Mecklenburg-Vorpommern

Wo Kultur stirbt, stirbt Bildung!

Annett Lindner, Landesvorsitzende der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft erklärt zur aktuellen Situation des Mecklenburgischen Staatstheaters heute:

08.03.2012 Pressemeldung GEW Mecklenburg-Vorpommern

"Was für ein armes Land sind wir doch geworden. Arm an Geist. Nun lassen wir Wirtschaftsprüfer über Kunst entscheiden. Die Sparpläne für das Staatstheater bedeuten Arbeitsplatzverlust für die Kolleginnen und Kollegen und, mit dem Wegfall des Mehrspartentheaters, einen dramatischen kulturellen Verlust für die gesamte Region. Das dürfen wir nicht einfach so hinnehmen und zur Tagesordnung übergehen.

Wo Kultur stirbt, stirbt Bildung! Es ist nicht nur der Besuch im Theater selbst, der schon für die Kleinsten eine große Bereicherung und Erkenntnisgewinn darstellt. Die Künstlerinnen und Künstler sind in der Region zu Hause. Von ihnen profitieren Ganztagsschulen, Vereine, Kunstschulen. Sie beleben mit eigenen Ideen und Vorstellungen das kulturelle Leben der Städte und Dörfer. Ja, der demografische Wandel ist eine Herausforderung! Und ja, man muss vorausschauend haushalten! Doch die Landesregierung muss sich die Frage gefallen lassen, ob sie lieber Geburtshelfer oder Totengräber ist?

Ein Land, in dem sich die Menschen nicht mehr wohlfühlen oder in dem sie keine Arbeit mehr bekommen, ein leeres Land also, braucht keine Autobahnen, keinen Snow-Fun-Park, keine Einkaufsgalerien und auch kein 5-Sterne-Hotel in Heiligendamm, das mit 50 Millionen Euro aus der öffentlichen Hand gefördert wurde.

Wir sollten nicht aus dem Auge verlieren, dass Unternehmensansiedlungen durchaus nach den "soften" Standortfaktoren ihre Entscheidung für oder gegen einen Standort treffen. Auch Junglehrer entscheiden sich meistenteils lieber für Orte, an denen "etwas los" ist. Dies zu berücksichtigen ist ebenfalls Aufgabe der Politik. Wir brauchen ein klares Bekenntnis der Landesregierung zu Mecklenburg-Vorpommern als Standort für Bildung und Kultur!

Den Beschäftigten des Mecklenburgischen Staatstheaters sprechen wir hiermit unsere Solidarität aus und sichern ihnen unsere Unterstützung zu."


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