Gastbeitrag

Zukünftige Profiteure

Maschinelles Lernen ist auf dem Vormarsch und führt zu rasanten Fortschritten – gerade in der Berufswelt. Ein Überblick über Künstliche Intelligenz im Alltag.

19.05.2021 Bundesweit Artikel Prof. Dr. Julia Knopf
  • © www.pixabay.com

Ob Sprachassistenten, Navigationssysteme oder autonome Fahrzeuge – ohne Künstliche - Intelligenz wären diese technologischen Innovationen nicht denkbar. Ziel einer Künstlichen Intelligenz ist es, Menschen bei Entscheidungen und Tätigkeiten verschiedenster Art zu unterstützen, indem sie große Datenmengen von Bildern, Audios oder Texten analysiert, strukturiert und Muster daraus ableitet. Fachleute unterscheiden dabei zwischen schwacher und starker Künstlicher Intelligenz:

Schwache Künstliche Intelligenz
Bei einer schwachen Künstlichen Intelligenz handelt es sich um Algorithmen, die bestimmte Aufgaben auf Basis des Gelernten ausführen können. Zeichen-, Text-, Bild- und Spracherkennung, aber auch automatisierte Übersetzungen und Korrekturvorschläge bei Suchanfragen sind Beispiele für schwache Künstliche Intelligenz.

Starke Künstliche Intelligenz
Starke Künstliche Intelligenz, auch Superintelligenz genannt, ist ein System, das Probleme jeglicher Art lösen kann – unabhängig von der Schwierigkeit. Ziel einer starken Künstlichen Intelligenz ist es, menschliche intellektuelle Fähigkeiten zu erlangen und diese sogar zu übertreffen – ein System, das nicht nur reaktiv, sondern eigeninitiativ handelt. Eine starke Künstliche Intelligenz zeichnet sich vor allem durch logisches Denkvermögen sowie Planungs- und Lernkompetenz aus. Bis heute ist es Wissenschaflern noch nicht gelungen, eine solche Intelligenz zu entwickeln

Künstliche Intelligenz im Alltag

Schon jetzt fndet sich Künstliche Intelligenz in vielen Bereichen des täglichen Lebens wieder:

Streaming-Dienste

Ob Musik- oder Filmvorschläge bei populären Streaming-Diensten wie Spotify oder Netflix – diese Anbieter können dem Nutzer passende Titel vorschlagen, weil eine schwache Künstliche Intelligenz Informationen über das Nutzerverhalten sammelt, täglich dazu lernt und sich so neue Muster erschließt. Das Ergebnis: Eine individuell zugeschnittene Playlist, die dem Musik- und Filmgeschmack der einzelnen Kunden gerecht werden soll.

Soziale Medien

Soziale Plattformen wie Tiktok, Facebook und Instagram setzen Künstliche Intelligenz vor allem zur Nutzeroptimierung und zu Marketingzwecken ein. Anhand verschiedener Parameter lernt eine Künstliche Intelligenz, welche Interessen der jeweilige Nutzer hat. "Gefällt-Mir"-Angaben, Follower oder gespeicherte Favoriten genügen, um ein News-Feed zu erstellen, das auf die individuellen Nutzergewohnheiten zugeschnitten ist.

Gesichtserkennung

Viele Handynutzer entsperren ihr Smartphone nicht mehr mit einer PIN-Eingabe, sondern mithilfe eines integrierten Gesichtserkennungsalgorithmus. Bereits nach einem kurzen Erkennungs-Training ist die Künstliche Intelligenz imstande, das Gesicht des
Nutzers zu identifzieren.

Sprach-Übersetzungen

KI-basierte Übersetzungs-Assistenten sind inzwischen in der Lage, auch kontextsensitive Übersetzungen zu realisieren. Selbst Redewendungen und Sprichwörter übersetzen solche Programme inzwischen fast fehlerfrei.

