Kongress

Bewegte Vielfalt von Anfang an

Jonglage, Rhythmus, Tanz, Artistik - mit bewegten und bewegenden Künsten des "Kinderzirkus Luftikus" der Grundschule Bissendorf ist vor 3.000 TeilnehmerInnen der 9. Kongress "Bewegte Kindheit" in der OsnabrückHalle fröhlich und farbenfroh eröffnet worden.

20.03.2015 Pressemeldung nifbe - Niedersächsisches Institut für frühkindliche Bildung und Entwicklung

Der gemeinsam von Universität Osnabrück und dem Niedersäch-sischen Institut für frühkindliche Bildung und Entwicklung (nifbe) veranstaltete und seit Wochen ausgebuchte Kongress ist bundesweit die größte und renommierteste Veranstaltung zur frühkindlichen Bildung und Entwicklung. Über drei Tage stehen mehr als 150 Vorträge, Seminare und Workshops auf dem Programm. Im thema-tischen Fokus des diesjährigen Kongresses stehen die Inklusion, die Sprachbildung sowie die Arbeit mit Kindern unter drei Jahren.

"Fahrplan Kita-Qualität!"

Staatssekretär Dr. Rolf Kleindiek aus dem Familienministerium dankte zum Auf-takt den pädagogischen Fachkräften in KiTa und Grundschule für ihre "tagtägliche Höchstleistung". Er bezeichnete die frühkindliche Bildung als "politisches Schlüs-selthema" und forderte im Hinblick auf die zurzeit laufenden Tarifverhandlungen eine bessere Bezahlung von ErzieherInnen. Im Hinblick auf die Inklusion stellte Kleindiek heraus, dass diese zunächst einmal eine Haltung voraussetze, die jedem Kind ein Recht auf Bildung und Teilhabe einräume. Inklusion brauche aber auch entsprechende Rahmenbedingungen und hier unterstütze der Bund durch ein neu-es Investitionsprogramm, mit dem auch die Ausstattung in KiTas gefördert werden könne. Gemeinsam mit den Ländern habe der Bund sich desweiteren auf einen gemeinsamen "Fahrplan Kita-Qualität" geeinigt. Ziel sei es, allen Kindern bun-desweit die gleichen Entwicklungs- und Bildungschancen zu bieten und damit zur Chancengerechtigkeit beizutragen. "Am Ende", so Kleindiek, " profitiert die ganze Gesellschaft von guter Bildung von Anfang an!"

Universitätspräsident Prof. Dr. Wolfgang Lücke unterstrich in seiner Begrüßung die hohe gesellschaftspolitische Bedeutung der Forschung im frühkindlichen Be-reich. Mit dem an der Universität angesiedeltem nifbe habe das Land Niedersach-sen 2007 ein "Zentrum für frühkindliche Forschung und Transfer geschaffen", das bundes- und europaweit einzigartig sei. In diesem Sinne sei Osnabrück "ein her-ausragender Standort für die frühkindliche Bildung und Entwicklung" und der Kon-gress "Bewegte Kindheit" ein exemplarisches Beispiel dafür.

"Das Glück der gelungenen Tat"

Kongressleiterin Prof. Dr. Renate Zimmer hob die Chancen der Bewegung im Hin-blick auf die Inklusion heraus; "Bewegung ist in besonderem Maße geeignet, ei-nen Zugang zu allen Kinder unabhängig von ihren individuellen Entwicklungs- und Lernvoraussetzungen zu finden – denn über die Bewegung können sie eigene Stär-ken entdecken und Selbstwirksamkeit verspüren". Kritisch nahm Zimmer den zu-nehmenden Leistungsdruck bereits in der frühen Kindheit in den Blick und plädier-te für "das Glück der gelungenen Tat im Hier und Jetzt."

"Neue Kultur der Bewegung und Ernährung"

Der Zusammenhang von Bewegung und Gesundheit auf der Folie der menschli-chen Evolution stand im Fokus des Eröffnungsvortrages von Prof. Dr. Detlev Gan-ten. Der Präsident des "World Health Summit" und Vorstandsvorsitzende der "Charité – Universitätsmedizin Berlin" kritisierte, dass "Fehlernährung und Bewe-gungsmangel zu den modernen Seuchen geworden sind", die ebenso viel Leid und Tote forderten wie die Epidemien des Mittelalters. Bewegung und Sport hätten nicht nur direkte positive körperliche Effekte, sondern auch positive Auswirkungen auf Kognition, Emotion und soziales Verhalten. Er forderte daher "mehr Präventi-on und eine neue Kultur der Bewegung und der gesunden Ernährung."

Perspektive Inklusion

Einen roten Faden im Kongressprogramm bildet unter dem Motto "Vielfalt von Anfang an" die gesellschaftspolitisch heiß diskutierte Inklusion in KiTa und Grund-schule. ReferentInnen wie Prof. Dr. Timm Albers, Prof. Dr. Ulrike Lüdtke oder Prof. Dr. Simone Seitz zeigen aus verschiedenen Perspektiven auf, wie körperliche, kul-turelle oder kognitive Unterschiede zwischen Kindern als Bereicherung und Chan-ce gesehen und die Vision der Inklusion in der Praxis tatsächlich umgesetzt wer-den kann. "Jeder Mensch muss mit seinen einzigartigen Eigenschaften und Res-sourcen, mit seinen Stärken und Schwächen angenommen, beteiligt und gefördert werden. Dafür brauchen wir einen gesamtgesellschaftlichen Perspektivwechsel" bekräftigte Prof. Dr. Renate Zimmer.


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