Umfrage

Viele Unternehmen haben Probleme bei der Suche nach Auszubildenden

Als Hauptgrund wurde eine nicht ausreichende Anzahl an Bewerbungen genannt, dicht gefolgt von einer nicht ausreichenden Qualifizierung der Bewerbenden. Mehr als drei Viertel sieht Veränderungsbedarf bei der Berufsausbildung.

22.01.2025 Bundesweit Pressemeldung ifo institut
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Im vierten Quartal 2024 der Randstad-ifo-Personalleiterbefragung drehte sich alles um Ausbildung.

Das deutsche Ausbildungssystem basiert auf einem dualen Ansatz, der Theorie und Praxis miteinander verbindet und eine solide Grundlage für eine erfolgreiche berufliche Zukunft bildet. Deutschland bietet ein breites Spektrum an Ausbildungsberufen in nahezu allen Branchen, vom Handwerk über den Dienstleistungssektor bis hin zu hochspezialisierten technischen Berufen. Die Ausbildung spielt eine entscheidende Rolle bei der Sicherung des Fachkräftenachwuchses und trägt zur Stabilität des Arbeitsmarktes bei. Gleichzeitig steht das Ausbildungssystem vor großen Herausforderungen. In den letzten Jahren bleiben Ausbildungsplätze immer häufiger unbesetzt. Gründe dafür sind unter anderem der Fachkräftemangel, der demografische Wandel und die steigende Attraktivität akademischer Bildungswege. Besonders kleinere Betriebe haben oft Schwierigkeiten, geeignete Auszubildende zu finden, was die Zukunftsfähigkeit dieser Unternehmen gefährdet. Hinzu kommen Herausforderungen durch einen sich schnell wandelnden Arbeitsmarkt aufgrund von beispielsweise Künstlicher Intelligenz, Digitalisierung oder dem Entstehen neuer Berufsfelder.

Zahl der Ausbildungsplätze in vielen Betrieben unverändert

In 40% der Betriebe ist im Ausbildungsjahr 2024/25 die Anzahl der Ausbildungsplätze im Vergleich zum Vorjahr gleichgeblieben. 24% der Firmen boten mehr Plätze an, 14% weniger. In 22% der Fälle wollten Unternehmen keine neuen Ausbildungsstellen schaffen. Im Vergleich der Wirtschaftsbereiche steigerte der Handel mit 18% am seltensten die Möglichkeiten für eine Ausbildung, in der Industrie wurden mit 28% am häufigsten zusätzliche Lehrstellen geschaffen. Hier sprachen nur 15% der Unternehmen davon, im laufenden Jahr keine neuen Ausbildungsplätze anzubieten.

Ein Blick auf die verschiedenen Größenklassen zeigt, dass fast die Hälfte aller Kleinunternehmen mit bis zu 49 Mitarbeitenden (47%) 2024 keine neuen Lehrstellen geschaffen haben. Das sind deutlich mehr als bei mittelgroßen Unternehmen (50–249 Angestellte: 21%, 250-499 Angestellte: 5%) und bei Großunternehmen ab 500 Mitarbeitenden, bei denen es keinen Betrieb gibt, der auf neue Lehrstellen verzichtet. Auch gaben Kleinunternehmen mit 19% am seltensten an, die Zahl ihrer Ausbildungsplätze im Vergleich zum Vorjahr vergrößert zu haben – im Gegensatz dazu steigerte jedes dritte Großunternehmen seine Anzahl an Lehrstellen. Dieses Ergebnis zeigt, dass vor allem kleinere Betriebe hinsichtlich ihrer Ausbildungssituation zurückhaltend sind.

Mehrheit der Unternehmen meldet Schwierigkeiten bei der Suche nach neuen Auszubildenden

Zusätzlich zur konjunkturellen Unsicherheit stellt auch die Suche nach neuen Auszubildenden viele Unternehmen vor Schwierigkeiten. Im Schnitt meldeten die Betriebe in 61% der Fälle Probleme bei der Stellenbesetzung, bei Großunternehmen waren es sogar etwas mehr als zwei Drittel (69%) – dennoch vergrößerten diese ihre Zahl an Auszubildenden im Vergleich zum Vorjahr am stärksten. Am seltensten stellte die Suche Betriebe mit 50–249 Angestellten vor Herausforderungen (55%).

