Betreuung, Erziehung und Bildung für alle

(bikl) Ein anspruchsvolles Ziel hat die Bundesministerin für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, Renate Schmidt heute formuliert: "Deutschland soll zu einem der kinderfreundlichsten Länder in Europa werden." Dass bis dahin neben dem politischen Willen in erster Linie Geld notwendig ist, macht der heute veröffentlichte 12. Kinder- und Jugendbericht deutlich.

25.08.2005 Artikel

"Deutschland hat mit Blick auf sein öffentliches Bildungs-, Betreuungs- und Erziehungsangebot einen unübersehbaren Nachholbedarf", heißt es dort. Zu lange und zu einseitig habe die ehemalige Bundesrepublik nahezu ausschließlich auf Familie und Schule als den fraglos gegebenen Stützpfeilern von Kindheit und Jugend gesetzt. "Dabei war die Familie vor allem für die Betreuung und Erziehung der Kinder, die Schule für die Bildung verantwortlich."

Schule: Mehr Erziehung

Bildung, Erziehung und Betreuung müssen Kindern aller Altersstufen zugänglich sein", so lautet die zentrale Aussage der siebenköpfigen Kommission unter Leitung des Direktors des Deutschen Jugendinstituts, Prof. Dr. Thomas Rauschenbach. Überholt sind demnach die bisherige strikte Trennung, nach der Bildung vorrangig Ziel der Schulen ist und Betreuung in den Bereich Kindergarten gehört. "In Zukunft muss Schule mehr Betreuung und Erziehung leisten; Kindergärten und Krippen müssen sich stärker um Bildung kümmern", so Rauschenbach.

Kindergärten für Zweijährige

So sollen Kindergärten nicht erst Dreijährigen offen stehen, sondern bereits Zweijährige aufnehmen. Vor allem in Westdeutschland müsse die Kinderbetreuung deutlich ausgebaut werden. Allein dafür setzt die Kommission Kosten von 2,7 Milliarden Euro jährlich an. Auch sollten die Kindergartengebühren mittelfristig abgeschafft werden.

Anspruchsvollere Ganztagsschulen

Auch im Schulbereich sieht die Kommission umfassenden Reformbedarf: Die notwendige Ganztagsschule dürfe "keine Verlängerung der bisherigen Unterrichtsschule" sein. Lehrer müssten, unterstützt von Sozialarbeitern, mehr Betreuungsaufgaben übernehmen. Sinnvoll seien "längere Präsenzzeiten von Lehrkräften in der Schule" sowie die Einrichtung von persönlichen Arbeitsplätzen für Lehrer. Die Personalkosten solcher Ganztagsschulen würden etwa dreißig Prozent über denen heutiger Schulen liegen.

Längere Grundschulzeit

Die Kommission plädiert außerdem für eine Senkung des EInschulungsalters. Derzeit liegt das Alter der Schulanfänger bei 6,7 Jahren; es soll allmählich auf 6,0 Jahre gesenkt werden. Dass in den meisten Bundesländern bereits nach der vierten Klasse die Entscheidung für die weiterführende Schule fällt, hält die Kommission ebenfalls für fragwürdig - anzustreben sei eine Verlängerung der Grundschulzeit wie in den meisten europäischen Nachbarländern.

Ausbildung verändern

Die Veränderungen im schulischen und vorschulischen Bereich haben auch Auswirkungen auf die Ausbildung von Erziehern und Lehrern. So soll das Leitungspersonal von Kindergärten auf Hochschulniveau ausgebildet werden und Lehrer müssten an den Universitäten stärker auf ihre Tätigkeiten als Erzieher und Betreuer vorbereiten werden.

Lob für Ganztagsschulprogramm

Neben allen Forderungen verteilte die Kommission auch Lob: "Mit den in den letzten zehn Jahren angestoßenen Reformen - Kindergartenrechtsanspruch, Tagesbetreuungsausbaugesetz und Ganztagsschulprogramm - wird damit erstmalig in Deutschland ein durchgehendes Bildungs-, Betreuungs- und Erziehungsangebot für Heranwachsende bis zum 14", heißt es in dem Bericht.

Der Kinder- und Jugendbericht wird einmal pro Legislaturperiode erarbeitet und entstand diesmal in einer Kommission mit sieben Mitgliedern unter Leitung des Direktors des Deutschen Jugendinstituts, Prof. Dr. Thomas Rauschenbach. Der Bericht wurde heute offiziell von Familienministerin Renate Schmidt in Berlin vorgestellt.

Weitere Infos:

Presse-Service: Bundesministerin Renate Schmidt und Kommissionsvorsitzender Prof. Dr. Rauschenbach stellen 12. Kinder- und Jugendbericht vor
12. Kinder- und Jugendbericht zum Download (im .pdf-Format).


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