Gegen die gesellschaftliche Spaltung, hin zur gemeinsamen Schule für alle
Bildung ist das zentrale Mittel gegen Arbeitslosigkeit, Ungleichheit und gesellschaftliche Spaltung.
24.01.2017 Bundesweit Artikel Joachim LohmannDie gesellschaftlichen Spaltungen in der westlichen Welt sind kein Schicksal. Sie ist weder der Arbeitsplatzbedrohung noch der Ungleichheit noch den ethnischen Spannungen hoffnungslos ausgeliefert.
Nicht verantwortbar ist ein Populismus, der sich generell gegen den Welthandel und gegen die Globalisierung wendet. Eine generelle Ablehnung des Welthandels ist unsolidarisch, denn er hat einen globalen Aufschwung von Wirtschaft und Beschäftigung erbracht. Das Wirtschaftswachstum ist vor allem den Menschen in den sich entwickelnden Ländern entgegengekommen, bedroht aber die wirtschaftlich Schwächeren in den Industrieländern.
- Die Erwerbslosigkeit in den westlichen Ländern ist weitgehend eine Folge von zu geringer Qualifikation. OECD-weit sind 25-34-Jährige ohne Sekundarstufen-II-Abschluss um 150 % häufiger und mit diesem Abschluss 50 % häufiger erwerbslos als mit einem tertiären Abschluss (OECD, 2016, S. 133). Die Arbeitswelt wird noch weitaus stärker als durch die Globalisierung durch die Digitalisierung herausgefordert. Diese bedroht nach einer Analyse der Weltbank mehr als die Hälfte der jetzt bestehenden Arbeitsplätze in den westlichen Ländern. Doch der Verlust der Arbeitsplätze droht nicht generell - am weitaus stärksten gefährdet die Digitalisierung die Routinearbeitsplätze. Vom Arbeitsplatzverlust bedroht sind jetzt im Gegensatz zu früher weniger stark die manuellen als vor allem die kognitiven Routinetätigkeiten; mit Einkommensverlusten müssen jedoch beide Tätigkeiten rechnen. Im Gegensatz dazu haben die kognitiv kreativen Berufe sowohl gute Beschäftigungs- als auch gute Einkommenschancen. In diesen Tätigkeiten sind tertiär Ausgebildete mehr als 5-mal häufiger beschäftigt als Berufstätige mit höchstens einem sekundären Abschluss. (World Bank, Kap. 2, S. 132 f.). Bildung ist der Schlüssel gegen die drohende Arbeitslosigkeit. Sie kann den Herausforderungen begegnen.
- Auch die ökonomische Ungleichheit ist vor allem mit qualifizierter Bildung zu bekämpfen. Nach der OECD-Untersuchung wäre die Ungleichheit doppelt so stark angestiegen, hätte nicht die tertiäre Bildung seit den frühen 80er Jahren stark zugenommen (OECD 2011, S. 119 ff.). Statt vom Studium abzuraten, sollten Jugendliche nachdrücklich zum Studium – auch in dualer Form – ermutigt werden. Goldin und Katz sprechen von einem Wettlauf zwischen Bildung und Technologie. Deutschland wie die westliche Welt insgesamt sind gefordert, diesen Wettlauf der Bildung mit der Technologie aufzunehmen und ihn für die Bildung zu gewinnen.
- Der Rechtspopulismus ist keine kurzfristige Herausforderung, denn selbst eine umfassende Bildungsoffensive wirkt sich nicht schnell auf die ökonomisch Abgehängten sowie auf Verunsicherten und Ängstlichen aus. Der Rechtspopulismus bekämpft nicht die Ursachen, sondern schafft Sündenböcke. Zielscheibe wird vor allem die Zuwanderung bleiben, die trotz aller Abschreckungen nicht aufhören wird. Denn einerseits wird die Flucht aus dem Nahen und Mittleren Osten sowie aus Afrika wegen der Kriege und Bürgerkriege anhalten, weil die ethnischen und religiösen Ursachen nicht kurzfristig überwunden werden. Andererseits wird das Wirtschaftsgefälle innerhalb der EU für lange Zeit bestehen bleiben und zur Wanderung innerhalb Europas führen. Für den Rechtspopulismus anfällig sind die Bildungsbenachteiligten. Das hat N. Silver für den Trump-Wahlsieg nachgewiesen: der ist nicht auf die einkommensschwachen, sondern auf die bildungsbenachteiligten Weißen zurückzuführen. Der französische Philosoph D. Eribon verweist darauf, dass die Karte der rechtspopulistischen Erfolge in Frankreich, Österreich und Großbritannien deckungsgleich mit Regionen geringen Bildungsniveaus ist.
- Für die Integration der Migranten geht es besonders um die Jugend. Ob sie sich wohl und angenommen fühlt und ob sie berufliche Chancen erhält, hängt vor allem von der Schule ab.
Eine Bildungsoffensive ist unumgänglich
Somit erweist sich Bildung als das zentrale Mittel gegen die Herausforderungen der westlichen Gesellschaften.
Die westliche Welt sollte bei der Bildung offensiv werden. Dies gilt insbesondere für die Jugend, denn ihre Beschäftigungs-Perspektiven sind düster. Die Jugendarbeitslosigkeit ist zwar EU-weit in den letzten 8 Jahren leichtgefallen, aber noch immer ist deutlich mehr als jeder 5. Jugendliche erwerbslos und in Spanien und Griechenland immer noch jeder zweite. Zunehmend kommen Wissenschaftler verschiedener Länder zu dem Schluss, dass eine Bildungsoffensive erforderlich sei.
Es handelt sich hierbei um einen Auszug aus dem Beitrag „Gegen die gesellschaftliche Spaltung in Schritten hin zur gemeinsamen Schule für alle“, der hier in voller Länge, inklusive Quellennachweisen, gelesen werden kann.
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