Im Vergleich der Wirtschaftsbereiche gaben die Teilnehmenden aus der Industrie mit 67% am häufigsten Schwierigkeiten an. Als ein etwas geringeres – jedoch ebenso deutliches – Problem sah die Bewerbersuche der Dienstleistungssektor (53%). Als Grund für die schwierige Besetzung von Stellen gaben Kleinstunternehmen vor allem eine nicht ausreichende Zahl an Bewerbungen an (82%), äußerten aber gleichzeitig am seltensten Bedenken über die Qualifikation der Bewerbenden (43%). Genau umgekehrt stellte sich die Situation bei Großunternehmen ab 500 Angestellten dar: Nur etwa die Hälfte der Betriebe klagte hier über eine nicht ausreichende Zahl an Bewerbungen, die Bewerbenden zeigten sich dafür allerdings sehr häufig als nicht ausreichend qualifiziert (84%).

Kleine Unternehmen klagen über zu wenig Auszubildende

Dass vermehrt kleine Betriebe Schwierigkeiten haben, genügend Auszubildende zu finden, unterstreichen die Ergebnisse zur Frage, ob die Anzahl an Auszubildenden der Wunschanzahl des Unternehmens entspricht. Bei mehr als der Hälfte (53%) der befragten Unternehmen mit bis zu 49 Angestellten lag die tatsächliche Zahl der Auszubildenden unterhalb ihrer Wunschanzahl. Großunternehmen ab 500 Mitarbeitenden zeigten sich hingegen sichtlich zufriedener, nur 29% klagten hier über eine Unterbesetzung. Im Schnitt entsprach bei 58% der Betriebe die Anzahl der Auszubildenden der gewünschten Anzahl.

Die Antworten über die einzelnen Wirtschaftsbereiche hinweg variierten etwas. Mit 48% klagte am häufigsten der Handel über eine zu geringe Anzahl an Auszubildenden, gegenüber 38% in der Industrie. Hier zeigten sich die Teilnehmenden in 62% der Fälle mit der Anzahl an besetzten Stellen zufrieden, bei den Dienstleistern waren es 60%, im Handel 50%. So gut wie kein Unternehmen schätzte die Anzahl ihrer Auszubildenden als zu hoch ein.  

Viele Betriebe mit Qualität ihrer Auszubildenden zufrieden

Etwa zwei Drittel der befragten Unternehmen (67%) bewerteten die Qualität ihrer Auszubildenden als „gut“. Weniger zufrieden waren etwas mehr als ein Fünftel (22%) der Betriebe, die die Qualität als „weniger gut“ bezeichneten und 3% als „ungenügend“. Die Bestnote „sehr gut“ vergaben nur 8% der Befragten. Im Vergleich der Wirtschaftsbereiche fielen die Antworten recht gleichmäßig aus. Bei der Kategorie „gut“ tat sich die Industrie mit 76% der Stimmen hervor (Dienstleistungen: 62%, Handel: 61%). Für die Bewertung „weniger gut“ gab es hingegen im Handel die meisten Antworten (30%), dahinter folgten die Dienstleister (23%) und die Industrie (16%).

Zu erkennen war auch, dass die Unzufriedenheit über die Auszubildenden in Kleinstunternehmen mit bis zu 49 Angestellten etwas stärker ausgeprägt ist. In 29% der Fälle sprachen die Firmen von einer weniger guten Qualität im Vergleich zu 16% bei Großunternehmen ab 500 Mitarbeitenden (250–499: 25%, 50–249: 18%). Dort war die Zufriedenheit im Vergleich am größten: Rund 81% der Großunternehmen verteilten die Noten „sehr gut“‘ oder „gut“, während insgesamt nur rund 66% der Kleinstunternehmen diese Bewertungen abgaben.   

Auszubildende besitzen mehrheitlich einen Realschulabschluss

Im Durchschnitt gaben die teilnehmenden Unternehmen an, dass 26% ihrer Auszubildenden ein Abitur haben. Den größten Anteil an Schulabschlüssen macht die Realschule aus. Im Durchschnitt haben 46% der Auszubildenden im Unternehmen einen Realschulabschluss. 28% weisen einen Haupt-/ Mittelschulabschluss vor. Der Anteil an Abiturienten ist im Dienstleistungssektor mit 37% deutlich höher als im Handel (17%) und in der Industrie (20%). Im Handel hat der größte Teil der Auszubildenden einen Realschulabschluss (54%). Der Anteil von Haupt- und Mittelschulabgängern ist in der Industrie im Durchschnitt am höchsten (32%). Im Größenklassenvergleich zeigen sich eher wenig Unterschiede.

