10 Jahre Safer Internet Day, und jetzt?!
Der internationale Safer Internet Day wurde 2004 von der Europäischen Kommission ins Leben gerufen. In Deutschland wird der Aktionstag von der EU-Initiative klicksafe koordiniert. Fragen an die Projektverantwortlichen Renate Pepper (Direktorin der Landeszentrale für Medien und Kommunikation Rheinland-Pfalz, LMK) und Dr. Jürgen Brautmeier (Vorsitzender der Direktorenkonferenz der Landesmedienanstalten, DLM und Direktor der Landesanstalt für Medien NRW, LfM ).
10.02.2014 Pressemeldung klicksafe.de c/o Landeszentrale für Medien und Kommunikation (LMK) Rheinland-PfalzVor zehn Jahren ging der Safer Internet Day erstmals an den Start. Ist das Internet seitdem sicherer geworden?
Dr. Jürgen Brautmeier: Das Thema Sicherheit im Netz wird heute in jedem Fall sehr groß geschrieben, viel größer als noch 2004. Doch jeder weiß, dass Handys und unsere Daten im Internet oft nicht sicher sind. Das sorgt ja fast jeden Tag für Schlagzeilen. Der Safer Internet Day und Medienkompetenzinitiativen wie z.B. klicksafe, Handysektor und Internet-ABC allein können das Netz natürlich nicht sicher machen. Dazu fehlen ihnen auch die Mittel. Aber sie haben in den zurückliegenden Jahren viel mit dazu beigetragen, die Öffentlichkeit für das Thema Internetsicherheit zu sensibilisieren und zu informieren.
Renate Pepper: Wir müssen umdenken. Das Internet hat unsere Art zu kommunizieren grundlegend geändert. Und jede Innovation, sei im technischen Bereich oder im inhaltlichen, die das Internet bietet, bringt auch immer neue Herausforderungen für die Nutzer mit sich. Es stellt sich doch zum Beispiel die Frage: Sind Kinder überhaupt bereit dazu, immer und überall online zu sein? Von daher bleiben die Themen Medienkompetenz und Jugendschutz von großer Bedeutung für die gesetzgeberisch verantwortlichen Bundesländer und für die Arbeit der Landesmedienanstalten.
In diesem Jahr rückt klicksafe das Thema "Immer online – Wie das mobile Internet unser Leben verändert" in die Mittelpunkt. Was sind aus Ihrer Sicht bei diesem Thema die größten Herausforderungen?
Renate Pepper: Man sieht ja überall, wie sehr das mobile Internet bereits das Bild auf der Straße verändert hat. An jeder Bushaltestelle, in Cafés, im Supermarkt überall sind Menschen online. Sie kommunizieren, fotografieren, spielen. Überall und rund um die Uhr. Fast zwei Drittel der Jugendlichen verfügen bereits über ein Smartphone. Auch in der Schule gehört das Internet heute einfach mit dazu. Zahlreiche Lehrer setzen Handys auch bereits ganz offensiv als Lernmittel ein. Wir können und wollen davor, wie das mobile Internet unsere Leben verändert, nicht die Augen verschließen. Alle Erfahrung zeigt: Handyverbote helfen da dauerhaft wenig. Vor allem für Eltern und Pädagogen ist es wichtig, klare Erlaubnisregeln mit ihren Kindern festzulegen. Und sie müssen sich auch selber prüfen: Gehen sie Kindern und Jugendlichen wirklich mit gutem Beispiel voran? Und natürlich sind es nicht nur die Eltern und die Schulen, auch die Anbieter sind in der Verantwortung. klicksafe ist daher mit Unternehmen wie Google oder facebook in regem Austausch, denn auch hier geht es um Aufklärung und Zusammenarbeit.
