Kritik am Chancenspiegel

Positive Entwicklungen nicht berücksichtigt

Das Kultusministerium nimmt die Erhebung des heute vorgestellten Chancenspiegels der Bertelsmann-Stiftung durchaus ernst. Allerdings basieren die Schlussfolgerungen auf Datenmaterial aus dem Jahr 2012 und sind deshalb nur bedingt aussagekräftig. Die aktuelle Situation und die positiven Entwicklungen im Land Sachsen-Anhalt werden dabei nicht ausreichend berücksichtigt.

11.12.2014 Pressemeldung Kultusministerium des Landes Sachsen-Anhalt

Ganztagsschulen

Bei den Ganztagsangeboten muss sich das Land Sachsen-Anhalt keineswegs verstecken. Das Problem liegt hier in Zählweise der Studie, die vorhandene Angebote im Land nicht mit berücksichtigt. So besteht für alle Schülerinnen und Schüler der Primarstufe durch die Grundschule mit verlässlichen Öffnungszeiten und den Anspruch auf einen Hortplatz ein ganztägiges Bildungs- und Betreuungsangebot. Das wird inzwischen auch von der Kultusministerkonferenz (KMK) entsprechend anerkannt. In einer Erklärung zu der KMK-Statistik ist das mit aufgenommen worden. Dort heißt es: "In Sachsen-Anhalt gibt es nahezu an allen Grundschulstandorten schulbezogene Ganztagsangebote, die von 41.738 Schülerinnen und Schülern genutzt werden. Das sind etwa 68 Prozent aller Schülerinnen und Schüler der Grundschulen im Schuljahr 2012/13."

Zudem erhielten zum Schuljahr 2014/15 acht weitere Schulen im Land Sachsen-Anhalt eine Genehmigung als Ganztagsschule. Insgesamt arbeiten seit diesem Schuljahr 109 öffentliche Schulen als Ganztagsschulen. Im nächsten Jahr soll es zudem weitere Mittel für Ganztagsangebote geben.

Abschlüsse

Anders als im Chancenspiegel dargestellt, liegt die Quote der Schulabgänger ohne Hauptschulabschluss nicht mehr bei 11,6 Prozent. So konnte die Quote zuletzt im Schuljahr 2012/2013 auf 9,8 Prozent gesenkt werden. Noch deutlicher wird es, wenn die am ESF-Programm gegen Schulversagen beteiligten Sekundarschulen betrachtet werden: Allein hier ging die Zahl der Schulabbrüche auf 5,6 Prozent zurück (im Schuljahr 2012/2013). Dieses Programm wird lückenlos fortgesetzt und in der neuen Förderperiode weiter ausgebaut. Auch die Zahl der Jahrgangswiederholer (Sitzenbleiber) hat sich in den letzten Jahren weiter verringert, hier gab es einen großer "Sprung" im letzten Schuljahr von 4,5 Prozent (2012/13) auf 2,7 Prozent (2013/14) an den Sekundarschulen. An Gymnasien betrug die Wiederholerquote lediglich 1,4 Prozent.

Inklusion

Der Gemeinsame Unterricht wurde in Sachsen-Anhalt kontinuierlich ausgebaut. In den vergangenen Jahren ist die Inklusionsquote von 16,8 Prozent im Schuljahr 2010/11 auf jetzt aktuell 31 Prozent (Schuljahr 2014/15) gestiegen und liegt damit im Bundesdurchschnitt. An 83 Prozent aller öffentlichen Grundschulen, an 94 Prozent der weiterführenden Schulen der Sekundarstufe I und an ca. 60 Prozent der Gymnasien Sachsen-Anhalts wird heute gemeinsamer Unterricht erteilt. Das Land wird diesen Weg weiterhin mit Augenmaß fortsetzen. Es geht hier auch nicht um Schnelligkeit und Quoten, sondern um das Gelingen.

Kompetenzförderung

Ländervergleichsstudien haben Sachsen-Anhalt zuletzt sehr gute Ergebnisse attestiert. Bei der IQB-Studie zu den Bildungsstandards in den Naturwissenschaften belegten die Neuntklässler aus Sachsen-Anhalt in Mathematik den 5. Platz, in Biologie Platz 4 und in Physik Platz 3. Im Fach Chemie konnten unsere Schülerinnen und Schüler sogar den 2. Platz erringen. In allen vier Fächern lagen die erreichten Ergebnisse und Kompetenzstände der sachsen-anhaltischen Schülerinnen und Schüler signifikant über dem deutschen Gesamtdurchschnitt.

Auch beim letzten Ländervergleich von Grundschülern im Jahr 2012 schnitt das Land Sachsen-Anhalt hervorragend ab. Die Schülerinnen und Schüler an den Grundschulen in Sachsen-Anhalt gehörten damals zu den Gewinnern dieses Ländervergleichs. Nach Bayern und Sachsen belegen sie sowohl beim Lesen als auch in Mathematik jeweils den dritten Platz unter den 16 Ländern.

Chancengerechtigkeit

Aber damit wollen wir uns nicht zufrieden geben. Sachsen-Anhalt arbeitet weiter daran, die Chancengerechtigkeit und die Durchlässigkeit im Bildungssystem zu verbessern. Dazu dient unter anderem der Ausbau der Ganztagsbetreuung. Mit der Einführung der neuen Schulform der Gemeinschaftsschule im Jahr 2013 leistet das Land zudem einen wichtigen Beitrag, um den Schülerinnen und Schülern durch das längere gemeinsame Lernen die Chance auf den höchstmöglichen Schulabschluss zu eröffnen. Inzwischen gibt es im Land 22 Gemeinschaftsschulen, im nächsten Schuljahr werden weitere folgen.


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