8.2011 - Erzieherinnenmangel
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