Arbeitgeber fordern Gratis-Vorschule

(bikl) Die deutsche Wirtschaft fordert frühere und bessere Bildung für den Nachwuchs. „Der Kindergarten muss zur Basis und zur ersten Stufe des Bildungssystems werden", sagte Peter Clever, Mitglied der Hauptgeschäftsführung des Arbeitgeberverbands BDA, in Berlin.

11.08.2006 Artikel

Dort hat die Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände gestern das BDA-Positionspapier „Bessere Bildungschancen durch frühe Förderung“ vorgestellt und einen verbindlichen Bildungs- und Erziehungsplan mit überprüfbaren Lernstandards bereits für den Kindergarten gefordert. Im Mittelpunkt müsse die Stärkung der Grundkompetenzen der Kinder stehen: eine gezielte Sprachförderung, der erste Umgang mit Zahlen, Relationen und Naturphänomenen, die Entwicklung der Grob- und Feinmotorik durch sportliche Aktivitäten sowie die Beschäftigung mit Musik und Kunst zur Förderung der Kreativität. Notwendig sei mindestens ein obligatorisches Vorschuljahr, das folgerichtig auch gebührenfrei sein müsse.

Die Arbeitgeber fordern außerdem eine verbesserte Aus- und Fortbildung der Erzieherinnen. Für die Leiterinnen halten sie ein wissenschaftliches, aber praxisnahes Hochschulstudium und für die weiteren Mitarbeiterinnen eine hochwertige Ausbildung an der Fachschule für angemessen.

Wer zahlt?

Die Finanzierung dieses „neu verstandenen Bildungsauftrags des Kindergartens“ wollen die Arbeitgeber „nicht alleine den Eltern“ aufbürden. Zur Finanzierung der Reformen könnten Umschichtungen und das Ausschöpfen von Effizienzreserven innerhalb des Bildungssystems einen beträchtlichen Beitrag leisten, auch Teile der Familienförderung müssten einfließen.

Teure "Reparaturmaßnahmen" vermeiden

Im internationalen Vergleich würden in Deutschland wenig öffentliche Mittel in die ersten, grundlegenden Bildungsjahre junger Menschen investiert, aber viel in Oberstufe und Studium. Der private Finanzierungsanteil liege an den deutschen Kindergärten deutlich über dem OECD-Durchschnitt, an den Hochschulen mache er dagegen weniger als die Hälfte des OECD-Durchschnitts aus. Das Bildungssystem, so die Arbeitgeber, müsse finanziell „vom Kopf auf die Füße“ gestellt und dieses Verhältnis umgedreht werden. Denn auf lange Sicht würden teure Reparaturmaßnahmen zum Ausgleich von Bildungs- und Verhaltensdefiziten, die heute jeder vierte Schüler aufweise, durch einen besseren Start der Kinder vermieden.

Link

BDA-Positionspapier (pdf)


Schlagworte

Keine Kommentare vorhanden

Sie sind derzeit nicht angemeldet. Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich vorab bei uns registrieren. Alternativ können Sie sich über Ihren Facebook-Account anmelden.
Anmelden