Bildung in der Pandemie: Schluss mit dem „jeder gegen jeden“

Kitas und Schulen sollen trotz anhaltend hoher Infektionszahlen geöffnet bleiben. Doch wie können sie Betreuung und Unterricht organisieren, um das Recht auf Bildung einerseits und den Gesundheitsschutz andererseits zu gewährleisten?

18.11.2020 Bundesweit Pressemeldung Didacta Verband e.V. / Verband der Bildungswirtschaft
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Diese Frage rückt nach zwei Wochen Teil-Lockdown verstärkt in den Fokus und bedarf dringend einer verlässlichen Antwort für alle Beteiligten. Denn: Corona bleibt bis auf Weiteres eine Zumutung – für Kinder und Jugendliche, für Fach- und Lehrkräfte, für Eltern und für die Administration.

Das Unverständnis untereinander wächst. Dabei haben alle Beteiligten berechtigte Argumente: Fach- und Lehrkräfte fühlen sich mehr und mehr von ihren Arbeitgebern im Stich gelassen, weil sie jeden Tag hohen Gesundheitsrisiken ausgesetzt sind, etwa weil in vollen Klassenzimmern der notwendige Abstand nicht eingehalten werden kann. Die Kultusminister*innen argumentieren mit dem Wert des Präsenzunterrichtes, der mit allen Mitteln durchgesetzt werden soll, weil die sozialen Verwerfungen sonst wie im Frühjahr wieder zunehmen. Der Bund wünscht strengere Regeln für Schulen, die Länder blocken weitestgehend ab. Ein Teil der Eltern fürchtet organisatorische und wirtschaftliche Folgen, wenn Präsenzunterricht ausfiele, ein anderer Teil spricht sich für Wechsel- oder Fernunterricht aus. Die Quarantäneregeln der Gesundheitsämter sind vielerorts weniger streng als die Handlungsempfehlungen des Robert Koch Instituts (RKI). Und die Kinder und Jugendlichen selbst? Sie werden zu wenig gefragt. Die Lage ist chaotisch.

Gerhard Zupp, Leiter des Didacta-Ausschusses Schulische Bildung: „Es ist in dieser Zeit wichtiger denn je, aufeinander zu hören, Ängste und Sorgen genauso zuzulassen und wahrzunehmen wie wissenschaftliche Erkenntnisse. Es hilft nicht, wenn Eltern über Ministerien und Schuladministration klagen, wenn Lehrkräfte gegen Eltern und Bildungspolitik ins Feld ziehen. Wir brauchen einen Weg, der von allen gemeinsam getragen wird.“ Es bedarf nachvollziehbarer Regeln, wie Bildung in Zeiten der Pandemie organisiert werden soll. Dabei müssen für die Schulformen differenzierte Maßnahmen gelten, etwa die Möglichkeit, ab Sekundarstufe I Klassen zu teilen und Wechsel- oder Fernunterricht zu ermöglichen. Eine für Kitas besondere Schutzmaßnahme sind beispielsweise schnell realisierbare Lüftungskonzepte, die auch den Kleinstkindern gerecht werden. Hierfür ist der Austausch der Beteiligten dringend erforderlich.

Der gesellschaftliche Druck steigt. Für die Bildung ergibt sich daraus die Chance, jetzt wichtige, längst fällige Weichen zu stellen, damit auch nach der Pandemie die Qualität der Bildungsangebote stetig steigen kann. Der Wert der menschlichen Beziehungen bleibt dabei zentral. Zudem muss der Sprung ins digitale Zeitalter konsequent vorangetrieben werden, sowohl die technische Infrastruktur, die pädagogischen Konzepte als auch die Qualifizierung der Fach- und Lehrkräfte müssen dabei zusammengedacht werden. Und nicht zuletzt benötigen Kitas und Schulen – schon seit vielen Jahren – eine Ausstattungs- und Personaloffensive, um den alltäglichen Herausforderungen, wie der zunehmenden sozialen und kulturellen Heterogenität, gewachsen zu sein und in Zukunft Krisen besser begegnen zu können.

Ansprechpartner

Ansprechpartner Didacta
Thorsten Timmerarens
Telefon: +49 6151 3521513
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