12,5 Million Schüler hoffen auf ein Ende der Kleinstaaterei in der Bildung
Annette Schavan, mögliche Bildungsministerin in einem CDU-Kabinett, sprach sich heute in einem SZ-Interview für eine Weiterführung der förderalistischen Bildungspolitik aus. Für 12,5 Millionen Schüler in Deutschland wäre das eine Katastrophe.
05.08.2005 PressemeldungSchulische Bildung ist ein Kernbereich des deutschen Föderalismus. In der Bildungspolitik hat jedes Bundesland das Sagen, der Bund hat praktisch keine gesetzgeberischen Rechte. Besonders betroffen sind die lernwilligen Schüler, die aufgrund eines nicht selbst verschuldeten Handicaps zum Spielball der Politik werden. 4 Prozent aller Schüler haben trotz mindestens durchschnittlicher Begabung eine Legasthenie (Lese-Rechtschreibstörung). Noch mal so viele kämpfen mit einer Dyskalkulie (Rechenstörung). Weltweit - außer in Deutschland - sind diese Störungen als Krankheit anerkannt. Diese knapp eine Million Betroffenen und deren Familien können nur bedingt einen Schulwechsel von einem Bundesland in ein anderes in Kauf nehmen.
Die Kultusministerkonferenz (KMK) hat im Dezember 2003 eine Empfehlung im Umgang von Kindern mit Lese-Rechtschreibschwierigkeiten ausgesprochen. Dennoch ist es der KMK nicht gelungen, die Kleinstaaterei aufzuheben. 16 unterschiedliche schulische Vorschriften zum Umgang mit legasthenen Kindern sind daraus hervorgegangen und verhindern eine einheitliche Regelung, die der Behinderung der betroffenen Schüler gerecht wird. Ein bundsweit gleicher Schulweg ist unmöglich. Die Gleichheit der Bildungschancen ist nicht gewährleistet. Nach Art. 3 Abs. 3 S. 2 GG. darf niemand wegen seiner Behinderung benachteiligt werden. Unsere föderalistische Bildungspolitik verstößt gröblich gegen diesen Grundsatz und es ist es ist zu hoffen, dass dem bald ein Ende gesetzt wird!
Der Bundesverband Legasthenie und Dyskalkulie e. V. (BVL) fordert daher die Politik auf, endlich eine Einheitlichkeit des Bildungswesens zu erreichen. Der Aufruf an die künftige Bildungspolitik lautet also: Schluss mit der Kleinstaaterei in der Bildung! Gebt den insgesamt 12.5 Millionen Schülern und deren Eltern endlich eine Chance auf adäquate und einheitliche Bildung.
Gerade im Kampf um Wählerstimmen für die kommende Bundestagswahl sollte die Frage um die Entwicklung von Durchlässigkeit und Vereinbarkeit der Bildung ein außerordentlich wichtiges Thema sein, um unsere internationale Wettbewerbsfähigkeit nicht weiter zu schwächen.
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