Die Ganztagsschule - bei Eltern beliebtes großes Schulentwicklungsprojekt

"Die Ganztagsschule in Angebotsform wird immer deutlicher zum Schrittmacher in der Diskussion über die Weiterentwicklung von Schulgestaltung insgesamt und von Lehr- und Lernkultur." Dieses Fazit zog Bildungsministerin Doris Ahnen aus der heute in Mainz vorgestellten neuen Studie zur Ganztagsschule in Rheinland-Pfalz, die das Münchener Politik- und Sozialforschungsinstitut POLIS durch die Befragung von mehr als 1550 Eltern aus 32 neuen Ganztagsschulen im Land erstellt hat.

17.05.2004 Rheinland-Pfalz Pressemeldung Ministerium für Bildung, Wissenschaft, Jugend und Kultur, Rheinland-Pfalz

Zur Evaluation von Schule leiste auch die Rückkopplung von Erwartungen an Schule und den Ergebnissen schulischen Handelns seitens der Eltern einen wichtigen Beitrag. "Mit der zweiten POLIS-Studie zur Ganztagsschule innerhalb von zwei Jahren haben wir nicht nur fundierte Aussagen darüber in der Hand, wie das Konzept ankommt. Sie liefert uns vor allem – wie schon die erste Befragung – auch konkrete Ansatzpunkte für die Weiterentwicklung der Ganztagsschule", unterstrich die Bildungsministerin. Die zentralen Ergebnisse der Studie beschrieb POLIS-Geschäftsführerin Hilde Utzmann so: "Die Attraktivität der neuen Ganztagsschulen in Rheinland-Pfalz ist ungebrochen und die Zufriedenheit wächst mit der Dauer des Schulbesuchs der Kinder. Im Katalog der Eltern steht neben der Hilfe bei Hausaufgaben eine intensivere und differenziertere Förderung für leistungsschwächere Schülerinnen und Schüler ganz oben."

Wenn jeweils etwa drei Viertel aller Eltern sich mit der Organisation und dem zusätzlichen pädagogischen Angebot der neuen Ganztagsschulen "sehr zufrieden" oder "zufrieden" zeigten, so sei dies ein großes Lob für die mittlerweile 163 Ganztagsschulen und vor allem für deren Schulleitungen und Kollegien, sagte die Bildungsministerin. Nur vier von 100 Eltern zeigten sich mit dem pädagogischen Zusatzangebot ausdrücklich unzufrieden. "Sehr erfreulich ist auch, dass bei den Eltern aus bereits 2002 befragten Ganztagsschulen der Anteil derjenigen, die im Nachhinein die Entscheidung für die Ganztagsschule als ,richtig? oder ,zum Großteil richtig? bezeichnen, von 77 Prozent 2002 auf 82 Prozent 2004 noch weiter gestiegen ist", setzte Doris Ahnen hinzu. Insgesamt hätten bei der jüngsten Befragung 74 Prozent aller Eltern diese beiden Bewertungskategorien angekreuzt.

Utzmann: Erwartungen der Eltern weitgehend erfüllt

POLIS-Geschäftsführerin Hilde Utzmann hob besonders einige zentrale Ergebnisse zur inhaltlichen und organisatorischen Ausgestaltung hervor. Die Zufriedenheit mit der organisatorischen Ausgestaltung der Ganztagsschule beziehe sich auf die beiden grundsätzlich möglichen Formen, so die Wissenschaftlerin. Die "additive" Form – hier läuft vormittags für alle Schülerinnen und Schüler Unterricht, der Nachmittag wird für die Ganztagsschulkinder insbesondere mit Hausaufgabenhilfe und verschiedenen pädagogischen Zusatzangeboten gestaltet – erhalte Zustimmung von 79 Prozent der Eltern, deren Kinder solche Schulen besuchen. Die Organisation in eigenen Ganztagsschulklassen, die eine rhythmisierte Verteilung von Unterrichts- und sonstigen Lernphasen ermögliche, werde sogar von 88 Prozent der Eltern für gut befunden.