Mehrheit der Unternehmen hat Anforderungen an Auszubildende nicht verändert

Die Frage nach den Anforderungen an ihre Auszubildenden beantworteten 61% damit, dass sich diese in den letzten fünf Jahren nicht geändert haben. Jeweils knapp 20% der Unternehmen sprechen von erhöhten beziehungsweise verringerten Anforderungen im Vergleich zu den letzten fünf Jahren. In der Industrie gaben etwas mehr Betriebe eine Verringerung der Anforderungen an (23%) als im Handel (18%) und im Dienstleistungssektor (17%). Im Größenklassenvergleich sprachen in Unternehmen ab 250 Mitarbeitenden rund die Hälfte davon, dass die Anforderungen gleichgeblieben sind. Gleichzeitig wurden die Anforderungen in großen Betrieben häufiger verringert (250-499 Beschäftigte: 28%, ab 500 Beschäftigte: 22%) als in kleinen Unternehmen (bis 49 Beschäftigte: 17%, 50 – 249 Beschäftigte: 16%).

Fehlende Betreuungskapazitäten Hauptproblem beim Anbieten von Ausbildungsplätzen

Rund 15% der befragten Unternehmen planen im nächsten Jahr keine neuen Ausbildungsplätze anzubieten. Von diesen gab über die Hälfte an, dass der Grund hierfür ein Fehlen von ausreichender Betreuungskapazität ist (52%). Knapp jedes vierte Unternehmen (24%) nannte zudem wirtschaftliche Gründe. Für 15% der befragten Unternehmen ist der Nutzen von Auszubildenden für das Unternehmen zu gering. Weitere unter „Sonstige“ genannte Gründe waren eine fehlende Motivation der Bewerbenden sowie der Wechsel von der Ausbildung auf das duale Studium. Zudem waren in manchen Unternehmen die Plätze durch andere Jahrgänge bereits besetzt. Während im Handel 29% der Teilnehmenden von einem zu geringen Nutzen für das Unternehmen berichteten, waren es im Dienstleistungssektor nur 12% und in der Industrie knapp 7%. Dahingegen stellten in der Industrie vor allem die geringen Betreuungskapazitäten (64%) ein Hindernis dar sowie die wirtschaftlichen Gründe (44%). Letzteres wurde sowohl im Handel (23%), als auch im Dienstleistungssektor (14%) deutlich seltener genannt.

Der Größenklassenvergleich zeigt, dass große Unternehmen deutlich häufiger mit dem Problem der fehlenden Betreuungskapazitäten konfrontiert sind. In Unternehmen ab 500 Beschäftigten gaben 81% diesen Grund an, in Unternehmen mit 250-499 Beschäftigten 54%. In kleinen Unternehmen waren es hingegen 44% (50-249 Beschäftigte) und 45% (bis 49 Beschäftigte).

Mehr als drei Viertel sieht Veränderungsbedarf bei der Berufsausbildung

Mehr als drei Viertel (77%) der Unternehmen sieht Veränderungsbedarf bei der Berufsausbildung in Deutschland. Im Dienstleistungssektor waren es mit knapp 80% deutlich mehr als im Industriesektor (76%) und im Handel (75%). Im Größenklassenvergleich stechen vor allem Großunternehmen ab 500 Beschäftigten mit 81% heraus. Unternehmen der anderen Größenklassen liegen zwischen 74% (250-499 Beschäftigte) und 77% (bis 49 Beschäftigte). 

Von denjenigen, die einen Änderungsbedarf äußerten, forderten die meisten eine Modernisierung von Berufsschule und Lehrplänen einerseits (71%) und eine Verbesserung des Images der Berufsausbildung andererseits (71%). Etwas mehr als die Hälfte (52%) sprach sich für eine verstärkte Zusammenarbeit von Berufsschule und dem Ausbildungsbetrieb aus. Jedes dritte Unternehmen sieht die Erhöhung der Flexibilisierungsmöglichkeiten für Auszubildende als eine benötigte Verbesserung. 18% sprechen sich für das Ermöglichen internationaler Erfahrungen aus. Weitere 12% würden die Vergütung der Auszubildenden verbessern und 11% die Ausbildungsdauer verkürzen. Zudem äußerten die Unternehmen weitere Punkte, wie die Motivation der Auszubildenden, eine bessere schulische Vorbildung, zum Beispiel bezogen auf Digitalisierung sowie eine bessere Vorbereitung auf das Berufsleben. 

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