Nordrhein-Westfalen

Schulpolitik à la Bertelsmann

Es ist ermüdend: Nun konstatiert die soundsovielte Studie aus dem Hause Bertelsmann, dass Bildungserfolg stark von der sozialen Herkunft abhängt. Als Ergebnis aus dem "Chancenspiegel" wird nun wieder eine Gerechtigkeitslücke konstatiert. Denn Neuntklässler aus höheren Sozialschichten haben in Mathematik bis zu zwei Jahre Vorsprung vor ihren Klassenkameraden aus bildungsferneren Familien, wie es in der Studie heißt.

11.12.2014 Pressemeldung lehrer nrw

Dieses vermeintliche Gerechtigkeitsdefizit ist natürlich auch der Politik nicht entgangen, die solche Bertelsmann-Steilvorlagen gern aufnimmt, um mehr Gerechtigkeit herzustellen. "Darum werden Bildungsstandards angepasst – und zwar nach unten", kritisiert Brigitte Balbach, Vorsitzende von lehrer nrw. "So haben alle bessere Noten, können aber weniger. Es ist ja frappierend, dass Deutschland sich im PISA-Ranking verbessert, während Ausbildungsbetriebe gleichzeitig über gravierende Defizite ihrer Bewerber klagen und Hochschulen über mangelnde Studierfähigkeit der Abiturienten."

Ein starkes Stück ist es, wenn der Vorstand der Bertelsmann Stiftung, Jörg Dräger, moniert, dass das "Doppelsystem" aus Förderschulen und Regelschulen fast fünf Prozent aller Schüler vom Regelschulsystem ausschließt. Obendrein binde dies laut Dräger wichtige Ressourcen, die für inklusiven Unterricht in den Regelschulen gebraucht würden. "Im schönsten Doppelpass mit der Landesregierung werden auf diese Weise Förderschulen diskreditiert. Es ist unerträglich, wie Bertelsmann seine Studien nutzt, um Schulpolitik nach eigenem Gusto zu machen", so Balbach. "Wenn es wirklich um Chancengerechtigkeit geht, müssen die Förderschulen erhalten bleiben. Sie bieten Rahmenbedingungen und Fördermöglichkeiten, die Regelschulen nicht haben. Viele Kinder brauchen einen solchen Schonraum – und viele Eltern wünschen ihn ausdrücklich."

Ansprechpartner

lehrer nrw

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