"Schluss mit der Rest-Hauptschule!"
"Die Hauptschule als Restschule eines negativen Ausleseprozesses ist nicht reformierbar", kommentiert Oskar Brückner, Vorsitzender der GEW Bayern, die derzeitige Diskussion. In Bayern werden die Zahlen der Hauptschüler bis 2020 um rund ein Drittel zurückgehen – in Ober- und Unterfranken sogar um jährlich 11%. Und weiter: "Da reicht es nicht, die Berufsfähigkeit der Hauptschüler verbessern zu wollen, indem Praxisanteile des Unterrichts auf Kosten der Allgemeinbildung ausgeweitet werden. Das Problem ist und bleibt das selektive Bildungssystem in Bayern."
31.10.2006 Bayern Pressemeldung GEW BayernNach einer Studie des Max-Planck-Instituts ist an 16% der deutschen Hauptschulen aus strukturellen Gründen kein Unterricht mehr möglich: Eine Wiederholerquote von 50%, Gewalt als alltägliches Phänomen und schwierige soziale Milieus im Elternhaus wirken sich schädlich auf Motivation und Leistungsbereitschaft der Kinder und Jugendlichen aus. Alle Bildungsstudien belegen, dass das gegliederte Schulsystem nicht in der Lage ist, herkunftsbedingte Benachteiligungen der Kinder auszugleichen. Auch der ´Bildungsbericht Bayern´, von Kultusminister Schneider selbst in Auftrag gegeben, bestätigt den engen Zusammenhang zwischen sozialer, ethnischer sowie sogar der regionalen Herkunft und dem Schulerfolg.
Nach Ansicht der GEW steht die gnadenlose Selektion durch den enormen Leistungs- und Zeitdruck ab der 3. Klasse in direktem Widerspruch zum Prinzip der individuellen Förderung, die jedem Kind sein eigenes Lerntempo belässt. Brückner: "Auch wenn Minister Schneider nicht müde wird zu betonen, die individuelle Förderung würde ausgebaut, erkennen wir in Bayern keinerlei konzeptionelle, an den Schulen verankerte individuelle Förder- und Unterstützungssysteme."
Die GEW tritt seit Jahren für eine grundlegende Reform des Schulsystems ein. Erfreulicherweise haben einige Bundesländer die Weichen in die richtige Richtung gestellt und setzen auf die Einrichtung von Gemeinschaftsschulen - zuletzt Schleswig- Holstein, Sachsen und jetzt Berlin. Oskar Brückner: "Wann wird sich Bayern endlich von der Ideologie des 19. Jahrhunderts lösen und in seinem Bildungssystem die gegenwärtigen wissenschaftlichen Erkenntnisse berücksichtigen? Die GEW fordert ein Ende der Flickschusterei und stattdessen eine konsequente Frühförderung, den Ausbau von Krippenplätzen, einen gebührenfreien dreijährigen Kindergarten mit individuellen Bildungs- und Erziehungsplänen sowie dessen Fortführung in einer ganztägigen Gemeinschaftsschule für alle Kinder bis zum mittleren Abschluss. Wer eine Weiterentwicklung des Schulsystems beharrlich verweigert, dem können best mögliche und gleichberechtigte Bildungschancen für alle jungen Menschen nicht am Herzen liegen."
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