Oettinger: Frühförderung und Elternbildung

(bikl) Verpflichtende Erziehungsgespräche zwischen Lehrern und Eltern, Förderunterricht für Vorschulkinder und den Ausbau der Ganztagsschulen kündigte Baden-Württembergs Regierungschef Günther Oettinger (CDU) in der "Financial Times Deutschland" an. Ziel seiner Politik sei eine "Stärkung der frühkindlichen Bildung", um insbesondere Kindern aus sozial schwachen Familien bessere Bildungschancen zu geben.

27.12.2005 Artikel

In bis zu 18 Stunden Förderunterricht pro Woche sollten Vorschulkinder auf die Grundschule vorbereitet werden, so Oettinger. Dazu sollten Grundschullehrer auch in den Kindergärten arbeiten und Kinder noch vor ihrer Einschulung einmal eine Grundschule von innen sehen.

"Eine Wachstumsaufgabe"

Immer mehr Frauen, so die Erkenntnis Oettingers, müssten arbeiten und hätten weniger Zeit für die Kindererziehung. Auch stiegen die Anforderungen an Jugendliche in der Schule und später im Beruf, erklärte er. "Deswegen ist ein umfassendes Angebot des Staates, der Kommunen und der Kirchen zur frühkindlichen Bildung und zur Erziehung und Betreuung der Kinder und Jugendlichen eine Wachstumsaufgabe", sagte Oettinger in der FTD und wies den Vorwurf, die Union habe die gesellschaftliche Entwicklungen über lange Jahre ignoriert, zurück. Tatsächlich hatte Oettingers Vorgänger Erwin Teufel das Ganztagsschulprogramm des Bundes zunächst abgelehnt, denn im konservativen CDU-Landesverband Baden-Württemberg wurde das traditionelle Familienbild lange Zeit hochgehalten.

Für Eltern schlägt Oettinger frühzeitige Weiterbildungsangebote vor. "Eine Überlegung von mir ist auch, dass neben dem Kindergeld Gutscheine für Schulungsabende an Mütter und Väter ausgegeben werden."

Wenig Neues

So neu sind die Vorschläge aber nicht: Das Ganztagsschulprogramm der letzten Bundesregierung läuft seit 2002, Bildungspläne und Kooperationen zwischen Kindergärten und Grundschulen sind – spätestens nach den ersten PISA Ergebnisse - in nahezu allen Bundesländern entwickelt worden und der Bielefelder Pädagoge Klaus Hurrelmann ging in Sachen Elternbildung bereits vor drei Jahren einen Schritt weiter. In einer Sendung des Bayerischen Rundfunks erklärte er damals: „Ich habe schon öfter überlegt, ob man vielleicht die Teilnahme an einem Trainingskurs für die Erziehung damit belohnen kann, dass man dann von der Stadt Eintrittskarten für die Bäder bekommt für ein Jahr oder irgendeine Verlockung oder, wenn wir mal ein bisschen sehr kühn werden, die nächste Erhöhung des Kindergeldes könnte ja auch davon abhängig gemacht werden, dass Eltern an einem Trainingskurs teilnehmen.“


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