Die zweite POLIS-Studie habe die Erkenntnis des Jahres 2002 bestätigt, dass pädagogische Hilfestellungen bei den Hausaufgaben von den Eltern als Herzstück der Ganztagsschule betrachtet würden. An Bedeutung gewonnen hätten gegenüber 2002 die Förderangebote für bestimmte Fächer sowie für besondere Begabungen. "Die pädagogischen Chancen stehen nach zwei Jahren Erfahrung mit dem rheinland-pfälzischen Ganztagsschulkonzept offenkundig für die Eltern noch stärker im Vordergrund als in der Startphase", stellte Hilde Utzmann fest. Aus wissenschaftlicher Sicht erstaunlich sei die hohe Übereinstimmung zwischen dem Wichtigkeitsgrad, der einzelnen pädagogischen Zusatzangeboten zugemessen werde, und dem Grad an Zufriedenheit mit diesen Angeboten. Bei den Förderangeboten für bestimmte Fächer liege die Zufriedenheit leicht unter dem Wert in der Wichtigkeitsskala, bei Förderangeboten für besondere Begabungen, Angeboten zur Freizeitgestaltung und Projekten aber sei die Zufriedenheit der Eltern größer als die diesen Themen zugemessene Bedeutung.

"Welche Erfolge die Ganztagsschulen haben, zeigt sich auch an den Antworten auf die Hauptauswirkungen für die Eltern", sagte die POLIS-Geschäftsführerin. Die mit Abstand meisten Nennungen entfielen – wie übrigens schon 2002 – auf die Aussagen "Die Hausaufgabenhilfe entlastet mich" und "Die Ganztagsschule wirkt sich positiv auf die Entwicklung meines Kindes/meiner Kinder aus". Das bedeute nicht, dass die Eltern keinerlei Verbesserungswünsche für das bisherige Angebot der neuen Ganztagsschulen hätten, so Hilde Utzmann. An erster Stelle stehe dabei der Wunsch nach "mehr Förderunterricht für leistungsschwächere Schülerinnen und Schüler", gefolgt von "mehr Hilfe bei den Hausaufgaben" und "besseres oder ausgewogeneres Mittagessen".

Ahnen: Ganztagsschule ist Motor der Schulentwicklung

Bildungsministerin Ahnen freute sich sehr über die positiven Ergebnisse der Studie, unterstrich aber zugleich, auch die Erkenntnisse aus dieser POLIS-Studie lieferten wichtige Ansatzpunkte für die weitere Schulentwicklung. "Nach der ersten POLIS-Studie haben wir zum Beispiel ganz gezielt die Frage der Hausaufgaben aufgegriffen. Die im November 2003 dazu durchgeführte landesweite Fachtagung hat dann nicht nur wichtige Hinweise für die Konzeption von Hausaufgaben in Ganztagsschulen gegeben, sondern auch eine Diskussion über die Hausaufgabengestaltung allgemein in den Schulen ausgelöst", unterstrich Doris Ahnen. In drei regionalen Tagungen – in Speyer, Daun und Vallendar – werde diese Debatte im Juni fortgeführt. "Es geht darum, diese Lern- und Übungszeit noch stärker als bisher als individuelle Förderung der Schülerinnen und Schüler zu gestalten." Da auch das in die Zuständigkeit der Schulträger fallende Mittagessen immer wieder für Gesprächsstoff sorge, seien in Kooperation mit dem Bundesministerium für Verbraucherschutz, Ernährung und Landwirtschaft allen Ganztagsschulen Informationen für eine gesunde und ausgewogene Ernährung zugegangen. Das auch von den Eltern in der jetzigen Umfrage hoch bewertete Thema "Förderung" werde bei einem Kongress unter dem Arbeitstitel "Fördern in der Ganztagsschule" am 7. Oktober weiter bearbeitet, kündigte die Ministerin an.

Dabei werde es insbesondere um die Umsetzung neuer Lehr- und Lernformen zum einen zur Unterstützung von leistungsschwächeren Schülerinnen und Schülern, zum anderen aber auch zur Förderung besonderer Begabungen gehen. Ebenfalls im Herbst seien zudem zwei Tagungen in Zusammenarbeit mit der Deutschen Kinder- und Jugendstiftung (DKJS) geplant, bei denen die Hälfte der Teilnehmer aus der Schülerschaft von Ganztagsschulen kommen solle. "Ziel dieser Tagungen ist es, Wege aufzuzeigen, wie Schülerinnen und Schüler sowohl an der Ausgestaltung der Ganztagsschule auf der Angebotsseite als auch an der konzeptionellen Weiterentwicklung stärker beteiligt werden können", betonte Doris Ahnen und ergänzte: "Dies alles zeigt: Die Ganztagsschule ist wirklich ein Motor in der Schulentwicklung."

Die Ganztagsschule in Rheinland-Pfalz aus der Sicht der beteiligten Eltern. - Ergebnisse einer Wiederholungsbefragung (PDF)


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