Künstliche Intelligenz in der Berufswelt

Die Technologie unterstützt auch bereits viele Bereiche der Arbeitswelt:

Recruiting und Kommunikation

Künstliche Intelligenz soll künfig in Vorstellungsgesprächen bei der Einschätzung der Bewerber helfen und wichtige Aussagen über deren Eigenschafen treffen. KI-basierte Sofware analysiert dabei die Kandidaten hinsichtlich ihres Kommunikationsverhaltens und ihrer Persönlichkeit. Auch kann solche Sofware zu Schulungszwecken eingesetzt werden, um Mitarbeitern Feedback zu ihrem Kommunikationsverhalten zu geben. Dabei nimmt sich die Sofware insbesondere der Sprache, Stimme, Gestik und Mimik des Mitarbeiters an, gibt ihm eine Rückmeldung und zeigt produktive Verbesserungsvorschläge auf.

Medizin

Mithilfe von KI-basierter Sofware ist es möglich, Aussagen über künfige Erkrankungen eines Menschen zu treffen. Anhand von computertomografschen Bildern des Brustkorbs soll die intelligente Sofware in einem Zeitfenster von fünf Jahren mit einer Sicherheit von fast 70 Prozent die Erkrankungswahrscheinlichkeit eines Menschen vorhersagen können.

Pharmazie

Die KI-basierte Sofware Atomnet ist in der Lage, Molekularstrukturen von Pharmazeutika zu analysieren. Sie trif auf Basis der gesammelten Daten unter anderem Vorhersagen, wie verschiedene Moleküle miteinander reagieren, was für die Pharmaindustrie von großem Nutzen ist. Auf diese Weise verkürzt sich nicht nur die initiale Testphase neuer Medikamente drastisch, sondern auch die Forschungskosten in der Pharmaindustrie.

Mode

Mit der App Coded Couture werden individualisierte Kleidungsstücke entwickelt, die auf das Daten- und Bewegungsprofl des Nutzers zugeschnitten sind. Die App erfasst eine Woche lang GPS-, Wetter- und Aktivitätsdaten des Nutzers und analysiert diese. Nach der Analyse werden die Daten in ein individuelles Outft, ein sogenanntes Data Dress, übersetzt und erstellt, das dem Nutzerverhalten der App entspricht.

Polizei und Justiz

Das intelligente Sofware-Tool VALCRI soll Polizisten künfig bei der Auflärung von Kriminalfällen unterstützen. Das mühsame und zeitintensive Recherchieren nach ähnlichen Kriminalfällen kann durch KI-basierte Sofware deutlich vereinfacht werden. Innerhalb von Sekunden erhalten Kriminalisten plausible Ermittlungsvorschläge, indem das System in einschlägigen Datenbanken nach Verhören und Dokumenten sucht.

Wie mächtig Künstliche Intelligenz heute schon ist, zeigen die obigen Beispiele. Viele Branchen und Bereiche setzen auf Künstliche Intelligenz, um Arbeitsprozesse zu vereinfachen. Gewiss ist, dass sie neben dem Alltag auch die Arbeits- und Bildungsbranche in Zukunf immer stärker veränder.

Im Überblick:

  • Wissenschaftler unterscheiden schwache und starke Künstliche Intelligenz.
  • Schwache Künstliche Intelligenz unterstützt uns bereits jetzt im Alltag, beispielsweise Übersetzungsprogramme.
  • In Zukunft könnten starke KIs, die selbstständig denken und handeln, Arbeitsprozesse optimieren und erleichtern.

Die Autoren

Prof. Dr. Julia Knopf leitet den Lehrstuhl Fachdidaktik Deutsch Primarstufe und das Forschungsinstitut Bildung Digital an der Universität des Saarlandes. Sie ist Gründungspartnerin der Beratungsunternehmen für digitale Medien KLEE, Kreativ lernen – Erfolg haben, und der Didactic Innovations GmbH.

Jannick Eckle ist Head of Content and Didactic Solutions in der Didactic Innovations GmbH und Lehrbeaufragter am Lehrstuhl Fachdidaktik Deutsch Primarstufe an der Universität des Saarlandes.

Ulrich Storck ist Geschäfsführer der Didactic Innovations GmbH



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