"Weiter leben: Berthold und Trude Simonsohn"

Der Holocaust markiert einen Tiefpunkt deutscher Geschichte. Nur wenige Überlebende entschlossen sich nach 1945 nach Deutschland zurückzukehren und trotz aller erduldeter Qualen hier zu leben. Trude und Berthold Simonsohn gehörten dazu; sie zogen in den frühen sechziger Jahren nach Frankfurt: Ihnen ist eine Veranstaltung am Montag, 21. Januar 2007, um 17 Uhr in der Caligari Filmbühne in Wiesbaden gewidmet. Wenige Tage vor dem Holocaust-Gedenktag am 27. Januar werden damit zwei engagierte Mitbürger gewürdigt, die sich aktiv in die bundesdeutsche Nachkriegsgesellschaft eingebracht haben und nicht müde wurden, mahnend an die Schrecken des Holocaust zu erinnern.

17.01.2008 Hessen Pressemeldung Hessisches Ministerium für Wissenschaft und Kunst

Eröffnet wird der Abend vom Staatssekretär im Hessischen Ministerium für Wissenschaft und Kunst, Prof. Dr. Ralph Alexander Lorz. Gezeigt wird ein Filmportrait, das die Frankfurter Filmemacherin, Buchautorin, Schauspielerin und Diseuse Carmen Renate Köper-Eschberg 1995 unter dem Titel "Trude Simonsohn – Warum hab ich überlebt?" über Trude Simonsohn gemacht hat; danach stellt Wilma Aden-Grossmann, Pädagogikprofessorin an der Universität Kassel, ihr 2007 erschienenes Buch "Berthold Simonsohn - Biographie des jüdischen Sozialpädagogen und Juristen" vor. Jeweils im Anschluss an beide Programmpunkte steht Trude Simonsohn gemeinsam mit den Autoren unter der Leitung des Mannheimer Historikers Prof. Dr. Peter Steinbach, dem wissenschaftlichen Leiter der Gedenkstätte Deutscher Widerstand in Berlin, zum Gespräch zur Verfügung.

Trude Simonsohn, 1921 im nordmährischen Olmütz geboren, setzte sich in der zionistischen Jugendbewegung für die Auswanderung und damit für die Selbsterhaltung der Juden in einem eigenen, unabhängigen Land ein. Trotz des Verbots durch den NS-Staat arbeitete sie als Zionistin illegal weiter, wurde nach dem Attentat auf Reinhard Heydrich verhaftet und nach Theresienstadt und Auschwitz verschleppt. Sie wurde nach dem Ende der NS-Gewaltherrschaft eine der bedeutenden Persönlichkeiten der Jüdischen Gemeinde in Frankfurt. Sie berichtet bis heute als Zeitzeugin Jugendlichen in ganz Deutschland über ihr Überlebendenschicksal und engagiert sich für die Erinnerung an ihre ermordeten Leidensgefährten beispielsweise im Beirat der Frankfurter Jugendbegegnungsstätte Anne Frank und als Sprecherin des Überlebendenbeirats des Fritz-Bauer-Instituts. Das Land Hessen dankte ihr für ihr vielfältiges Engagement mit der Wilhelm-Leuschner-Medaille.

Berthold Simonsohn wurde 1912 in Bernburg an der Saale geboren und starb 1978 in Frankfurt. Als demokratischer Sozialist und Zionist bekämpfte er die Nationalsozialisten schon vor 1933, als Jude wurde er während des Nationalsozialismus nach Theresienstadt deportiert und überlebte fünf Konzentrationslager. Er kehrte nach Deutschland zurück und baute die Zentralwohlfahrtsstelle für Juden wieder auf, die er bis 1961 leitete. Als Professor für Sozialpädagogik und Jugendrecht an der Universität Frankfurt setzte er sich für die Reform des Jugendrechts und des Jugendstrafvollzugs ein. Er gehört damit zu jenen Überlebenden und Rückkehrern, die nach 1945 die Gesellschaft der Bundesrepublik Deutschland maßgeblich mit gestalteten.

Der Film über Trude Simonsohn wird ab 17 Uhr gezeigt; der Eintritt zu dieser Veranstaltung kostet fünf Euro, ermäßigt drei Euro. Die Autorenlesung beginnt um 19.30 Uhr; der Eintritt dazu ist frei.

Die Veranstaltung findet im Rahmen der Wiesbadener Reihe zum Holocaust-Gedenktag statt; Veranstalter sind das Forum Wissenschaft+Kunst des Hessischen Ministeriums für Wissenschaft und Kunst, das Deutsche Filminstitut – DIF, die Caligari Filmbühne und die Hessische Landeszentrale für politische Bildung.


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