Dr. Jürgen Brautmeier: Wir haben anlässlich des Safer Internet Days ein umfangreiches Informationspaket geschnürt mit Informationen für Eltern und für Lehrer, und natürlich auch für Schüler. Aus der Erfahrung mit Workshops an Schulen, die wir mit unserer Initiative Handysektor machen, wissen wir, dass Jugendliche sich im Umgang mit ihren Handys zwar meist sehr sicher fühlen, doch oft selbst einfachste Sicherheitsvorkehrungen nicht kennen. Da zu sein, zu informieren und Orientierung zu geben bei den ständigen Neuerungen im Internet: Darin sehen wir unsere Aufgabe. Und hier hat insbesondere klicksafe in den zurückliegenden Jahren viel bewirkt, nicht zuletzt mit den klicksafe Materialien für den Unterricht, für Elternabende, Eltern sowie Jugendlichen zu Themen wie Cybermobbing, Datenschutz, Porno, Computerspiele und Rechtsextremismus. Das ist bundesweit im Einsatz. Das wir ohne wirtschaftliche Interessen ganz unabhängig arbeiten können, ist sicher ein großes Plus.
Wie der Safer Internet Day wurde auch klicksafe 2004 im Rahmen des Safer Internet Programms der Europäischen Kommission ins Leben gerufen. Wie sehen Sie hier die weitere Entwicklung: Wie geht es weiter?
Dr. Jürgen Brautmeier: Wir haben viel erreicht mit dem Safer Internet Day als Aktions- tag, der das Thema Internetsicherheit auf die Agenda gesetzt hat und von Jahr zu Jahr mehr Länder und Partner aktiviert und Menschen erreicht. Ein großes Ziel des EU- Programms und von klicksafe ist damit ja verwirklicht worden. Natürlich geht das Engagement von klicksafe weit über die Organisation von Aktionstagen hinaus. klicksafe ist hierzulande die unabhängige und werbefreie Plattform für Informationen und Initiativen, die sich stark machen für mehr Sicherheit im Internet. Gerade angesichts des Tempos, in dem sich das Netz weiterentwickelt, ist es wichtig, den Anschluss nicht zu verlieren. Unser Informationsmaterial wird laufend aktualisiert und kann kostenlos über klicksafe.de heruntergeladen werden. klicksafe ist vor zehn Jahren mit der Aufgabe angetreten, die Menschen für das Thema Sicherheit im Internet zu sensibilisieren: Bei diesem Punkt hat sich im Bewusstsein der Gesellschaft sehr viel bewegt.
Renate Pepper: Neben den Sicherheitsfragen stehen vor allem die jungen Internetnutzer immer mehr im Fokus. Dazu hat die Europäische Kommission 2012 die Strategie "Better Internet For Kids" beschlossen. Die Schwerpunkte der zukünftigen Maßnahmen werden u.a. sein: Die positiven Aspekte bei der Nutzung des Internets stärker in den Blick nehmen und in Zusammenarbeit mit Unternehmen die Rahmenbedingungen für gute Angebote im Netz fördern. In diesem Zusammenhang ist auch die Verleihung des EuropäischenKinderOnline Preises zu sehen, bei der die europäischen Gewinner am Safer Internet Day in Brüssel von EU-Kommissarin Neelie Kroes gewürdigt werden. Die Ausschreibung des internationalen Wettbewerbs und der deutsche Vorentscheid liefen auch über klicksafe in Zusammenarbeit mit "fragFINN e.V." und "klick-tipps.net". Unsere zentrale Aufgabe für die Zukunft liegt also darin, dass wir das Internet gemeinsam besser machen. Dazu wollen wir auch insbesondere die jungen Internetnutzer verstärkt mit einbeziehen. Es ist jetzt und in Zukunft schließlich "ihr Netz". Das diesjährige internationale Motto zum Safer Internet Day lautet nicht umsonst: "Let´s Create A Better Internet Together". Und, auch das steht schon fest, der nächste Safer Internet Day findet 2015 am 10. Februar statt.
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