Bayern

Gerechte Bildung als Perspektive

Zur Halbzeit der 16. Legislaturperiode des Landtags zog das Forum Bildungspolitik in Bayern Bilanz über die Bildungspolitik. "Eine Gesellschaft muss sich daran messen lassen, wie sie Bildungschancen zuteilt. Hier hat die Bayerische Staatsregierung noch viel zu tun", sagte Forumssprecher Klaus Wenzel bei einer Diskussion mit Vertretern der fünf Landtagsfraktionen über die Forderungen, die das Forum Bildungspolitik in Bayern vor der Landtagswahl 2008 formuliert hatte. Die Forderungen seien noch nicht annähernd umgesetzt.

16.05.2011 Pressemeldung Forum Bildungspolitik in Bayern

Die soziale Herkunft bestimme nach wie vor den Bildungserfolg, zu viele Schüler/innen müssten wiederholen, die Schule wechseln oder ohne Abschluss abgehen. Zu viele erhielten keinen Ausbildungs- oder Studienplatz. Die Übergänge im Bildungssystem seien Barrieren. Schulen in freier Trägerschaft kämpften mit unzureichender Förderung, das Schulsterben auf dem Land nehme zu. Das Forum Bildungspolitik in Bayern fordert:

  • ein verpflichtendes, kostenloses letztes Kindergartenjahr
  • aufeinander abgestimmte Lehrpläne und Unterrichtsmethoden an allen Schularten
  • Sitzenbleiben und Schulwechsel nur im Ausnahmefall
  • einen Schulabschluss für alle jungen Menschen
  • verlässliche Vereinbarungen für Schulen in freier Trägerschaft
  • mehr Ausbildungs- und Studienplätze

Kinder und Jugendlichen würden viel zu selten individuell gefördert und die UN-Behindertenrechtskonvention nicht umgesetzt, sagte Wenzel. Bildungseinrichtungen müssten zu Lern- und Lebensräumen werden. Entscheidend für das Zusammenleben und für den Bildungserfolg sei, dass alle Deutsch sprechen. Das Forum Bildungspolitik in Bayern fordert:

  • Deutschunterricht durch gut aus- und fortgebildete Fachkräfte
  • mehr Sprachförderung für alle Kinder in Kita und Grundschule
  • Sprachförderung für Eltern mit unzureichenden Deutschkenntnissen
  • Mehrsprachigkeit in der Schule, auch durch zweisprachige Lehrer
  • Anerkennung der Muttersprache als Fremdsprache beim Schulabschluss
  • Aus- und Fortbildung der Pädagogen für die Arbeit in inklusiven Gruppen
  • barrierefreie Bildungseinrichtungen mit Anpassung an spezielle Bedürfnisse
  • einen individuellen Rechtsanspruch auf inklusive Bildung

Bei der Finanzierung von Kitas und Grundschulen liege Bayern weit unterhalb der Bildungsfinanzierung anderer Industrieländer. Um allen Kindern und Jugendlichen gerecht zu werden und soziale Balance und ökonomische Wettbewerbsfähigkeit zu sichern, fordert das Forum Bildungspolitik in Bayern:

  • einen höheren Betreuungsschlüssel in den Kitas
  • eine bessere Lehrer-Schüler-Relation
  • geschultes Personal und eine vertretbare Schülerzahl für Kooperationsklassen
  • Aufstocken der mobilen Lehrerreserve
  • Unterstützung der Lehrer/innen durch pädagogisch-psychologische Experten
  • höhere und rechtzeitige Zuschüsse für Schulen in freier Trägerschaft
  • ausreichend Studienplätze und Lehrpersonal an den Hochschulen für den doppelten Abiturjahrgang

Aus- und Fortbildung von Pädagogen und die Anerkennung ihrer Qualifikation seien nicht zufriedenstellend. "Wenn wir allen Kindern eine Chance geben wollen, brauchen wir die besten Lehrer und Erzieher", sagt Wenzel. Die Studiengänge für die einzelnen Lehrämter seien nicht gleichwertig und die erziehungswissenschaftlichen Anteile bei manchen zu gering. Das Forum Bildungspolitik in Bayern fordert:

  • Unterrichtszeit zum Erwerb sozialer, lernmethodischer und emotionaler Kompetenz
  • mehr sozialpädagogische, schulpsychologische und psychologisch-therapeutische Hilfen
  • mehr wissenschaftliches Personal an den Hochschulen
  • ein duales Studium für Erzieherinnen und Erzieher
  • mehr Fachkräfte in den Kitas
  • Lehrerbildung nach europäischem Standard
  • einen dem Master vergleichbaren Universitätsabschluss für alle Lehrer/innen
  • eine zeitgemäße Aus- und Fortbildung in den pädagogischen Berufen
  • gesellschaftliche Anerkennung und bessere Bezahlung für pädagogische Berufe, um den Nachwuchs zu sichern

Schüler/innen, Studierende, Eltern, Lehrende, und Träger hätten kaum Mitwirkungsrechte. "Damit verzichten die Bildungseinrichtungen auf wertvolle Unterstützung", sagte Wenzel. Das Forum Bildungspolitik in Bayern fordert:

  • mehr Mitsprache der Lehrer/innen, Erzieher/innen, Schüler/innen, Studierenden und Eltern an ihrer Bildungseinrichtung
  • mehr Mitsprache der Lehrer/innen, Erzieher/innen, Schüler/innen, Studierenden und Eltern bei der Organisation der Bildungsangebote in den Bezirken
  • eine finanzielle und rechtliche Stärkung des Landesschülerrats
  • eine verfasste Studierendenschaft in den Hochschulen und auf Landesebene
  • eine gesetzliche Elternvertretung auf Landesebene
  • regionale Schulentwicklung unter Beteiligung aller Betroffenen, die mit den nötigen Kompetenzen ausgestattet werden.

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