Experten-Interview: Wie Sprachen Toleranz und Verständnis fördern

Auf dem Fremdsprachenkongress 2024 des Ernst Klett Sprachen Verlags tauschten sich Lehrende, Expertinnen und Experten der Erwachsenenbildung über die Zukunft des Sprachenlernens aus. Dr. Rudi Camerer und Vasili Bachtsevanidis teilen im Interview ihre Perspektiven und Erfahrungen, wie Sprachen Toleranz und gegenseitiges Verständnis fördern können.

05.12.2024 Bundesweit Pressemeldung Ernst Klett Sprachen GmbH
  • © Ernst Klett Sprachen GmbH In einem Videobeitrag sprechen Vasili Bachtsevanidis (links) und Dr. Rudi Camerer (rechts) mit Ernst Klett Sprachen über die Bedeutung von Sprachen für das interkulturelle Verständnis.

Der Fremdsprachenkongress in Frankfurt am Main bot Diskussionen, Workshops, Gespräche und Vorträge über zukunftsweisende Lernszenarien und effektive Lernprozesse im Sprachenunterricht. Dr. Rudi Camerer und Vasili Bachtsevanidis, zwei führende Köpfe im Bereich der interkulturellen Bildung und Sprachvermittlung, sprechen hier über Mehrsprachigkeit und ihre Wirkung. 

Erweiterte Qualitätskriterien – die Bedeutung von Sprachkompetenz für kulturelles Verständnis

„Die wichtigste Erkenntnis ist, dass es mehr als nur eine Variante gibt, wie Menschen sprechen. Auf diesem Gebiet steht vor allem die Fähigkeit im Fokus, eine positive und vertrauensvolle Beziehung zu Menschen anderer Kulturen aufzubauen“, erklärt Dr. Rudi Camerer.

Aus seiner Sicht steht beim Spracherwerb nicht nur linguistische Korrektheit im Fokus, sondern ebenso, den pragmatischen Gebrauch der Sprache zu verstehen. „Schon ein einfaches ‚Guten Tag‘ oder ‚Danke‘ in der Sprache des Gastlandes wird als Zeichen der Wertschätzung wahrgenommen.“ Damit, betont Camerer, berücksichtigen auch Sprachtests oft nicht den pragmatischen Gebrauch der Sprache.

Vasili Bachtsevanidis sieht in der transkulturellen Identität eine zentrale Rolle für das Zusammenleben in einer globalisierten Welt: „In einer dynamischen Welt, in der auch das Geschlecht nicht mehr binär ist, ist die kulturelle Identität eine Mischung aus verschiedenen Kulturen und Sprachen. Jeder Mensch ist eine Kombination aus verschiedenen kulturellen Einflüssen.“ Diese Perspektive unterstreicht die Notwendigkeit, Vielfalt und Mehrsprachigkeit als Reichtum zu begreifen.

Mehr interkulturelle Sensibilisierung!

Beide Experten sind sich einig, dass Sprachen eine entscheidende Rolle dabei spielen, Frieden und Verständigung in der Gesellschaft zu fördern. „Sprache allein reicht nicht aus“, sagt Bachtsevanidis, „aber sie kann Missverständnisse vermeiden helfen.“ Menschen, die mehrere Sprachen sprechen, seien oft empathischer und interkulturell sensibler. „Diese zwischenmenschliche Sensibilität entwickelt sich jedoch nicht nur im Klassenraum, sondern durch reale Erfahrungen in der Welt“, fügt er hinzu.

Dr. Camerer weist darauf hin, dass interkulturelle Kommunikation in der Sprachvermittlung noch stärker gefördert werden sollte. Er betont, dass Höflichkeitskonventionen in verschiedenen Kulturen variieren und es wichtig sei, diese zu kennen und in die Sprachtests zu integrieren, um echte Verbindungen zwischen Menschen aufzubauen.

Fazit: Sprache als Werkzeug für Toleranz und Verständigung

Die Experten sind sich einig: Beim Spracherwerb werden nicht nur kognitive Fähigkeiten trainiert, sondern auch soziale Kompetenzen wie Empathie und Toleranz gefördert. Das Lernen einer Fremdsprache eröffnet den Zugang zu neuen Perspektiven und trägt dazu bei, kulturelle Barrieren abzubauen. „Es geht darum, mehr zu lernen als nur die Regeln einer Sprache – es geht darum, Menschen zu verstehen“, resümiert Dr. Camerer. Hier geht es zum vollständigen Interview.

Experten für Sprachvermittlung und interkulturelle Bildung

Dr. Rudi Camerer ist seit über 20 Jahren eine führende Stimme im Bereich der Sprachvermittlung in der Erwachsenenbildung. Als Leiter der Beratungsfirma elc-European Language Competence in Frankfurt berät er europaweit Unternehmen, Behörden und Bildungseinrichtungen. Vasili Bachtsevanidis, derzeit Dozent an der Oslo Metropolitan University, verfügt über umfassende Erfahrung in der Lehrkräfteaus- und -fortbildung und ist als Autor im Bereich Deutsch als Fremd- und Zweitsprache tätig. Zudem arbeitet er als Sprecher und Sprechtrainer.

Weitere Beiträge aus verschiedenen Perspektiven, wie Sprache eine zentrale Rolle für die nachhaltige Entwicklung der Welt einnimmt, finden Sie auf unserem Blog.

Ansprechpartner

Ernst Klett Sprachen GmbH
Adriana Akin
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Rotebühlstraße 77
70178 Stuttgart
Telefon: +49 711 6672-5012
E-Mail: pr@klett-sprachen.de
Web: www.klett-sprachen.de


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